Fast 20 russische Drohnen sind in der Nacht zum Mittwoch in den polnischen Luftraum eingedrungen. Ministerpräsident Donald Tusk bestätigte im Parlament, dass mehrere der unbemannten Flugobjekte abgeschossen wurden. „Wir haben inzwischen die Bestätigung, dass drei Drohnen neutralisiert werden konnten“, erklärte der Regierungschef. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei dem Vorfall ein Wohnhaus sowie ein Fahrzeug beschädigt. Ministeriumssprecherin Karolina Galecka teilte mit, dass Einsatzkräfte bei der Suche nach Drohnen und Trümmerteilen „sieben Drohnen“ sowie Überreste eines bislang nicht identifizierten Geschosses entdeckt hätten.
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Die NATO verurteilte das Vorgehen Moskaus als „rücksichtsloses Verhalten“. Bei einer Sondersitzung des Nordatlantikrats am Vormittag bekundeten die Bündnispartner ihre „Solidarität mit Polen“, wie NATO-Generalsekretär Mark Rutte mitteilte. Er zeigte sich „wirklich beeindruckt“ von der „sehr effektiven Reaktion“ des Verteidigungsbündnisses. Die Ereignisse der vergangenen Nacht hätten demonstriert, dass die Allianz in der Lage sei, ihr Territorium und ihren Luftraum wirksam zu schützen. Ein NATO-Sprecher bestätigte, dass erstmals Flugzeuge des Bündnisses „potenzielle Bedrohungen im Luftraum eines Verbündeten bekämpft“ hätten – ein historischer Präzedenzfall für das Verteidigungsbündnis.
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte die Vermutung, dass die Waffensysteme vermutlich von belarussischem Territorium aus gestartet wurden. „Diese Drohnen wurden offensichtlich gezielt auf diesen Kurs gebracht. Für einen Angriff auf die Ukraine wäre diese Flugroute nicht notwendig gewesen“, erläuterte Pistorius. „Nach polnischen Angaben waren sie auch entsprechend bewaffnet. Es hätte also jederzeit zu einem ernsthaften Zwischenfall kommen können.“
Russische Reaktion
Ein Vertreter der russischen Botschaft wies die Anschuldigungen einer Luftraumverletzung entschieden zurück. „Wir betrachten diese Vorwürfe als unbegründet. Es wurden keinerlei Beweise vorgelegt, dass diese Drohnen russischer Herkunft sind“, erklärte Andrej Ordasc, Geschäftsträger der russischen Vertretung in Warschau. „Was wir mit Sicherheit wissen: Diese Drohnen kamen aus Richtung der Ukraine“, fügte er nach seiner Einbestellung ins polnische Außenministerium hinzu.
Belarus teilte mit, Polen und Litauen in der Nacht über Drohnen informiert zu haben, die auf deren Hoheitsgebiet zusteuerten. Während eines nächtlichen „gegenseitigen Drohnenangriffs zwischen Russland und der Ukraine“ habe Belarus Flugobjekte verfolgt, die vom Kurs abgewichen seien, und teilweise zerstört, wie Generalstabschef Pawel Murawejko über den Nachrichtendienst Telegram mitteilte. Diese Maßnahmen hätten Polen bei seinen Abwehrbemühungen unterstützt.
NATO-Beistand
In derselben Nacht führte Russland massive Angriffe auf ukrainisches Territorium durch, darunter auf Lwiw, das etwa 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt. Die polnischen Streitkräfte meldeten das Eindringen von Drohnen in den nationalen Luftraum. An den Abschussoperationen waren auch niederländische F-35-Kampfjets beteiligt, wie der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans bestätigte. Polen beantragte beim Militärbündnis Konsultationen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags (Beistandsklausel), der bei Bedrohungen der territorialen Integrität eines Mitgliedstaates zur Anwendung kommt.
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Russland habe kein Interesse an einer Eskalation mit Polen, betonte Ordasc. Bedauerlicherweise werde diese Tatsache von der Warschauer Regierung aufgrund einer „russenfeindlichen Grundhaltung“ ignoriert. Das russische Präsidialamt lehnte eine Stellungnahme zu den Vorfällen ab und verwies auf die Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums – von dort lag jedoch bislang keine offizielle Reaktion vor.
Die Untersuchungen zu den Vorfällen sind laut NATO-Generalsekretär Rutte noch nicht abgeschlossen. Es handle sich jedoch nicht um einen „isolierten Vorfall“.
Die NATO-Mitgliedstaaten würden „jeden Zentimeter“ ihres Territoriums verteidigen, bekräftigte der Generalsekretär mit Nachdruck.