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Fußballzukunft

Roter Stern darf nicht verlieren“ – Matic rechnet mit Serbiens Fußball ab

Roter Stern darf nicht verlieren“ – Matic rechnet mit Serbiens Fußball ab
FOTO: EPA/ ETTORE FERRARI
4 Min. Lesezeit |

Fußballstar Nemanja Matic fordert eine gemeinsame Liga für Ex-Jugoslawien und kritisiert scharf die Zustände im serbischen Fußball, wo ein Verein alles dominiert.

Der ehemalige Nationalspieler Nemanja Matic sieht in einer regionalen Liga die einzige Zukunftsperspektive für Fußballvereine aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. „Für mich ist eine regionale Liga die einzige Rettung für Vereine aus dieser Region. Ich bin überzeugt, dass sie eines Tages Wirklichkeit wird“, erklärte Matic während seines Aufenthalts als Botschafter der Sportspiele der Jugend in Sarajevo gegenüber Sportske novosti. „Wir sind kleine Länder, wir sind weder für Sponsoren noch für Fernsehsender oder das reiche Europa interessant. Stellen Sie sich vor, Roter Stern spielt auswärts im Poljud-Stadion in Split oder Dinamo Zagreb in Novi Sad – jedes Spiel hätte volle Tribünen und alle würden profitieren.“

Auf die Frage, ob die Region für ein solches Projekt bereit sei, zeigt sich der Mittelfeldspieler überzeugt: „Natürlich sind wir bereit, warum nicht? Die Probleme verursachen nur kleine Interessengruppen und eine Handvoll Chaoten, die sich als Fans ausgeben. Normale Menschen sehen in der Gründung einer solchen Liga nichts Problematisches.“ Matic differenziert dabei klar: „Auch ich bin Fan, ich liebe meinen Verein, aber ich bin kein Hooligan. Ich bin Anhänger von Jedinstvo Ub, gehe aber nicht ins Stadion, um mich zu prügeln oder andere zu beleidigen.“

Der 36-Jährige sieht vor allem die Politik in der Pflicht: „Alles hängt vom politischen Willen ab – Probleme werden innerhalb eines Tages gelöst, wenn Interesse besteht. Es ist bedauerlich, dass dieses Interesse momentan fehlt, aber ich garantiere, dass wir in zehn Jahren eine Liga auf europäischem Niveau hätten.“

Kroatiens Vorbild

Der Ex-Chelsea- und Manchester-United-Profi verfolgt besonders die Entwicklung im kroatischen Fußball mit großem Interesse. „Ich beobachte die kroatische Liga sehr genau. Die vergangene Saison war fußballerisch unglaublich. Das Titelrennen zwischen Dinamo Zagreb, Hajduk Split und HNK Rijeka war fast unwirklich, mit Überraschungen von Spieltag zu Spieltag. Solche Entwicklungen sind fantastisch für den Fußball.“

Im Vergleich dazu sieht er die Situation in seiner Heimat kritisch: „In Serbien ist eine solche Spannung schon lange nicht mehr möglich. Roter Stern Belgrad steht bereits im Oktober oder spätestens im Dezember als Meister fest.“ Trotz fehlender internationaler Durchschlagskraft lobt Matic die Attraktivität der kroatischen Liga: „Sie ist großartig, obwohl dort keine Spiele für ernsthafte europäische Erfolge stattfinden. Aber die Stadien sind voll, die Partien werden im Fernsehen verfolgt, weil die Menschen Spannung wollen.“

Auch in Sachen Schiedsrichterwesen sieht er positive Entwicklungen beim Nachbarn: „Die Schiedsrichterleistungen in Kroatien haben sich deutlich verbessert – ein Zeichen für die richtige Entwicklungsrichtung. Bei uns haben diese Prozesse noch nicht einmal begonnen. Die Qualität der Schiedsrichter spiegelt letztlich die Verhältnisse wider, die wir im Fußball haben wollen.“

Serbiens Probleme

Besonders kritisch betrachtet Matic die Dominanz eines einzelnen Vereins in Serbien: „Früher war es Partizan Belgrad, jetzt ist es Roter Stern Belgrad, dem der gesamte Fußball untergeordnet wird. Roter Stern darf kein Spiel verlieren und muss immer das größte Budget haben. Wie soll man unter solchen Bedingungen Fortschritte erzielen? Mit dem nötigen Willen ließe sich das innerhalb von 24 Stunden ändern.“

Auch zur serbischen Nationalmannschaft äußert sich der 48-fache Internationale unmissverständlich: „Die Antwort ist einfach – wie man sät, so erntet man auch. Die Art und Weise, wie wir mit Nachwuchsspielern in Akademien und mit Trainern umgehen, führt letztendlich zu den Ergebnissen, die wir bekommen.“ Matic beklagt mangelnde Investitionen und warnt: „Es ist fraglich, wann wir den Tiefpunkt erreichen werden, wenn wir nicht zur Vernunft kommen. Schon vor zehn Jahren habe ich prophezeit, dass wir auf das Niveau von Bulgarien oder Litauen zurückfallen werden.“

Der aktuelle Kader könne nicht mit früheren Generationen mithalten: „Serbische Spieler erreichen heute nicht mehr das Niveau von Vidic, Stankovic, Kolarov oder Ivanovic. Kroatien hingegen gewann Medaillen 2018 und 2022.

Die Auftritte unserer Nationalelf sind das Ergebnis dessen, was wir in den vergangenen zehn Jahren getan haben.“

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KO KOSMO-Redaktion
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