Halbe Million Euro für ein gescheitertes Experiment: Das Radweg-Provisorium auf der Linzer Nibelungenbrücke wurde nach nur zehn Tagen teilweise zurückgebaut.
Das Radweg-Provisorium auf der Linzer Nibelungenbrücke hat den Steuerzahler teuer zu stehen gekommen. Verkehrslandesrat Gunther Steinkellner (FPÖ) bezifferte die entstandenen Aufwendungen auf 455.700 Euro. „Die bisher entstandenen Kosten belaufen sich inklusive Personal und Geräte der Brückenmeisterei auf 455.700 Euro“, erklärte Steinkellner auf eine Anfrage der MFG (Menschen-Freiheit-Grundrechte, politische Partei in Oberösterreich) im Landtag. Insgesamt soll das Projekt rund eine halbe Million Euro an öffentlichen Mitteln verschlungen haben.
Der Verkehrslandesrat hatte persönlich die Demontage des provisorischen Radwegs auf einer Seite der Brücke angeordnet, nachdem es zu massiven Verkehrsbehinderungen gekommen war. Die Entscheidung zum Teilrückbau fiel bereits etwa zehn Tage nach der offiziellen Eröffnung und wurde mit Sicherheitsbedenken sowie der Gewährleistung eines funktionierenden öffentlichen Verkehrs begründet.
Teilrückbau umgesetzt
Die Rückbaumaßnahmen betrafen einen der beiden neu eingerichteten Radstreifen. Der betroffene Abschnitt verlief nicht auf einer erhöhten Fläche, sondern war durch bauliche Elemente von der Fahrbahn getrennt und diente Radfahrern, die aus dem Stadtzentrum in Richtung Urfahr unterwegs waren. Der erhöhte Radweg in der Gegenrichtung zur Innenstadt blieb von den Maßnahmen unberührt.
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Nach dem Scheitern des Projekts Ende April gewann die Alternative eines Brückenanbaus wieder an Bedeutung. Als mögliche Lösung wird nun eine Zusatzbrücke für Fußgänger auf der Seite des Rathauses diskutiert, wodurch auf der Hauptbrücke mehr Raum für den Radverkehr entstehen könnte.
Besonders die Linzer Radfahrverbände zeigten sich enttäuscht über den Rückbau. Der Radlobbyverein „Radfahren in Linz“ hatte den provisorischen Radweg als wichtigen Schritt zur Verbesserung der Radinfrastruktur begrüßt und kritisierte die rasche Demontage als überhastete Reaktion. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass die Verkehrsprobleme teils durch mangelnde Vorabplanung und fehlende Übergangslösungen verursacht wurden.
Neue Lösungsansätze
Linz‘ Vizebürgermeister und Mobilitätsreferent Martin Hajart (ÖVP) hatte damals die Einschätzung geäußert, dass eine solche Zusatzkonstruktion „kostengünstig und auch relativ rasch realisiert werden“ könnte. Das Konzept sieht vor, die bestehenden Brückenpfeiler zu erweitern und darauf einen Fußgängersteg zu installieren. Auch Verkehrslandesrat Steinkellner signalisierte seine Unterstützung für diesen Vorschlag.
Eine erste Kostenkalkulation für das Projekt veranschlagt zwischen sieben und acht Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Stadt Wien investierte für den Umbau der Praterbrücke mit zusätzlichen Radwegen rund 2,3 Millionen Euro – allerdings mit längerer Planungsphase und ohne nachträglichen Rückbau. Experten des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) betonen, dass nachhaltige Verkehrslösungen gründliche Planungsprozesse und Verkehrssimulationen benötigen, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.