Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Koalitionseinigung

Pensionsplus: Koalition spaltet Senioren – Wer verliert, wer profitiert?

Pensionsplus: Koalition spaltet Senioren – Wer verliert, wer profitiert?
(FOTO: iStock/bbbrrn)
3 Min. Lesezeit |

Pensionserhöhung 2026 steht fest: Während kleinere und mittlere Bezüge voll inflationsangepasst werden, müssen Besserverdiener mit realen Kaufkraftverlusten rechnen.

Die Dreierkoalition hat eine Einigung zur Pensionserhöhung für 2026 erzielt, die ohne Zustimmung der Seniorenverbände zustande kam. Bei der Präsentation am Freitag traten SPÖ-Sozialministerin Korinna Schumann, ÖVP-Klubchef August Wöginger und Neos-Sozialsprecher Johannes Gasser gemeinsam vor die Presse. Das Ergebnis: Sowohl Mindestpensionen mit Ausgleichszulage als auch mittlere Pensionen bis zu einer Höhe von 2500 Euro brutto monatlich werden um die volle Inflationsrate von 2,7 Prozent angehoben. Damit erhält ein erheblicher Teil der rund zwei Millionen Pensionsbezieher einen vollständigen Inflationsausgleich.

Für Bezüge über 2500 Euro brutto sieht die Regelung einen einheitlichen monatlichen Fixbetrag von 67,5 Euro vor. Dies führt bei höheren Pensionen zu realen Kaufkraftverlusten. Bei einer Bruttopension von 2600 Euro entspricht die Anpassung nur noch 2,6 Prozent, bei 2700 Euro sinkt sie auf 2,5 Prozent und bei 3000 Euro auf 2,25 Prozent. Mit steigender Pensionshöhe nehmen die realen Einbußen weiter zu.

⇢ Pensionsstreit: Stocker will nur 2% – SPÖ fordert vollen Ausgleich

Budgetäre Auswirkungen

Wöginger bezifferte die durchschnittliche Erhöhung auf 2,25 Prozent statt der vollen 2,7 Prozent. Durch diese Maßnahme werden laut dem ÖVP-Klubchef Mehrausgaben von etwa 350 Millionen Euro im Budget für 2026 vermieden. Sozialministerin Schumann unterstrich, dass trotz angespannter Haushaltslage eine „sozial gerechte Anpassung“ gelungen sei. Nach ihren Angaben profitieren 71 Prozent aller Pensionistinnen und Pensionisten von der vollen Inflationsabgeltung. Wöginger ergänzte, dass es unter Einbeziehung der Beamtenpensionen immerhin noch zwei Drittel seien.

⇢ Pensionsstreit: Stocker will nur 2% – SPÖ fordert vollen Ausgleich

Spezielle Regelungen

Neos-Sozialsprecher Gasser wies darauf hin, dass bei Personen mit mehreren Pensionsansprüchen die Beträge zusammengerechnet würden, wodurch nicht jede einzelne Pension automatisch die volle Erhöhung erhalte. Er betonte die Notwendigkeit des moderateren Pensionsabschlusses mit den Worten „Alle müssen einen Beitrag leisten“ und versicherte gleichzeitig, dass bei der Ausgestaltung „auf die soziale Treffsicherheit geachtet worden“ sei.

Scharfe Kritik der Seniorenverbände

Die Präsidentin des Pensionistenverbands, Birgit Gerstorfer, sowie Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec kritisieren die Pensionserhöhung als unzureichend und fordern eine vollständige Inflationsanpassung für alle Bezieher. Der Seniorenrat protestiert ausdrücklich gegen den einseitigen Beschluss der Bundesregierung ohne Einbindung der Seniorenvertreter.

Vergleich zu Vorjahren

Im historischen Vergleich fällt die Pensionserhöhung 2026 mit durchschnittlich 2,25 Prozent deutlich niedriger aus als in den Vorjahren: 2025 wurden die Pensionen um 4,6 Prozent und 2024 sogar um 9,7 Prozent angehoben, wobei jeweils für höhere Pensionen eine Deckelung oder pauschale Abgeltung galt. Die aktuelle Anpassung spiegelt die gesunkene Inflationsrate wider, stößt aber dennoch auf Widerstand der Interessensvertretungen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen