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Kontroverse

Müssen beweisen, dass wir Frauen sind“ – Olympiasiegerin schlägt Alarm

Müssen beweisen, dass wir Frauen sind“ – Olympiasiegerin schlägt Alarm
(Foto: Pexels)
3 Min. Lesezeit |

Drei Wochen vor der Leichtathletik-WM sorgt ein verpflichtender Gentest für Frauen für Aufruhr. Olympiasiegerin Malaika Mihambo und der DLV üben scharfe Kritik.

Die kurzfristige Einführung verpflichtender Gentests sorgt rund drei Wochen vor der Leichtathletik-WM für erheblichen Aufruhr in der Szene. Deutschlands Weitsprung-Star Malaika Mihambo geht mit dem Weltverband hart ins Gericht, während auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Mittwoch deutliche Kritik durchblicken ließ. „Ich sehe diese Maßnahme sehr kritisch“, erklärte Mihambo im SID-Gespräch. Die Gold-Gewinnerin von Tokio und zweifache Weltmeisterin vermisst vor allem ein angemessenes Verhältnis zwischen Problem und Lösungsansatz. „Für ein sehr kleines Problem werden enorme Ressourcen aufgewendet, während die wirklich drängenden Themen – Doping, Missbrauch, Gewalt im Sport – weiter bestehen. Wenn wir von Integrität sprechen, dann müssen wir genau dort mindestens genauso entschlossen handeln“, betonte die 31-Jährige.

Ab dem 1. September 2025 müssen Athletinnen weltweit einmalig ihr biologisches Geschlecht nachweisen, bevor sie bei internationalen Wettkämpfen starten dürfen. Die Premiere dieser Regelung steigt bei der WM in Tokio (13. bis 21. September 2025). Der von World Athletics vorgeschriebene SRY-Test (Gentest zur Y-Chromosom-Identifikation) soll mittels Wangenabstrich oder Blutprobe das Y-Chromosom identifizieren. Die Analyse dauert etwa zwei Wochen, wobei World Athletics die Ergebnisse stichprobenartig abfragen kann. WA-Chef Sebastian Coe hatte den Schritt mit dem Schutz des Frauensports und fairen Wettbewerbsbedingungen begründet.

Kritik der Athletinnen

Während Mihambo die „in kürzester Zeit“ verkündete Maßnahme als „juristisch fragwürdig, ethisch heikel und wissenschaftlich verkürzt“ brandmarkt, zeigt sich auch Diskus-Ass Kristin Pudenz irritiert. „Ich finde das merkwürdig, dass wir als Frau jetzt beweisen müssen, dass wir eine Frau sind“, sagte die Silbermedaillengewinnerin von Tokio in der „Märkischen Allgemeinen“. Gleichzeitig ist ihr bewusst: „Wir werden uns dem beugen müssen. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn wir dabei sein wollen.“

Der Deutsche Leichtathletik-Verband meldete sich am Mittwoch ebenfalls mit deutlicher Kritik an der Einführung und deren Ablauf zu Wort. „Das Thema Gentests zur Bestätigung des Geschlechts ist außerordentlich sensibel, gerade im Spitzensport. Die Einführung mit so kurzfristigem Vorlauf stellt die Athletinnen, aber auch den Verband vor große Herausforderungen – moralisch, ethisch und logistisch. Im Austausch mit World Athletics haben wir dies mehrfach deutlich gemacht“, erklärte DLV-Verbandsarzt Karsten Hollander. Der DLV habe die Maßnahme im direkten Austausch mit dem Weltverband wiederholt als sensibel und problematisch angesprochen.

Der Verband unternehme nun „aufgrund der knappen Fristen durch den Weltverband“ alles, „um unseren Athletinnen gemäß den neuen Vorgaben von World Athletics eine WM-Teilnahme zu ermöglichen.“ Dafür hat der DLV kurzfristig entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen, um seinen Sportlerinnen die Teilnahme trotz der kontroversen Regelung zu ermöglichen.

Vorgeschichte und Bedenken

Von Sportlerinnen wie der zweimaligen Olympiasiegerin Caster Semenya, die als Person mit „Abweichungen in der sexuellen Entwicklung (DSD)“ klassifiziert wird, hatte World Athletics bereits zuvor verlangt, ihren Testosteronspiegel durch Medikamente künstlich zu senken, um international antreten zu dürfen. Die Südafrikanerin kämpfte gegen diese umstrittene Testosteron-Regel bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), erhielt in der letzten Instanz Mitte Juli jedoch nur teilweise Recht.

Eine Arbeitsgruppe des Weltverbands kam zum Schluss, dass die bestehende Testosteron-Regelung nicht ausreichend sei, und schlug daraufhin den SRY-Gentest vor. Die Verkündung der Einführung erfolgte schließlich am 30. Juli – nur etwa sechs Wochen vor WM-Beginn. Mihambo bezweifelt indes, dass der Test die grundlegenden Probleme lösen kann.

„Ein einzelner Gentest klingt nach einer klaren Lösung, ist aber wissenschaftlich verkürzt und blendet aus, dass Geschlecht kein simples Entweder-oder ist“, erklärte die dreimalige Sportlerin des Jahres.

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KO KOSMO-Redaktion
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