Riesige Kartoffeln, roter Boden und ein Markt, der an seinen Grenzen kratzt – Ljubuski steckt mitten im Wandel.
Wer im Mai durch Vojnici fährt, taucht ein in ein Meer aus Grün: Soweit das Auge reicht, erstrecken sich Kartoffeläcker, Reihe um Reihe, Feld um Feld. Die Region rund um Ljubuski zählt zu den bedeutendsten Anbaugebieten für Frühkartoffeln im westlichen Balkan – doch hinter der malerischen Kulisse steckt ein Wirtschaftszweig, der mit zunehmendem Druck kämpft.
Dubravko Buco Vukojevic, Vorsitzender der Landwirtschaftsgenossenschaft „Plodovi zemlje“ aus Ljubuski, zieht eine nüchterne Bilanz der abgelaufenen Saison. Auf 300 bis 350 Hektar wurden heuer Frühkartoffeln angebaut – ein durchschnittliches Jahr, wie er gegenüber „Slobodnadalmacija.hr“ sagt. Verzögerungen bei der Pflanzung durch starke Regenfälle im Februar bremsten den Saisonstart, am Ende standen rund 5.000 bis 6.000 Tonnen Ernte zu Buche.
Gewächshauskartoffeln, die bis Mitte Mai auf den Markt kamen, erzielten anfangs rund 2,50 Konvertible Mark – umgerechnet etwa 1,24 Euro – pro Kilogramm. Danach gab der Preis nach, die Mehrzahl der Produzenten verkaufte schließlich zwischen 0,80 und 1,00 KM, also 39 bis 49 Cent je Kilo. „Wenn die Landwirte ihre Kartoffeln für rund eine Mark loswerden, können sie damit leben und sind motiviert, im nächsten Jahr wieder anzubauen“, erklärt Vukojevic.
Fachkräftemangel spürbar
Was hingegen zunehmend zur Belastungsprobe wird, ist die Suche nach Arbeitskräften. Vukojevic bringt es mit trockenem Humor auf den Punkt: Einen CT-Termin bekomme man leichter als jemanden, der zehn bis fünfzehn Tage lang gegen Tageslohn auf dem Feld anpackt. Dabei ist das Angebot keineswegs unattraktiv – 150 KM, rund 75 Euro, für einen Achtstundentag.
Doch junge Menschen zieht es anderswohin. Der Arbeitsmarkt bietet Alternativen, und kaum jemand entscheidet sich noch für die körperliche Arbeit unter freiem Himmel. „Wer sich heute noch finden lässt, ist meist über fünfzig. Das sind andere Zeiten, und wir müssen das akzeptieren“, so Vukojevic.
Zu den wenigen Jüngeren, die dennoch auf die Landwirtschaft setzen, gehört Mario Culjak aus Veljaci – bekannt unter dem Familiennamen Rosic, den auch sein Exportunternehmen trägt. Er betreibt eine Landwirtschaftsapotheke, baut selbst Kartoffeln an und hat sich auf den Export nach Kroatien spezialisiert. Heuer pflanzte er 5,5 Tonnen Saatgut, der Ertrag übertraf die Erwartungen: Statt der üblichen vier bis fünf Tonnen je 1.000 Quadratmeter brachte die Saison fünf bis sechs Tonnen.
Kroatiens Bedeutung
Culjak macht keinen Hehl daraus, wie bedeutend der kroatische Markt für die gesamte Region ist. Zwischen 65 und 70 Prozent der Ljubuski-Frühkartoffeln landen jenseits der Grenze. „Ohne Kroatien wäre für viele Produzenten hier Feierabend. Der gesicherte Absatz gibt ihnen die Planungssicherheit, die sie brauchen“, sagt er.
Dass einzelne Händler versucht hätten, ägyptische Ware als heimische Frühkartoffeln zu verkaufen, sei zwar vorgekommen – aber gescheitert. In Ljubuski werde noch von Hand geerntet, und was in der roten Erde dieser Gegend heranwächst, schmecke schlicht anders.
Dass die heurige Saison auch ihre spektakulären Momente hatte, beweisen Bilder, die in den vergangenen Tagen in sozialen Netzwerken tausendfach geteilt wurden: Kartoffeln, so groß wie Kürbisse oder Melonen, sorgten für Staunen und mehr als tausend Likes. Hinter den außergewöhnlichen Exemplaren steckt Jasna Grbavac aus Sipovaca. Seit 30 Jahren baut sie Kartoffeln an, heuer pflanzte sie sieben Tonnen.
Die Prachtexemplare auf den Fotos – Sorte Arizona – schätzt sie auf jeweils 1,3 bis 1,5 Kilogramm das Stück. Gewogen hat sie die Knollen nicht, aber der Augenschein spricht für sich. Ihr Rezept für den Erfolg ist so schlicht wie zeitlos: „Alle aus der Familie packen mit an. Wenn man das nicht hat, wird’s schwierig.“