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FAMILIENFEHDE

Massenmord in Montenegro: Ist eine Rückkehr zur Blutrache möglich?

FOTO: EPA-EFE/BORIS PEJOVIC

Bei einer Massenschießerei, die sich am Freitag in Cetinje (Montenegro) ereignete, tötete der Attentäter Vuk Borilovic (34) 10 Personen, darunter zwei Kinder. Dieser größte Mordfall in der Geschichte des Landes drängt die Frage auf, ob der Tod unschuldiger Opfer die seit rund 20 Jahren ausgemerzte Tradition der Blutrache wieder auf den Plan bringen könnte.

Während des Blutrauschs tötete der Täter zuerst die dreiköpfige Familie Martinovic, die Mutter Natasa Pejovic Martinovic (35) und ihre Söhne (11) und (8), bevor er den Ehemann Milos Martinovic telefonisch anrief, um ihm von der Tat in Kenntnis zu setzen.

Diese Vorgangsweise des Täters lässt die Vermutung zu, dass es sich nicht um eine willkürliche Tat im Blutrausch, sondern um eine länger bestehende Fehde handeln könnte. Die Familie Martinovic ist der Familie des Täters wohlbekannt, beide Familien stammen aus der alten montenegrinischen Sippe Bajice aus Gornic am Berg Lovcen und teilen eine lange Sippengeschichte.

FOTO: EPA-EFE/BORIS PEJOVIC

Rückkehr zu Blutrache?

Wie der Polit-Soziologe Srdjan Vukadinovic für „Blic“ erklärt, wurde die letzte Blutrache in Montenegro vor rund 20 Jahren von einer albanischen Sippe durchgeführt, wobei – wie in jedem Fall der Blutrache – Unschuldige getötet wurden.

“Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung Montenegros geeint dazu steht, dass nach diesem Massaker niemand eine Blutrache braucht, bei der wieder nur unschuldige Opfer getötet werden. Blutrache kann keine Lösung sein. Cetinje und Montenegro haben es satt, dass Unschuldige sterben!”, so der Experte.

Gleichzeitig betont Vukadinovic, dass Sippengemeinschaften in Montenegro nach wie vor eine wichtige Rolle spielen.

FOTO: EPA-EFE/BORIS PEJOVIC

“Sippenvorsteher haben oft mehr Einfluss als staatliche Institutionen. In der Stadt Tuza gab e seine Zeitland die moisten Coronainfizierten, bis der Vorsteher der Bevölkerung das Versprechen abverlangte, die nächsten zwei Wochen nicht mehr ihre Häuse zu verlassen. Erst dadurch konnte die Zahl der Infizierten reduziert werden”, erklärt der Soziologe.

Der Leiter der Kriminalpolizei für die Bekämpfung von Tötungsdelikten Srdjan Korac erklärte gestern für die Medien, dass “es derzeit keine Hinweise auf eine bevorstehende Vergeltung” gibt. Bezeichnend ist jedoch, dass die Familie des Täters nach dem Massenmord von den Behörden in Sicherheit gebracht wurde und alle “Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer persönlichen Sicherheit” getroffen wurden, wie Korac erklärte.

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