Ein Nachtangriff, ein brennendes Militärfahrzeug, 52 Verschleppte – darunter Kinder. Nigeria erlebt eine seiner brutalsten Entführungsnächte.
Im Nordwesten Nigerias sind Entführungen seit Jahren fester Bestandteil des Vorgehens bewaffneter Banden. Dorfbewohner werden immer wieder verschleppt und kommen erst nach Zahlung hoher Lösegeldsummen wieder frei. Wie das Beratungsunternehmen SBM Intelligence berichtet, erbeuteten kriminelle Gruppen zwischen Juli 2024 und Juni 2025 umgerechnet rund 1,44 Millionen Euro auf diesem Weg. Für viele dieser Banden haben sich Entführungen längst zur zentralen Einnahmequelle entwickelt.
Angriff auf Zamfara
In der Nacht auf Sonntag drangen die Angreifer laut Augenzeugenberichten auf Motorrädern in das Dorf Kasuwar Daji im Bundesstaat Zamfara ein. Zuvor hatten sie einen nahe gelegenen Militärstützpunkt überfallen, Waffen erbeutet und ein Armeefahrzeug in Brand gesetzt. Danach zogen die Bewaffneten durch den Ort und verschleppten zahlreiche Dorfbewohner.
Ein Bewohner schilderte, dass die Angreifer zunächst mehr als 100 Menschen mitgenommen hätten, einen Teil davon aber kurz darauf wieder freigelassen hätten. Seine zwölfjährige Tochter befinde sich jedoch nach wie vor in der Gewalt der Entführer. Ein weiterer Bewohner berichtete, die Kriminellen seien systematisch von Haus zu Haus gegangen. Unter den Verschleppten seien zwei seiner Schwiegertöchter sowie zwei weitere Mädchen im Teenageralter aus seiner Familie. Beide Männer gaben übereinstimmend an, dass insgesamt 52 Menschen entführt worden seien.
Militär unter Druck
Nach Darstellung der Armee gelang es den Soldaten zwar, den Angriff auf die Militärbasis abzuwehren, doch kamen dabei ein Soldat und ein Polizist ums Leben. Die Behörden machten bewaffnete Gruppen, die von der Regierung als „Terroristen“ eingestuft werden, für die Attacke verantwortlich.
Nahezu zeitgleich wurde auch das Dorf Sabon Birni im benachbarten Bundesstaat Sokoto angegriffen. Bewohner berichteten, dass dabei elf Menschen getötet wurden.