117 Millionen Dollar damals – 1,76 Milliarden heute. Kroatiens Goldverkauf von 2001 wirft lange Schatten.
Im Jahr 2001 trennte sich Kroatien von 13,1 Tonnen Gold – verkauft an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in zwei Tranchen, für insgesamt rund 117 Millionen Dollar. Damals galt der Schritt als solide Entscheidung: Die kroatische Nationalbank erzielte nach eigenen Angaben einen annualisierten Gewinn von 7,44 Prozent. Gemessen am heutigen Goldpreis jedoch hätte dieselbe Menge einen Marktwert von rund 1,76 Milliarden Dollar – ein Unterschied, der die Entscheidung von einst in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Die Goldreserven, die Kroatien damals veräußerte, stammten aus der Aufteilung des Vermögens der jugoslawischen Nationalbank nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates. Kroatiens Anteil belief sich auf jene 13,1 Tonnen, die zunächst in den nationalen Devisenbestand einflossen. Die Entscheidung zum Verkauf fiel in einer Phase wirtschaftlicher Konsolidierung – unter der Prämisse, dass alternative Finanzanlagen verlässlichere Erträge versprachen.
Globaler Goldhunger
Seither hat sich das globale Bild grundlegend gewandelt. Zentralbanken weltweit horten Gold in einem Ausmaß, das zuletzt Rekordmarken überschritt: Zentralbanken und andere Institutionen erhöhten ihre Goldreserven im Jahr 2024 netto um 1.044,6 Tonnen – damit lag der Zuwachs zum dritten Mal in Folge über 1.000 Tonnen. Deutschland holte zwischen 2013 und 2016 insgesamt 330 Tonnen aus Nordamerika zurück, Frankreich und die Niederlande folgten einem ähnlichen Kurs. Kroatien selbst verfügt heute über Goldbestände im Umfang von rund 56.256 Unzen, die von der Europäischen Zentralbank verwaltet werden.
Kroatiens Kurs
Ob Zagreb dieser globalen Tendenz stärker folgen sollte, bleibt unter Fachleuten umstritten. Edelmetallexperte Sasa Ivanovic verwies auf den enormen Wertzuwachs, den das einst verkaufte Gold seither erfahren hat. Wirtschaftsprofessor Ljubo Jurcic hingegen mahnt zur Nüchternheit: „Wir sind keine große Volkswirtschaft – unsere Sicherheit und Stabilität hängen von unserer heimischen Produktion ab.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass Gold im Ernstfall durchaus seine Bedeutung behalte: „Wenn es zu einer ernsthaften Krise kommt, ist Gold notwendig.“