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Führungskrise

Machtkampf beim ORF eskaliert – Wahl vorgezogen

Machtkampf beim ORF eskaliert – Wahl vorgezogen
Foto: iStock, epa/Alexander Becher
3 Min. Lesezeit |

Beim ORF brodelt es: Eine Sondersitzung könnte die Machtverhältnisse an der Senderführung noch vor dem Sommer neu ordnen.

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zeichnet sich eine folgenreiche Weichenstellung ab: Der ORF-Stiftungsrat tritt zu einer Sondersitzung zusammen, bei der sowohl die Stellung von Interimschefin Ingrid Thurnher als auch die Frage der künftigen Senderführung auf der Tagesordnung steht. Im Mittelpunkt steht dabei ein Antrag, die Wahl der neuen ORF-Geschäftsführung deutlich vorzuziehen. Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Termins im August soll die Entscheidung bereits am 11. Juni fallen, wer ab 2027 an der Spitze des Senders stehen wird.

Als Begründung wird die „außergewöhnliche Situation, in der sich der ORF befindet“ angeführt. Für Thurnher hätte eine solche Entscheidung unmittelbare Konsequenzen: Sobald eine neue Führung gewählt ist, wäre sie verpflichtet, wesentliche Entscheidungen mit dieser abzustimmen – ihr Handlungsspielraum würde dadurch erheblich schrumpfen.

Verschärfte Kontrolle

Darüber hinaus sind weitreichende Maßnahmen zur Stärkung der internen Kontrolle geplant. Vereinbarungen, die außerhalb bestehender Regelwerke getroffen werden – etwa zu Gehältern, Boni oder Sonderleistungen –, sollen künftig dem Stiftungsrat zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Ergänzend ist die Einrichtung eines eigenen Personalausschusses vorgesehen, der derartige Fälle einer gesonderten Prüfung unterzieht.

Ein weiterer Antrag zielt auf eine Verschärfung der Compliance-Vorschriften für Stiftungsräte ab, wobei Unabhängigkeit und Vertraulichkeit künftig stärker verankert werden sollen.

Weissmanns Forderung

Unterdessen hält die Causa rund um den früheren Generaldirektor die Öffentlichkeit weiter in Atem. Roland Weissmann verlangt die vollständige Offenlegung eines Berichts über sein Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin. Die bislang veröffentlichten Chat-Auszüge seien „aus dem Zusammenhang gelöste Auszüge, die kein zutreffendes Gesamtbild der Beziehung zeichnen“.

Es sei „nicht länger hinnehmbar, dass durch selektive Veröffentlichungen sein höchstpersönlicher Lebensbereich offengelegt“ werde. Bei dem Bericht handle es sich um ein „Schlüsseldokument, das den vollständigen Sachverhalt abbildet“ und beiden Seiten gerecht werde. Weissmann kündigte an, gegen eine weitere Veröffentlichung rechtliche Schritte einzuleiten.

Ursprünglich war vorgesehen, dass Thurnher nach Abschluss eines Ausschreibungsverfahrens bis Jahresende in ihrer Funktion bestätigt werden sollte. Doch die Turbulenzen im Zuge des Rücktritts von Roland Weissmann sowie die jüngsten Entwicklungen haben die Lage grundlegend verändert. Aus informierten Kreisen verlautet, dass mit einem äußerst turbulenten Sitzungsverlauf zu rechnen sei – ein Insider bringt es auf den Punkt: „die Fetzen fliegen“.

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KO KOSMO-Redaktion
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