Ein Schuljahr, ein Verbot, zwei unversöhnliche Lager: Österreich steht vor einem heißen Herbst.
Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 tritt in Österreich das neue Kopftuchverbot an Schulen in Kraft, das bereits im Vorfeld für politische Kontroversen gesorgt hat. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gilt die Regelung ab 7. September, in den übrigen Bundesländern ab 14. September. Die Regierung begründet das Verbot mit dem Schutz der Selbstbestimmung und freien Entwicklung von Mädchen unter 14 Jahren; Kritiker sehen darin hingegen einen Eingriff in Religionsfreiheit und Gleichbehandlung.
Das Verbot beruht auf § 43a Schulunterrichtsgesetz und untersagt Schülerinnen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres in der Schule das Tragen eines Kopftuchs, das das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt. Die Regelung gilt sowohl an öffentlichen als auch an privaten Schulen, nicht jedoch beim Unterricht außerhalb des Schulgebäudes sowie bei Schulveranstaltungen und schulbezogenen Veranstaltungen außerhalb der Schule.
Geplante Proteste
Für den 9. Oktober ist in Wien eine weitere Demonstration gegen das Kopftuchverbot angekündigt. Hinter dem Widerstand steht unter anderem die Initiative ‚Nein zum Kopftuchverbot‘. Bereits im Februar mobilisierte ein Bündnis aus rund 20 Organisationen zu einer Demonstration in Wien. Auch verschiedene zivilgesellschaftliche und linke Organisationen sprechen sich gegen das Verbot aus.
Bereits im Februar gingen in Wien Hunderte Menschen gegen das Verbot auf die Straße, im Juni folgte ein weiterer Aktionstag. Für den 3. und 23. September sind zudem Seminare angekündigt, die sich an Eltern, Schülerinnen und auch Lehrkräfte richten. Dabei sollen rechtliche Möglichkeiten und Strategien diskutiert werden, mit denen sich die Umsetzung des Verbots verhindern oder verzögern lässt.
Verhärtete Fronten
Die Initiative warnt vor den weitreichenden Folgen des Verbots für muslimische Familien in Österreich. Die Regierung hingegen hält an ihrer Position fest, wonach die freie Entwicklung junger Mädchen im Mittelpunkt der Maßnahme stehe.
Damit dürfte die Auseinandersetzung auch nach dem Inkrafttreten weitergehen: Während die Regierung auf die gesetzliche Umsetzung und mögliche Sanktionen pocht, kündigen Gegner weitere Proteste und rechtlichen Widerstand an.