Ein Kind, zwei mögliche Väter – und die Wissenschaft kann nicht helfen. Ein britisches Gericht steht vor einem beispiellosen Urteil.
Ein britisches Gericht sieht sich derzeit mit einem außergewöhnlichen Fall konfrontiert: Eine Frau hatte innerhalb weniger Tage Geschlechtsverkehr mit eineiigen Zwillingsbrüdern und wurde in der Folge schwanger. Wer der leibliche Vater des Kindes ist, lässt sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht eindeutig feststellen – DNA-Tests stoßen bei eineiigen Zwillingen an ihre Grenzen, da deren genetisches Material identisch ist.
Seit 2013 existiert zwar ein von Eurofins Genomics entwickelter Spezialtest, der eineiige Zwillinge durch die Analyse seltener Mutationen in Samen- und Blutproben genetisch unterscheiden kann. Diese Methode ist jedoch technisch aufwendig und kommt offenbar im vorliegenden Fall nicht zum Einsatz.
„Derzeit ist die Wahrheit über die Vaterschaft des Kindes, dass der Vater der eine oder der andere dieser beiden eineiigen Zwillinge ist, aber es ist nicht möglich zu sagen, welcher“, zitierte der britische Sender Sky News den Richter. Der Richter ergänzte, dass es aufgrund von wissenschaftlichem Fortschritt jedoch möglich sein könnte, diese Frage in der Zukunft zu klären.
Sorgerechtsstreit vor Gericht
In der Geburtsurkunde des Kindes ist bislang nur einer der beiden Brüder als Vater eingetragen. Die Mutter sowie der nicht eingetragene Bruder fechten diese Zuordnung nun vor einem Londoner Gericht an und streiten um das Sorgerecht.
Da das Gericht es derzeit für gleich wahrscheinlich hält, dass jeder der beiden Brüder der Vater sein könnte, wurde dem bisher eingetragenen Mann die elterliche Verantwortung aberkannt.
Der Richter wies dabei in philosophisch anmutenden Worten darauf hin, dass diese Entscheidung keinen Beweis für seine Nicht-Vaterschaft darstelle: „Das Versäumnis, eine Tatsache zu beweisen, bedeutet, dass diese Tatsache nicht bewiesen ist; es bedeutet nicht, dass das Gegenteil bewiesen ist.“