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Krebsversorgung

Studie warnt: Millionen Fachkräfte könnten bis 2050 fehlen

Studie warnt: Millionen Fachkräfte könnten bis 2050 fehlen
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Krebs wird zur globalen Krise – und das Gesundheitssystem droht, den Kampf dagegen zu verlieren.

Einer internationalen Studie zufolge könnte der weltweite Mangel an Fachkräften in der Krebsversorgung bis zum Jahr 2050 auf rund hundert Millionen anwachsen. Den größten Anteil daran hätte der Fehlbestand an Pflegepersonal mit 65 Millionen sowie an Spezialisten in Radiologie und Pathologie mit 16 Millionen – besonders gravierend wäre die Lage in Afrika und Asien. Hintergrund ist die Prognose von jährlich 35,3 Millionen neuen Krebsdiagnosen und 18,5 Millionen krebsbedingten Todesfällen bis 2050.

Die Welt läuft dem stetig wachsenden Bedarf an medizinischem Fachpersonal für die Krebsversorgung zunehmend hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die kürzlich beim amerikanischen Krebskongress ASCO (American Society of Clinical Oncology) in Chicago präsentiert wurde. Hedvig Hricak von der Radiologieabteilung des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York hat den Bericht gemeinsam mit weiteren Co-Autoren zeitgleich zum Kongress in der Fachzeitschrift „Lancet Oncology“ veröffentlicht.

Österreichs Krebsprognose

Auch Österreich ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen: Steigende Erkrankungszahlen und eine zunehmende Krebssterblichkeit zeichnen sich laut der aktuellen „Prognose der Krebsinzidenz, Krebsprävalenz und Krebsmortalität bis 2045″ des Gesundheitsministeriums ab. Demnach wird die Zahl der Krebsneuerkrankungen bis 2045 im Vergleich zum Jahr 2023 um 21,6 Prozent steigen. Auch die Zahl der Krebssterbefälle wird um 20,9 Prozent zunehmen, während die Krebsprävalenz voraussichtlich um 53,8 Prozent steigen wird.

Gleichzeitig zeigen die Berechnungen, welches Potenzial ein entschlossener Ausbau der Personalkapazitäten in Onkologie, Diagnostik und Nachsorge hätte: Bis 2050 könnten demnach 170 Millionen Krebstodesfälle verhindert werden, und zwischen 2030 und 2050 ließe sich ein Nettonutzen von 120 Billionen US-Dollar erzielen – was einer globalen Rendite von vier Dollar je investiertem Dollar entspräche. „Krebs gilt als stille Pandemie: Bis 2050 werden weltweit jährlich 35,3 Millionen Fälle und 18,5 Millionen Todesfälle prognostiziert. Rund 70 Prozent dieser neu diagnostizierten Krebsfälle treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf“, so die Wissenschafter.

Bereits für das Jahr 2030 hat die Weltgesundheitsorganisation einen globalen Mangel von 18 Millionen Gesundheitsfachkräften prognostiziert, wobei Länder mit niedrigem und mittlerem Bruttosozialprodukt rund zwei Drittel dieses Defizits auf sich vereinen dürften. Den stärksten Anstieg bei den Neuerkrankungen verzeichnen laut den Fachleuten HNO-Karzinome sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs, der nach wie vor zu den therapeutisch schwer beherrschbaren Tumorerkrankungen zählt.

Regionale Überlebensraten

Der Bedarf an Versorgungskapazitäten – von der Früherkennung über die Therapie bis hin zur Nachsorge – wird sich weiter vergrößern. Noch im Jahr 2050 werden die Fünf-Jahres-Überlebensraten in Afrika lediglich bei 34,4 Prozent liegen, in Asien bei 38,7 Prozent, in Lateinamerika bei 55,1 Prozent und in Europa bei 62,2 Prozent. Für Nordamerika hingegen wird sogar ein leichter Rückgang von 64,3 Prozent im Jahr 2025 auf 63,9 Prozent erwartet.

Den Berechnungen zufolge wird der globale Fehlbestand an Fachkräften im Jahr 2050 bei 99,9 Millionen Personen liegen. In Afrika werden 34 Millionen medizinische Fachkräfte fehlen, in Asien 57 Millionen. Auch Europa dürfte mit einem Defizit von 1,75 Millionen Beschäftigten konfrontiert sein, Lateinamerika weist eine Lücke von 5,8 Millionen auf, während Nordamerika mit einem Fehlbestand von 367.000 vergleichsweise gut aufgestellt erscheint.

Konkret gehen die Studienautoren davon aus, dass im Jahr 2050 weltweit fast 3,3 Millionen Allgemeinmediziner fehlen werden – allein in Europa rund 114.000. Der Bedarf an diplomierten Pflegekräften wird sich auf rund 65 Millionen belaufen. Hinzu kommen ein Fehlbestand von etwa 16 Millionen Spezialisten in Pathologie und bildgebender Diagnostik, knapp 6,2 Millionen Apotheker, 6,7 Millionen Fachärzte für die medikamentöse Krebsbehandlung sowie 3,6 Millionen Chirurgen und perioperative Spezialisten.

„Unseren Modellrechnungen zufolge ist mit Fachkräftemangel in allen Bereichen des Gesundheitswesens und hinsichtlich des Ausbildungsniveaus zu rechnen. Der größte Fachkräftemangel im Jahr 2050 wird voraussichtlich bei Grundversorgungskräften auftreten, mit einer Lücke von 68 Millionen Personen. Im Jahr 2050 wird ein Mangel von 15 Millionen Fachkräften im technischen und verwandten Gesundheitswesen prognostiziert, bei fortgeschrittenen klinischen Spezialisten eine Lücke von sechs Millionen und bei Fachärzten von insgesamt zehn Millionen“, heißt es in der Studie.

Den wirkungsvollsten Hebel zur Senkung der Krebssterblichkeit sehen die Forscher in einer deutlichen Erhöhung der Zahl an Diagnostikspezialisten. „Am stärksten könnte die Krebssterblichkeit durch eine Erhöhung der Anzahl von Diagnosespezialisten – etwa Pathologen, Radiologen, Nuklearmedizinern und Radiologieassistenten – verringert werden“, so die Wissenschafter. „Ein umfassender und finanziell tragfähiger Ausbau der Personalkapazitäten aller Berufsgruppen könnte die krebsbedingte Sterblichkeit weltweit um etwa 40 Prozent senken“, heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit.

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KO KOSMO-Redaktion
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