Der Konflikt zwischen den USA und Iran weitet sich aus – und zieht immer mehr Länder sowie zentrale globale Handelswege in seinen Sog.
Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran greift zunehmend auf weitere Staaten der Region über. Iran meldete erstmals seit Beginn des aktuellen Krieges einen Angriff auf syrisches Territorium. Gleichzeitig ist der Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
Im Zuge einer neuen Welle von Raketen- und Drohnenangriffen erklärten die iranischen Revolutionsgarden, ein amerikanisches Kommandozentrum für Spezialoperationen bei al-Tanf im Süden Syriens angegriffen zu haben. Die Attacke sei eine Vergeltungsmaßnahme für den Tod iranischer Soldaten bei einem US-Angriff auf die südostiranische Stadt Iranshahr gewesen.
Die iranische Darstellung konnte zunächst jedoch nicht unabhängig bestätigt werden. Ein syrischer Militärvertreter erklärte gegenüber Reuters, der Angriff sei in der Nähe von al-Tanf erfolgt, habe die dortige Basis selbst aber nicht getroffen. Demnach habe es weder Opfer noch Sachschäden gegeben.
Die USA hatten den strategisch gelegenen Stützpunkt am Dreiländereck zwischen Syrien, Jordanien und Irak bereits im Februar 2026 vollständig geräumt und an syrische Regierungstruppen übergeben. Bei al-Tanf handelt es sich daher nicht mehr um eine aktive US-Militärbasis.
Regionale Ausweitung
Darüber hinaus erklärte Iran, amerikanische Einrichtungen in Bahrain und Kuwait angegriffen zu haben. Bereits zuvor hatte Teheran Raketen und Drohnen auf US-Militärstützpunkte in mehreren Nachbarstaaten abgefeuert, darunter auch auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien.
In der katarischen Hauptstadt Doha waren mehrere explosionsartige Geräusche zu hören. Das Innenministerium des Landes bestätigte, dass ein Kind durch herabfallende Splitter verletzt wurde. Nähere Angaben zur Herkunft der Trümmerteile wurden zunächst nicht gemacht.
Iranische Staatsmedien berichteten außerdem, die Revolutionsgarden hätten ein Marinesystem zur Radarüberwachung sowie ein amerikanisches Luftüberwachungsradar in Oman getroffen. Auch diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Der Angriff nahe al-Tanf stellt dennoch eine weitere geografische Ausweitung der Kampfhandlungen dar. Es war der erste bekannte iranische Angriff auf syrisches Territorium seit Beginn des aktuellen Krieges. Die syrische Führung hatte zuvor mehrfach erklärt, nicht in den regionalen Konflikt hineingezogen werden zu wollen.
Das US-Zentralkommando teilte unterdessen mit, in der sechsten Nacht in Folge zahlreiche iranische Militärziele angegriffen zu haben. An den Operationen seien Kampfflugzeuge, Drohnen und Kriegsschiffe beteiligt gewesen. Nach Angaben von CENTCOM wurden Dutzende Ziele aus den Bereichen Küstenüberwachung, Luftverteidigung, militärische Logistik und maritime Fähigkeiten getroffen.
Die Angriffe richteten sich demnach unter anderem gegen Ziele auf der Insel Qeschm und im Raum Bandar Abbas. Dort befinden sich Irans größter Hafen sowie wichtige Einrichtungen der iranischen Marine und der Revolutionsgarden.
Iranische Medien meldeten darüber hinaus Treffer auf mehrere Brücken, einen Bahnhof in der Küstenstadt Bandar Khamir sowie den Flughafen von Iranshahr. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA kamen bei Angriffen auf Brücken in Bandar Khamir sieben Menschen ums Leben. Die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zudem von einem getöteten Zivilisten in der Region Pasabandar nahe der Hafenstadt Tschabahar.
Die Angaben zu den Opfern und den getroffenen zivilen Infrastruktureinrichtungen konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.
Straße von Hormus
Die anhaltende Eskalation hat erhebliche Folgen für den internationalen Schiffsverkehr. Nach von Reuters ausgewerteten Schifffahrtsdaten durchquerten am Donnerstag lediglich drei Frachtschiffe die Straße von Hormus. Vor Beginn des Krieges waren es durchschnittlich rund 125 Schiffe pro Tag.
Die Meerenge gilt als eine der bedeutendsten Transitrouten für Erdöl und Flüssiggas weltweit. Am zweiten Tag in Folge passierten weder große Rohöltanker noch Tanker mit Flüssigerdgas die Wasserstraße. Mehrere Schiffe stoppten ihre Fahrt oder kehrten um.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, dass kein Erdöl und kein Erdgas durch die Straße von Hormus exportiert werde, solange die amerikanischen Angriffe andauerten. Die Wasserstraße ist jedoch nicht vollständig physisch abgeriegelt, da einzelne Schiffe sie weiterhin durchqueren.
Gleichzeitig haben die USA ihre Seeblockade gegen Schiffe wieder aufgenommen, die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen. Die Kombination aus iranischen Angriffen, militärischen Drohungen und der amerikanischen Blockade hat den Schiffsverkehr durch die Meerenge weitgehend zum Stillstand gebracht.
Die Eskalation ließ die internationalen Energiepreise steigen und verstärkte Sorgen vor neuen Preisschüben und einer höheren Inflation. Eine länger andauernde Unterbrechung der Lieferwege könnte erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Erdöl und Flüssiggas haben.
Nach Informationen von Reuters hat Iran außerdem die mit ihm verbündete Huthi-Miliz im Jemen aufgefordert, sich auf eine mögliche Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab vorzubereiten. Diese Wasserstraße verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer und zählt ebenfalls zu den wichtigsten Handels- und Energierouten der Welt.
Der Schritt soll demnach für den Fall erfolgen, dass die USA iranische Strom- und Energieinfrastruktur angreifen. Eine Quelle aus dem Umfeld der Huthi erklärte, die Miliz habe bereits Raketen und Drohnen in der Nähe der Meerenge stationiert und warte auf einen möglichen Einsatzbefehl.
Eine gleichzeitige Unterbrechung des Verkehrs durch die Straße von Hormus und Bab al-Mandab würde zwei der wichtigsten Energierouten des Nahen Ostens treffen und die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts erheblich verschärfen. Eine tatsächliche Sperrung der Meerenge am Roten Meer wurde bislang jedoch nicht bestätigt.