Falsche Akte, falsche Diagnose – eine gesunde Frau stand kurz vor einer Krebsbehandlung. Das KUK Linz steht erneut unter Druck.
Erst vor Kurzem hatte ein Vorfall im Kepler Universitätsklinikum Linz österreichweit für Schlagzeilen gesorgt: Einer 30-jährigen Patientin war die Gebärmutter entfernt worden – auf Basis einer Krebsdiagnose, die sich im Nachhinein als Folge einer verunreinigten Gewebeprobe herausstellte. Die Frau war gesund. Über diesen Fall hatte „Heute“ ausführlich berichtet.
Nun wurde das KUK Linz erneut mit einem schwerwiegenden Zwischenfall konfrontiert. Im Mittelpunkt steht diesmal eine 54-jährige Frau aus dem Mühlviertel. Bereits im Jänner hatte sie in ihrer rechten Brust einen Knoten bemerkt. Auch ihre Gynäkologin stellte eine reiskornähnliche Verhärtung fest, ein anschließender Ultraschall erhärtete den Verdacht auf einen Befund.
Falsche Diagnose
Zur weiteren Abklärung wurde die Frau an einen Radiologen sowie an das Brustkompetenzzentrum des KUK Linz überwiesen. Am 4. Februar eröffnete ihr ein Oberarzt die niederschmetternde Diagnose: Krebs. Wie ihr Ehemann gegenüber der „Krone“ schilderte, habe der Arzt ihr zu einer sofortigen Behandlung geraten. Doch dann nahm die Situation eine unerwartete Wendung.
Als der Mediziner der Patientin ihre Röntgenbilder zeigte, fiel ihr als Erstes auf, dass ihr Vorname falsch geschrieben war. Der Arzt habe dies zunächst mit einem möglichen Schreibfehler eines Kollegen erklärt. Als die Frau jedoch auch beim Geburtsdatum eine Unstimmigkeit entdeckte, war die Verwechslung nicht mehr zu übersehen.
Der Oberarzt hatte offenbar die falsche Patientenakte geöffnet und damit zwei Frauen miteinander verwechselt. Eine gesunde Frau wäre beinahe einer Krebsbehandlung unterzogen worden – während die tatsächlich erkrankte Patientin ohne Therapie geblieben wäre.
Rechtliche Schritte
Laut dem Bericht der „Krone“ leidet die 54-Jährige bis heute unter den Folgen dieses Erlebnisses: Gedanken daran lösen bei ihr Todesangst, Panik und Verzweiflung aus, sie kommt den Tränen nahe. Das Ehepaar erwägt nun, rechtliche Schritte einzuleiten und Schadenersatz zu fordern.
Das Krankenhaus räumte gegenüber der „Krone“ ein, sich bewusst zu sein, dass ein solcher Moment für Betroffene verunsichernd wirken kann. Man bedauere den Vorfall und biete der 54-Jährigen psychologische Unterstützung an.
Darüber hinaus stünden die behandelnden Ärzte den Patientinnen und Patienten jederzeit für persönliche Gespräche zur Verfügung. Das KUK betonte, dem direkten Austausch großen Stellenwert beizumessen – um individuellen Wahrnehmungen Raum zu geben und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.