Ein Militärhistoriker malt ein düsteres Zukunftsbild für Europa, während sich am Horizont neben Russland eine zweite Bedrohung abzeichnet: die wachsende Spannung um Taiwan.
Der deutsche Militärhistoriker Sönke Neitzel sorgt mit einer düsteren Prognose für Aufsehen in der europäischen Sicherheitsdebatte. „Vielleicht wird der Sommer 2025 der letzte Sommer sein, den wir in Frieden erlebt haben“, warnte der Professor für Militärgeschichte an der Universität Potsdam bereits im März 2025 und löste damit heftige Diskussionen aus. Nach seiner Einschätzung werden die Reformbemühungen der Regierung kaum ausreichen, um Deutschland und Europa militärisch auf kommende Herausforderungen vorzubereiten.
Neitzel beschreibt die deutsche Bundeswehr als „dysfunktionales System“, dessen Umgestaltung die Berliner Regierung vor eine gewaltige Aufgabe stellen werde. Der Experte schätzt, dass die Umstellung auf eine effektive Landes- und Bündnisverteidigung mindestens 20 Jahre dauern wird – eine Zeitspanne, die angesichts aktueller Bedrohungslagen als zu lang erscheint. Für die Streitkräfte identifiziert er drei zentrale Handlungsfelder: die Abwehr von Drohnen, den Ausbau der Luftverteidigung sowie die Aufstockung der Munitionsvorräte.
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Entgegen der verbreiteten Einschätzung, Russland stelle mit seinem Vorgehen in der Ukraine die größte militärische Bedrohung dar, plädiert Neitzel für eine umfassendere Vorbereitung der NATO auf verschiedene Krisenszenarien. Europa müsse sich auf drei sehr kritische Jahre einstellen, warnte der Militärhistoriker und betonte, dass seine Aussage als Weckruf an die Politik, nicht als Panikmache verstanden werden sollte. Militäranalyst Stefan Neumann verweist zudem auf eine weitere Gefahrenquelle: die permanente Präsenz chinesischer Streitkräfte vor der Küste Taiwans. Sicherheitsexperten befürchten, dass Chinas Staatschef Xi Jinping die Ablenkung durch den Ukraine-Krieg nutzen könnte, um einen Angriff auf Taiwan zu wagen.
Chinas Taiwan-Strategie
Die Führung in Peking betrachtet Taiwan seit jeher als Teil des chinesischen Territoriums, obwohl der Inselstaat faktisch unabhängig mit eigener Regierung und eigenem System existiert. In den vergangenen Jahren hat China seine militärischen Aktivitäten rund um Taiwan deutlich intensiviert. Die Manöver zu Wasser und in der Luft simulieren Blockaden und Angriffe auf kritische Infrastruktur der Insel – eine Strategie, die sowohl der Einschüchterung der taiwanesischen Bevölkerung als auch der Demonstration militärischer Stärke dient.
Wiederholt hat China mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollte Taiwan seine Unabhängigkeit formal erklären. Diese Drohkulisse wird durch Großmanöver und den Einsatz modernster Militärtechnologie wie Flugzeugträgern und hochentwickelten Kampfjets unterstrichen.
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US-Verteidigungsgarantie
Taiwan hat zwar seine Verteidigungsfähigkeiten ausgebaut und die militärische Einsatzbereitschaft erhöht, bleibt jedoch weitgehend auf amerikanische Unterstützung angewiesen. Die USA haben sich im Taiwan Relations Act zur Verteidigung der Insel verpflichtet und stellen entsprechende Mittel zur Selbstverteidigung bereit. In jüngster Zeit haben die Vereinigten Staaten ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt und die Waffenlieferungen an Taiwan ausgeweitet, um die Verteidigungsfähigkeit gegen mögliche chinesische Aggressionen zu sichern.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht von einem „überzeugenden Abschreckungspaket“, das China von einem leichtfertigen Angriff abhalten soll. Die Aussicht auf eine militärische Konfrontation zwischen den USA und China bereitet Sicherheitsexperten die größten Sorgen. Ein solcher Konflikt hätte verheerende globale Auswirkungen und könnte die Weltwirtschaft in den Abgrund stürzen.
China hat seine militärischen Kapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut – von fortschrittlichen Raketensystemen über Flugzeugträger bis hin zu anderen Hochtechnologien. Zudem festigt Peking durch gemeinsame Militärübungen mit Partnern wie dem Iran und Russland sein antiwestliches Militärbündnis und erweitert seine strategischen Fähigkeiten.