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OSSI-Wien: ,,Eine bessere Zukunft für Studenten“

(FOTO: zVg.)

Die „Organisation serbischer Studenten im Ausland-Wien” (OSSI-Wien oder OSSAW) vereinigt junge Leute, die die Studienbedingungen und das ­Studentenleben in Wien verbessern wollen. Diese Organisation bietet auch viele Informationen in ­Bezug auf das Studium, die Bürokratie und das Leben in Wien an. KOSMO hat mit Vorstandsmitgliedern der ­Organisation über diese und weitere Themen gesprochen.

Die Geschichte der Studierenden, die aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen sind, ist lang, aber die Studien- und Lebensbedingungen der jungen Leute haben sich mit der Zeit verändert. Derzeit müssen Studierende, die aus Drittstaaten kommen und Deutschprüfungen ablegen müssen, 1.150 Euro für einen Kurs hinblättern. So ein Kurs kostete vor 2017 465 Euro. Ein Semester an einer Fakultät kostet gegenwärtig 747,92 Euro. Auch das war damals um die Hälfte billiger. Auch die Versicherungs- und Unterkunftskosten für Studenten sind gestiegen. Ein großes Problem liegt darüber hinaus darin, dass die Wartezeit auf eine Arbeitserlaubnis beim AMS bis zu zwei Monate beträgt. Und auch damit enden die Probleme noch nicht, denn Studierende aus Drittstaaten haben die größten Schwierigkeiten bei der Beantragung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Die bürokratischen Prozesse dauern selbst dann lange, wenn die Studenten alle Voraussetzungen erfüllen. Angesichts der Tatsache, dass den ausländischen Studierenden als einer der größeren Bevölkerungsgruppen von den Behörden und Ämtern nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die OSSAW Wien für die Studenten mit ihrem Einsatz eine echte Stütze.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Slaviša Boskovic sind auch Ana Umicevic, Verantwortliche für Universitätsfragen, und Filip Dragojlovic, Beauftragter für Äußeres, im Vereinsvorstand tätig. Ana ist Studentin an der Wirtschaftsuniversität (WU) und Filip an der Technischen Universität (TU), während Slaviša Magister iuris ist und an der Hauptuniversität Wirtschaft studiert.

Dieses Jahr hatten die Studierenden die Gelegenheit, im Rahmen einer dreitägigen Exkursion Prag zu besuchen (Foto: zVg.)

„Ich wollte mir eine sicherere und bessere Zukunft aufbauen”


Ana kommt aus Belgrad und ist im vergangenen Oktober an die Wiener Fakultät gewechselt. Als sie nach Österreich kam, stand sie vor Problemen mit der Studentenversicherung, da Österreich und Serbien in dieser Frage ein Abkommen haben, der bürokratische Prozess der Übertragung der Versicherung jedoch äußerst kompliziert ist. Von verschiedenen Institutionen in Serbien und Österreich erhielt sie widersprüchliche Informationen, und so entschied sie sich, sich auf der Website der OSSAW zu informieren, wo sie die relevanten Informationen tatsächlich fand. Bald darauf begriff Ana, dass sie sich für eine private Selbstversicherung anmelden musste, die monatlich 65 Euro kostet.

„Aufgrund meiner Erfahrung würde ich allen empfehlen, gleich eine Selbstversicherung abzuschließen und gar nicht erst zu versuchen, sich über die Formulare und Abkommen der beiden Länder zu versichern”, sagt sie.

Anas Ziel ist es, nach ihrem Studienabschluss die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Serbien und Österreich zu stärken.

(Foto:zVg.)

Filip kämpfte gegen die langsame Bürokratie


Filip Dragojlović, Software Engineering-Student aus Banja Luka, auf der anderen Seite liegt seit seiner Ankunft in Wien im Clinch mit der Bürokratie, die er als unbarmherzig empfindet.

„In Belgrad musste ich drei Studiensemester abschließen, denn mit Österreich hatte ich viele bürokratische Probleme, vor allem während der Pandemie, als die Grenzen geschlossen waren und ich nicht zur Aufnahmeprüfung kommen konnte. Nur diejenigen, die irgendeine Aufenthaltsbescheinigung hatten, konnten ins Land einreisen, und wir anderen, die nur für die Einschreibung oder die Aufnahmeprüfung kommen wollten, durften das nicht”, sagt Filip.

Er betont, dass das Problem vor allem darin lag, dass es nicht genügend Informationen darüber gab, wer unter welchen Voraussetzungen ins Land kommen durfte.

„Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, zunächst nach Belgrad zu gehen. Auch die Bürokratie an der Technischen Fakultät ist für Drittstaatenangehörige ganz anders als für EU-Bürger und selbst der Prozess der Einreichung und Bearbeitung der Dokumente dauert viel länger. Für uns gab es keine Möglichkeit, Dokumente auf elektronischem Wege zu schicken, sondern wir mussten alle Dokumente in Papierform abgeben. Uns ist bewusst, dass Studenten während der Pandemie keine Priorität genossen, aber wir waren dennoch Teil dieser Gesellschaft und solche Verfahren zeigen, dass während der Pandemie nichts getan wurde, um uns die Situation zu erleichtern”, fügt er hinzu.

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Ziel: Vernetzung der Studienanfänger und Unterstützung für die Studierenden


Slaviša kämpft als Vorsitzender der Organisation täglich mit verschiedenen Problemen, mit denen die Studierenden in Wien konfrontiert sind. Er hat zwei Semester an der Fakultät in Sarajevo abgeschlossen und anschließend aktiv einen Studienplatz im Ausland gesucht, um eine neue Kultur und ein neues Bildungssystem kennenzulernen. Über die OSSAW-Seite fand er die nötigen Informationen über ein Studium in Österreich und entschied sich zur Übersiedlung.

„Ein Vorteil eines Studiums in Österreich liegt unter anderem darin, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis des Studiums hervorragend ist, und die juristische Fakultät in Wien gilt als eine der besten rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Europa. Die OSSAW-Wien hat mir auch geholfen, mich mit unseren Landsleuten hier zu vernetzen. Nach Gesprächen mit anderen, die bereits Mitglieder der Organisation waren, habe ich mich entschieden, ihr ebenfalls beizutreten”, erklärt Slavisa.

Die Organisation war in der Vergangenheit mit ihrer Informationsplattform für viele Studierende, die gerade erst zum Studium angereist waren, eine wichtige Säule der Unterstützung. Das Ziel dieser jungen Leute ist es, dass die Organisation Studienanfänger in der Zukunft besser vernetzt und auch all diejenigen unterstützt, die schon am Ende ihres Studiums sind, sowie auch diejenigen, die sich nach dem Studium privat oder beruflich verwirklichen wollen.

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„Mein Ziel ist es, unserer Organisation eine neue Dimension zu geben, indem sie nicht nur Studierende anwirbt, sondern sich um Studierende kümmert, aber nicht nur studierende Mitglieder hat. Sie sollte auch ehemalige Studenten anwerben, die jungen Studierenden helfen können. Der österreichische Staat tut noch immer zu wenig für Studierende aus Drittstaaten. Ein Mangel an Wissen über die Probleme der Studierenden und die politischen Umstände bedingt, dass Verhandlungen mit anderen Studentenorganisationen und politischen Behörden sehr erschwert sind. Auf der anderen Seite muss man sich der Bedeutung der Investitionen des Staates Österreich in die jungen Menschen, die für eine Ausbildung hierherkommen, bewusst sein, denn viele von ihnen werden auch die Zukunft dieses Staates prägen”, betont Slavisa.

Weitere Informationen auf der Seite www.ossaw.at, Facebook Ossi Beč (OSSAW) und auf Instagram ossa_wien.