Kleine Papierstreifen, große Wirkung: Was viele Reisende nach der Landung sofort abreißen, könnte sie später vor erheblichen Problemen bewahren.
Flugpassagiere kennen sie alle: die Papierstreifen, die bei der Gepäckaufgabe an Koffer und Taschen befestigt werden. Diese Etiketten sind mit wichtigen Informationen versehen – einem Barcode, einem Strichcode sowie der Flugnummer, dem Namen des Reisenden und dem Kürzel des Zielflughafens. Diese Kennzeichnung erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Sie hilft dem Bodenpersonal, das Gepäck korrekt zu sortieren und dem richtigen Flugzeug zuzuordnen, und ermöglicht es den Passagieren selbst, ihre Gepäckstücke bei Bedarf eindeutig zu identifizieren. Viele Reisende entfernen diese Etiketten jedoch unmittelbar nach der Ankunft – ein Verhalten, das aus mehreren Gründen problematisch sein kann.
IATA-System basiert auf Etiketten
Die International Air Transport Association (IATA) hat ein striktes Nachverfolgungssystem etabliert, das die Reise jedes Gepäckstücks an vier Kontrollpunkten digital verfolgt: bei der Aufgabe, beim Verladen ins Flugzeug, im Transferbereich und bei der Rückgabe an den Passagier. Dieses System basiert weiterhin auf den klassischen Gepäcketiketten mit Barcode. Der Verlust oder das vorzeitige Entfernen der Etiketten erschwert die eindeutige Zuordnung erheblich und macht die Rückverfolgung im Schadens- oder Verlustfall deutlich komplizierter.
Wichtiger Eigentumsnachweis
Tatsächlich gibt es zwei triftige Argumente gegen das vorschnelle Entsorgen der Gepäcketiketten. Erstens dienen sie als Eigentumsnachweis. Bereits beim Check-in erhalten Fluggäste einen Aufkleber mit identischem Strichcode als Gegenstück zum Etikett am Gepäck. Diese Kombination ist entscheidend, wenn Koffer verloren gehen – sie beweist, dass das Gepäckstück tatsächlich aufgegeben wurde und erleichtert die Zuordnung bei der Suche. Auch bei Beschädigungen während des Fluges kann das intakte Etikett am Gepäckstück als wichtiger Nachweis dienen, um Ansprüche geltend zu machen.
EU-Vorschriften beachten
In der Europäischen Union sind auf Gepäcketiketten zwei grüne Streifen Pflicht, um Zollbeamten die schnelle Identifikation von Gepäck aus EU-Staaten zu ermöglichen und unnötige Kontrollen zu vermeiden. Fluggesellschaften wie Lufthansa weisen darauf hin, dass bei Flügen innerhalb der EU die Etiketten farbig ausgedruckt werden müssen, um den rechtlichen Vorgaben zu entsprechen. Diese spezielle Kennzeichnung macht die ordnungsgemäße Aufbewahrung der Etiketten noch wichtiger.
Datenschutzrisiko
Der zweite Grund wiegt noch schwerer und betrifft die Sicherheit persönlicher Daten. Kriminelle sammeln gezielt weggeworfene Gepäcketiketten an Flughäfen, um an sensible Informationen zu gelangen. Sie können daraus nicht nur Namen und möglicherweise Vielfliegernummern auslesen, sondern diese Daten auch für betrügerische Zwecke nutzen – etwa um fingierte Schadensfälle zu konstruieren. Daher empfiehlt es sich, die Etiketten mindestens bis zur sicheren Heimkehr von Passagier und Gepäck aufzubewahren, idealerweise sogar zwei bis drei Wochen länger.
Bei der endgültigen Entsorgung sollten die Etiketten zudem unbedingt zerschnitten werden, um das Auslesen der Codes unmöglich zu machen. Obwohl neue Technologien wie RFID-Chips oder biometrische Oberflächenscans bereits in Entwicklung sind, sind sie noch nicht flächendeckend im Einsatz – die klassischen Etiketten bleiben daher weiterhin unverzichtbar.