Russland rüstet auf: Ein neues Raketensystem soll die militärische Schlagkraft erhöhen. Die Botschaft an den Westen ist unmissverständlich.
Russland hat eine neue Mittelstreckenrakete getestet. Die Oreschnik-Rakete sei erfolgreich gestartet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Präsident Wladimir Putin hatte den Test der Rakete im März angekündigt. Damals sagte er, die Rakete werde als Antwort auf die „Bedrohungen des Westens“ in Dienst gestellt.
Die Oreschnik-Rakete ist eine ballistische Mittelstreckenrakete, die mit konventionellen Sprengköpfen bestückt werden kann. Sie hat eine Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern und kann damit Ziele in ganz Europa treffen. Der Test fand auf dem Weltraumbahnhof Kosmodrom Kapustin Jar in der südrussischen Region Astrachan statt.
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Militärische Reaktion
Russland hatte im Februar 2019 den INF-Abrüstungsvertrag mit den USA aufgekündigt, nachdem die USA ihren Ausstieg erklärt hatten. Der Vertrag verbot landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Die USA warfen Russland vor, mit seinem Waffensystem SSC-8 gegen den Vertrag zu verstoßen.
Russland hat in den vergangenen Monaten mehrere neue Waffen getestet. Im April testete das Land eine Interkontinentalrakete vom Typ RS-26 Rubezh. Im Mai wurden MiG-29-Kampfflugzeuge mit einer neuen Hyperschallrakete ausgestattet. Hyperschallwaffen fliegen mindestens fünfmal so schnell wie der Schall und sind aufgrund ihrer Manövrierfähigkeit schwer abzufangen.
Präzise Treffsicherheit
Die Oreschnik-Rakete soll nach russischen Angaben eine hohe Treffsicherheit aufweisen. Der kreisförmige Wahrscheinlichkeitsfehler (CEP) – ein Maß für die Präzision einer Waffe – liege bei unter 30 Metern. Das bedeutet, dass die Rakete mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent innerhalb eines Kreises mit einem Radius von 30 Metern um das Ziel einschlägt.
Experten zufolge könnte die neue Rakete die Sicherheitsarchitektur in Europa verändern. Die NATO hat bislang nicht offiziell auf den Test reagiert.
Die USA hatten nach dem Ende des INF-Vertrags angekündigt, eigene konventionelle Mittelstreckenwaffen zu entwickeln.