Ein vermisster Pilot, abgeriegelte Suchgebiete und ein US-Präsident, der ungewohnt wortkarg bleibt – die Lage spitzt sich zu.
Donald Trump hat sich erstmals zu dem Abschuss eines US-Kampfjets über iranischem Territorium geäußert – und das in einem Ton, der für ihn ungewöhnlich verhalten wirkt. Er hoffe, dass iranische Kräfte den noch vermissten Piloten nicht aufspüren würden. Wie er in einem solchen Fall reagieren würde, könne er nicht kommentieren.
Wie bereits berichtet, war am Freitag ein Kampfflugzeug über dem Iran abgeschossen worden. Eines der beiden Besatzungsmitglieder konnte durch den Einsatz zweier US-Militärhubschrauber gerettet werden, nach dem zweiten Piloten laufen die Suchmaßnahmen weiterhin. Es ist der erste bestätigte Verlust eines amerikanischen Kampfflugzeugs seit dem Kriegsbeginn Ende Februar.
Innenpolitische Belastung
Für Trump bedeutet der Abschuss eine erhebliche innenpolitische Belastung. Er und seine Berater hatten in den vergangenen Wochen wiederholt den Eindruck vermittelt, amerikanische Maschinen seien im iranischen Luftraum vor Angriffen sicher – die USA hätten die Lufthoheit erlangt, hieß es, und die militärischen Kapazitäten des Irans seien weitgehend zerstört.
Berichten zufolge hat das iranische Militär inzwischen jedoch zwei Black-Hawk-Hubschrauber getroffen, die an den Such- und Rettungsoperationen beteiligt waren. Dabei wurden Soldaten verletzt, konnten sich aber in Sicherheit bringen. Ein weiterer Pilot, dessen Kampfflugzeug am Freitag in der Nähe der strategisch bedeutsamen Straße von Hormuz abgestürzt war, schaffte es, seine beschädigte Maschine in den kuwaitischen Luftraum zu steuern und sich so in Sicherheit zu bringen. Ob auch dieses Flugzeug abgeschossen wurde, ist aus Sicht der US-Behörden nicht eindeutig geklärt.
Vermisster Pilot
Laut einem Bericht der New York Times haben die Islamischen Revolutionsgarden das Gebiet rund um den mutmaßlichen Absturzort abgeriegelt. Am Samstagmorgen war der Aufenthaltsort des Piloten weiterhin unbekannt. Der frühere Kampfpilot Ron Alvarado schätzt die Erfolgsaussichten der Suche als mäßig ein.
Der Pilot dürfte versuchen, mithilfe seines Überlebenstrainings unentdeckt zu bleiben – doch Zeit und Umstände arbeiten gegen ihn. Eine Rettung, so Alvarado, sei wohl nur unter dem Schutz der Dunkelheit realistisch.
Dem britischen Independent gegenüber äußerte sich Trump auf die Frage nach einer möglichen Gefangennahme des Piloten am Telefon knapp: „Wir hoffen, dass das nicht passiert.“ Mehr könne er dazu nicht sagen. Seit Kriegsbeginn im Iran sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums 13 US-Soldaten getötet und weitere 365 verletzt worden sein. Darunter befinden sich vor allem Angehörige des Heeres, aber auch Soldaten der Marine und der Luftwaffe.
Auf die Frage, ob die jüngsten Vorfälle mögliche Gespräche mit dem Iran beeinflussen könnten, zeigte sich Trump in einem NBC-Interview unbeeindruckt. „Nein, überhaupt nicht. Nein, es ist Krieg“, sagte er.