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GROSSE FOLGEN

„Me-Too“-Bewegung: Welche Folgen hat das Amber Heard-Urteil für weibliche Gewaltopfer?

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(FOTO: EPA/@ Evelyn Hockstein/Pool)

Wird jetzt Gewaltopfern noch seltener geglaubt? Genau diese Frauen hätten den gesamten Prozess rund um Amber Heard und Johnny Depp mit Angst und Schrecken verfolgt. Nun ist der Prozess beendet und die Jury hat sich größtenteils auf Johnnys Seite gestellt, aber auch Amber in ein paar Punkten Recht gegeben. Welche Folgen hat das Urteil für die „Me-Too“-Bewegung und warum schadet der Prozess nicht nur Frauen?

Folgen und Frauenhass wegen Amber Heard-Urteil: „Frauen werden sich denken, wie soll es mir dann erst gehen“

„Das, was passiert ist, hat Amber Heard mit Sicherheit nicht beabsichtigt. Die Richterin, die das Urteil gesprochen hat, ist bekannt für solche Urteile. Die Machtverhältnisse waren klar, Johnny Depp ist einfach viel bekannter und hat eine große Fan-Gemeinschaft. Es ging bei diesem Prozess in der Öffentlichkeit nie um die Wahrheit“, erzählt die deutsche Feministin und stellvertretende Vorsitzende von „MIA“ (Mütterinitiative für Alleinerziehende) Stefanie Ponikau in einem Interview gegenüber RTL. „Wenn ich teilweise lese, dass „Amber Heard brennen soll“, frage ich mich schon, in welchem Jahrhundert wir leben“, setzt sie fort.

Es ist egal, was die Personen vom Urteil halten würden, denn in der Beurteilung sei viel Frauenhass dabei. „Den Fall nicht mitzubekommen, war unmöglich. Viele Frauen, die tatsächlich Gewalt erlebt haben, werden sich denken: Wenn das schon einer Frau wie Amber Heard passiert, wie soll es mir dann vor Gericht erst gehen“, kritisiert die Aktivistin.

Haltet ihr die Kritik an Amber Heard für übertrieben?

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„Frauen werden bei der Polizei wieder gefragt: Was hatten sie an?“– wegen Amber Heard-Urteil

Die Außenwirkung des Heard-Falls bewertet die Feministin als dramatisch. Nun soll den Gewaltopfern noch seltener geglaubt werden. Die alltägliche Arbeit ist für sie verheerend.

„Schon jetzt ist bei Vergewaltigungsfällen bei Beamten wieder der Tenor der Mitschuld vorhanden. Frauen werden bei der Polizei wieder gefragt: Was hatten sie an?“, erklärt Ponikau. „Es ist leider davon auszugehen, dass deswegen weniger Fälle von Vergewaltigung zur Anzeige gebracht werden“, setzt die Feministin fort.

Wenn Frauen nicht geglaubt wird, sind auch ihre Kinder in Gefahr

Von den fatalen Gewalt-Auswirkungen sind nicht nur Frauen, sondern auch Kinder betroffen. „Wir sehen hier eine unheilvolle Entwicklung. Wenn Gewaltopfern noch seltener geglaubt wird, sind auch Kinder häufiger gefährdet“, so die Aktivistin. Beim Familiengericht müssen Frauen um ihre Kinder enorm viel kämpfen. Oft soll Gewalt bei Männern nicht genug ernst genommen werden.

„Auch diese Entwicklung könnte sich verschlimmern. Dann werden die Kinder wieder den Gewalttätern zugeführt. Das gilt es unbedingt zu verhindern“, warnt sie zum Schluss.

Quelle: RTL