Ein majestätischer Meeresbewohner zieht vor Kroatiens Küste seine Bahnen. Die seltene Sichtung eines Wals bei Tucepi lässt Experten aufhorchen.
Ein Wal vor der kroatischen Küste sorgt für Aufsehen. Ein Leser übermittelte unserer Redaktion eine Aufnahme des Meeressäugers, der vor Tucepi in Kroatien gesichtet wurde. Die genaue Art des Wals konnte bislang nicht bestimmt werden.
Es ist nicht die erste Sichtung dieser Art: Bereits im Juni tauchte ein Wal nahe der Insel Lokrum bei Dubrovnik auf, im Juli wurde er dann bei Pula beobachtet. Auch damals konnten Experten keine eindeutige Artbestimmung vornehmen, vermuteten jedoch einen Finnwal – eine im Mittelmeer heimische Art, die eine beeindruckende Länge von bis zu 27 Metern erreichen kann.
📍 Ort des Geschehens
Beeindruckende Meeresriesen
Der Finnwal (Balaenoptera physalus) gilt als das zweitgrößte Säugetier unseres Planeten und wird nur vom Blauwal übertroffen. Diese majestätischen Meeresriesen können bis zu 27 Meter lang werden und ein Gewicht von mehr als 70 Tonnen auf die Waage bringen.
Charakteristisch für den Finnwal ist sein schlanker Körperbau, die markante hohe Rückenflosse sowie die ungewöhnliche Färbung seines Unterkiefers – rechts weiß, links dunkel. Seine Nahrung, bestehend aus Krill und kleineren Fischen, filtert er durch spezielle Furchen an der Unterseite seines Körpers. Trotz seiner gewaltigen Größe bewegt sich der Finnwal mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und Eleganz durchs Wasser.
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Bedrohte Spezies
Finnwale sind in allen Ozeanen der Welt anzutreffen – von den eisigen Polarregionen bis hin zu tropischen Gewässern, wobei sie gemäßigte Zonen bevorzugen. Obwohl diese beeindruckenden Tiere zu den größten und kräftigsten Meeresbewohnern zählen, wurden sie über Jahrhunderte hinweg intensiv bejagt, was ihre Population dramatisch dezimierte.
Heute stehen Finnwale zwar unter internationalem Schutz, sehen sich jedoch weiterhin erheblichen Gefahren ausgesetzt: Der Klimawandel verändert ihre Lebensräume, Kollisionen mit Schiffen enden oft tödlich, und die zunehmende Lärmbelastung in den Weltmeeren stört ihre Kommunikation.
Trotz einer langsamen Erholung der Bestände bleibt der Finnwal auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
Wanderungsmuster im Mittelmeer
Finnwale sind die einzigen Bartenwale, die ganzjährig im Mittelmeer leben, wobei ein Teil der Population offenbar resident bleibt, während andere Tiere saisonale Wanderungen unternehmen. Im Mittelmeerraum bevorzugen sie vor allem Gebiete mit hohem Nährstoffgehalt, wie das Ligurische Meer zwischen Italien und Korsika.
In der Adria werden die Meeressäuger hauptsächlich dann gesichtet, wenn dort kurzfristig optimale Futterbedingungen herrschen. Aktuelle Schätzungen gehen von weniger als 2.500 erwachsenen Finnwalen im gesamten Mittelmeer aus, was die Seltenheit solcher Begegnungen erklärt.
Zunahme der Sichtungen
Die Zahl der Finnwal-Beobachtungen an der kroatischen Küste hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. In den Jahren 2021 und 2022 wurden jeweils einzelne Tiere gesichtet, während 2020 mehrere Beobachtungen, teilweise sogar von Gruppen, dokumentiert wurden.
Meeresbiolog:innen führen dies auf zeitweise günstige Nahrungsbedingungen zurück, etwa eine erhöhte Planktonkonzentration infolge von Meeresströmungen oder Temperaturveränderungen. Die Tiere sind durch ihre Ernährungsweise besonders anfällig für Umweltveränderungen wie Mikroplastikbelastung und Klimawandel, was ihre Wanderungsmuster und bevorzugten Aufenthaltsorte langfristig beeinflussen könnte.