Von Zagreb nach Wien: Ein Kroate hat nach vier Jahren in Österreich Bilanz gezogen. Seine Erfahrungen zeigen, warum er den Umzug als Glücksfall betrachtet.
Ein Kroate zog vor vier Jahren nach Österreich und bezeichnet diesen Schritt heute als eine der besten Entscheidungen seines Lebens. In einem ausführlichen Beitrag auf der Plattform Reddit schildert der gebürtige Zagreber, warum er in Österreich seine neue Heimat gefunden hat und nicht mehr zurückkehren möchte – selbst im Ruhestand nicht.
Die Verbindung zu seiner Heimat hat er dennoch nicht verloren: „Wenn ich Lust auf Kroatien habe, setze ich mich ins Auto und bin in wenigen Stunden in Zagreb – schneller als man von Zagreb nach Split kommt“, erklärt er. Mit seinen Freunden in der Heimat verabredet er sich nun bewusster. „Wir planen im Voraus und verbringen qualitativ hochwertige Zeit miteinander, wenn ich zu Besuch bin.“ Ansonsten bleiben wir über soziale Medien in Kontakt.
Finanziell sieht er sich in Österreich deutlich besser gestellt. Obwohl sein Gehalt im Verkauf nur knapp über dem Branchenminimum liegt, reicht es für Miete, Nebenkosten und etwa 500 Euro monatliche Rücklagen. „Das sind Beträge, von denen ich in Kroatien nur träumen könnte“, betont er. „Ich muss nicht mehr abwägen, ob ich mir etwas leisten kann. Ich habe gute Ersparnisse und muss bei notwendigen Anschaffungen nicht kalkulieren, ob ich den nächsten Monat überlebe.“
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Bescheidener Lebensstil
Sein Lebensstil hat sich dem österreichischen angepasst – bescheiden und routiniert. In seinen mittleren Dreißigern verspürt er nicht mehr den Drang, häufig auszugehen oder viel Geld für Unterhaltung auszugeben. „Ich gönne mir Urlaube, unternehme am Wochenende Ausflüge oder treffe Freunde zu Hause. Ich habe hier einen kleinen, aber feinen Freundeskreis, überwiegend Österreicher. Dieses vermeintlich ‚langweilige‘ Leben passt perfekt zu mir. Mich reizt es nicht mehr, stundenlang in verrauchten Lokalen zu sitzen und darüber zu klagen, dass nichts funktioniert.“
Besonders schätzt der Auswanderer das Gefühl der Sicherheit in allen Lebensbereichen – sei es bei der Arbeit, der Wohnsituation, im Gesundheitswesen oder beim Auto. „Man muss zwar viele Regeln beachten und sich gut informieren, aber das ist für mich in Ordnung, solange die gleichen Regeln für alle gelten. Wer sie nicht respektiert, wird sanktioniert. Natürlich ist auch hier nicht alles perfekt, aber die Menschen sind demokratischer eingestellt und neigen weniger dazu, Regeln offen zu missachten als in Kroatien.“
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Das österreichische Gesundheitssystem empfindet er als großen Vorteil. „Bei gesundheitlichen Problemen bekommt man angemessene medizinische Versorgung. Man wartet zwar wie überall, aber nicht zwei Jahre wie in Kroatien“, und man muss kein Vermögen bezahlen, damit einen jemand behandelt.
Trotz guter Deutschkenntnisse ist ihm bewusst, dass er in Österreich immer ein Zugezogener bleiben wird. „Wenn man jedoch die lokale Kultur respektiert, Interesse zeigt und höflich ist, begegnet einem kaum jemand mit Vorurteilen. Natürlich gibt es auch hier vereinzelt Menschen mit extremen Ansichten, aber 90 Prozent der Einheimischen sind aufgeschlossen. Man findet problemlos Anschluss, wenn man nicht aufdringlich ist und andere respektiert. Es dauert vielleicht etwas länger, aber es ist definitiv möglich.“
Bessere Lebensqualität
Ein weiterer Pluspunkt für ihn ist die Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen. „Das Angebot ist besser und oft auch günstiger als in Kroatien. Online-Bestellungen kommen schneller an, und die Auswahl in Geschäften ist vielfältiger. Zwar vermisse ich manche kroatische Lebensmittel, und Dienstleistungen sind generell teurer, aber es gibt hochwertige Produkte, Märkte mit regionalen Erzeugnissen, und ich fühle mich nicht benachteiligt. In vielen Bereichen ist die Situation hier sogar deutlich besser als in Kroatien.“
Bei seinen Besuchen in Zagreb fällt ihm besonders auf, wie angespannt und aggressiv die Menschen dort oft wirken. „Das gibt es hier kaum. In Zagreb steht man ständig unter Stress – sei es durch problematische Nachbarn, rücksichtslose Autofahrer oder besserwisserische Kollegen. All das erlebt man hier kaum. Die Menschen respektieren Verkehrsregeln, der öffentliche Verkehr funktioniert, Unternehmen sind transparent und konzentrieren sich auf deine Fähigkeiten. Die Stadt ist gepflegt, und in meiner unmittelbaren Umgebung finde ich alles, was ich brauche. Natürlich gibt es auch hier Staus, aber die Menschen bleiben höflich und gelassen. Bauarbeiten werden zügig durchgeführt und klar kommuniziert.“
„Aus all diesen Gründen möchte ich nicht nach Kroatien zurückkehren – die kroatische Aggressivität und der mangelnde Respekt gegenüber anderen haben mich schon seit meiner Kindheit gestört“, resümiert er. „Das ist natürlich meine persönliche Meinung und Erfahrung; andere mögen es anders erleben. Aber mir gefällt Österreich wirklich: Die Natur ist wunderschön, Kroatien ist nah und mit dem Auto gut erreichbar – ich bin schnell entweder in Zagreb oder am Meer. Der Lebensstandard ist deutlich höher als in Kroatien.
Sprache und Interesse an der Kultur sind ebenfalls wichtig. Alles in allem habe ich den Umzug hierher nicht eine Sekunde bereut.“