Wochenlang auf einen Facharzttermin warten – für viele Österreicher ist das längst bittere Realität. Neue Zahlen zeigen, wie groß das Gefälle wirklich ist.
Eine aktuelle Erhebung zeichnet ein besorgniserregendes Bild der medizinischen Grundversorgung in Österreich: Im Zeitraum zwischen dem 21. Mai und dem 10. September 2026 wurden im Rahmen der Studie insgesamt 1.601 Terminrückmeldungen aus Kassenordinationen ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass in acht von 14 untersuchten Fachrichtungen die Wartezeiten gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Der österreichweite Median für einen Facharzttermin liegt mittlerweile bei 34 Tagen – wobei Wien mit durchschnittlich 22 Tagen die günstigste Ausgangslage bietet, während das Burgenland mit 53 Tagen das andere Ende der Skala markiert.
Lange Wartezeiten
Besonders angespannt ist die Situation in einzelnen Fachbereichen: In der Inneren Medizin müssen Patientinnen und Patienten im Schnitt 65 Tage auf einen Kassentermin warten – der höchste Wert der gesamten Erhebung. Die Kardiologie verzeichnete einen Anstieg um zwölf Tage auf nunmehr 45 Tage, die Neurologie liegt bei 50 Tagen. Studienleiter und Co-Gründer von krankenversichern.at, Sebastian Arthofer, bringt die strukturelle Schieflage auf den Punkt: „Der Kassenarzt kostet kein Geld, er hat einen Wartepreis. Bezahlt wird er in Wochen. Wer die nicht hat, bezahlt den Termin im Wahlarztbereich in Euro – selbst oder finanziert über eine private Krankenversicherung.“
Regionale Unterschiede
Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich und spiegeln strukturelle Ungleichgewichte im österreichischen Gesundheitssystem wider. Wien schneidet mit 22 Tagen deutlich besser ab als das Burgenland, das mit 53 Tagen Schlusslicht bleibt. Erschwerend kommt hinzu, dass rund ein Drittel aller Kassenordinationen derzeit keine neuen Patientinnen und Patienten aufnimmt – ein Umstand, der den Zugang zur kassenärztlichen Versorgung zusätzlich einschränkt und insbesondere für jene Bevölkerungsgruppen zur Belastung wird, die auf leistbare medizinische Betreuung angewiesen sind.
Strukturelle Ursachen und politische Reaktion
Die angespannte Situation hat strukturelle Ursachen: Nach Angaben der Österreichischen Ärztekammer ist die Zahl der Kassenärzte in Österreich in den vergangenen rund 20 Jahren weitgehend konstant geblieben und stagniert seit zwei Jahrzehnten trotz Bevölkerungszuwachs. Als Reaktion auf die Versorgungskrise hat die österreichische Bundesregierung im Sommer 2023 beschlossen, österreichweit 100 zusätzliche Kassenarztstellen zu finanzieren. Laut Auskunft der Österreichischen Gesundheitskasse waren mit Stichtag 1. Oktober 2024 insgesamt 69 dieser zusätzlichen Stellen besetzt, während 31 Stellen noch unbesetzt blieben.