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Härtetest

Sabitzer rettet Österreich in letzter Generalprobe vor Fußball-WM

Sabitzer rettet Österreich in letzter Generalprobe vor Fußball-WM
FOTO: EPA/CHRISTOPHER NEUNDORF
5 Min. Lesezeit |

Unterzahl, Aluminium-Pech und ein letztes Heimspiel für eine Legende – Österreich trotzt allem und reist mit Rückenwind zur WM.

Österreich hat den letzten Härtetest vor der Weltmeisterschaft bestanden. Gegen Tunesien holte das Team von Ralf Rangnick im Wiener Ernst-Happel-Stadion ein 1:0 – und das trotz Unterzahl ab der 37. Minute. Marcel Sabitzer traf nach der Pause zum entscheidenden Tor, Konrad Laimer sah nach einem Handspiel als letzter Mann die Rote Karte. Laut ÖFB droht ihm bei der WM allerdings keine Sperre. Österreich reist damit mit drei Siegen aus drei Testspielen nach Amerika.

Damit läuft nun endgültig der Countdown zum ersten WM-Spiel seit 28 Jahren. Am 17. Juni trifft Österreich in Santa Clara südlich von San Francisco auf Jordanien – Anstoß ist um 6.00 Uhr MESZ, live in ORF1. Nach zwei freien Tagen geht es ins Trainingslager nach Kalifornien. Zuvor verabschiedeten die Fans ihre Mannschaft im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit dem Schlachtruf „Hand aufs Herz, Adler am Trikot, macht die WM zu unserer Show“ in Richtung USA. Für Marko Arnautovic, der seine Karriere im Nationalteam nach der WM beenden wird, war es das letzte Spiel auf heimischem Boden.

Schwieriger Abend

Der 37-jährige Stürmer stand ebenso in der Startelf wie Tormann Alexander Schlager und Romano Schmid. Laimer begann auf der linken Abwehrseite. „Man kann schon davon ausgehen, dass es weitestgehend die Elf ist, die auch gegen Jordanien spielen könnte“, hatte Rangnick im Vorfeld erklärt. Eigentlich war auch Christoph Baumgartner für die voraussichtliche WM-Startelf vorgesehen, doch der Leipzig-Legionär spürte einen Stich im Oberschenkel und fiel kurzfristig aus. Michael Gregoritsch rückte für ihn in die Anfangsformation.

Nach einer Ehrung für den verstorbenen früheren ÖFB-Teamgoalie Alexander Manninger starteten die Gastgeber noch engagiert – viel Ballbesitz, Sabitzer mit dem ersten Abschluss in der dritten Minute. Doch dann lief in Wien bald alles in die verkehrte Richtung. Hannibal setzte den ersten von insgesamt drei tunesischen Aluminiumtreffern: Ein Freistoß von der linken Seite aus spitzem Winkel landete gewollt an der Latte – das war in der zwölften Minute. Nur sechs Minuten später traf Firas Chaouat die linke Stange.

Das Raunen im Wiener Ernst-Happel-Stadion wollte nicht verstummen. Nach einem weiteren Abschluss von Ismael Gharbi rettete sich Österreich in die Trinkpause, wie sie auch bei der WM zur Halbzeit jeder Spielhälfte vorgesehen ist. Rangnick stellte taktisch um, sein Team fand wieder besser ins Spiel. Laimer hatte links im Strafraum Zeit und Raum, seine Flanke verfehlte jedoch Mitspieler und Gegner gleichermaßen deutlich.

Dann die Schlüsselszene vor der Pause: Tunesien im Vorwärtsgang, Rani Khedira will durchstecken – Laimer fängt den Ball mit der Hand ab. Schiedsrichter Jeremie Pignard zückte zunächst Gelb, wurde dann aber vom VAR an den Monitor gebeten. Die Konsequenz war eindeutig: Der Bayern-Profi musste vom Platz. Eine Sperre bei der WM gilt in solch einem Fall als höchst unwahrscheinlich, da keine Tätlichkeit vorlag. Denkbar wäre allenfalls eine Sperre für ein späteres Freundschaftsspiel.

Sabitzers Entscheidung

In der Pause reagierte Rangnick mit mehreren Wechseln und brachte unter anderen Marco Friedl, Carney Chukwuemeka und Sasa Kalajdzic – Letzterer als Ersatz für den muskulär angeschlagenen David Alaba oder Arnautovic. Die Einwechselspieler nutzten ihre letzte Chance zur WM-Empfehlung eindrucksvoll. Kalajdzic, der als frischgebackener Meister und Cupsieger des LASK in Topform zum Team gestoßen war, bekam von Xaver Schlager den Ball ideal aufgelegt und verzog nur knapp links. Auch die Tunesier wechselten durch, doch das ÖFB-Team hatte die Partie nun fest im Griff.

Das Tor lag in der Luft, und nach etwas mehr als einer Stunde fiel es: Über die rechte Seite und Chukwuemeka brachte Posch den Ball in den Strafraum, Sabitzer vollendete überlegt ins kurze Eck. Mit seinem 26. Treffer zog er in der ewigen ÖFB-Bestenliste als Achter mit Andreas Herzog und Matthias Sindelar gleich. Drei Minuten danach hatten auch die Österreicher ihr Aluminiumpech: Goalie Mouuhub Chamakh wehrte einen Abschluss von Friedl aus kurzer Distanz an die Stange, Poschs Abstauberversuch klatschte an die Latte.

Danach verwalteten die Österreicher den Vorsprung souverän und ließen keine nennenswerte Ausgleichschance mehr zu.

Stimmen nach dem Match

ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick zog nach dem Spiel ein gemischtes Fazit. Vor allem mit der Leistung in der ersten Halbzeit zeigte sich der Deutsche nicht vollständig zufrieden. „Die erste Halbzeit hat mir nicht ganz so gut gefallen“, erklärte Rangnick und verwies dabei insbesondere auf Mängel im Offensivspiel. Im letzten Drittel habe seine Mannschaft „oft technisch nicht sauber genug“ agiert.

Einen entscheidenden Einfluss auf den weiteren Spielverlauf hatte für Rangnick die Rote Karte gegen Konrad Laimer. Diese habe „das Spiel komplett verändert“, betonte der Teamchef. Umso zufriedener war er mit dem Auftritt seiner Mannschaft nach dem Seitenwechsel. „Die zweite Halbzeit hat mir sehr gut gefallen“, sagte Rangnick. Österreich habe das Geschehen kontrolliert und sei dem zweiten Treffer näher gewesen als Tunesien dem Ausgleich.

Marcel Sabitzer zeigte sich nach dem Spiel mit dem Ergebnis zufrieden, sah aber gleichzeitig noch Verbesserungspotenzial im österreichischen Spiel. Nach einer Anpassung in der Halbzeitpause habe sich die Mannschaft „noch einmal gesammelt“ und „ein bisschen was verändert“. In der Folge setzte das ÖFB-Team verstärkt auf Konter und kam laut Sabitzer zu „guten Umschaltmomenten“.

Der Mittelfeldspieler sprach von keiner außergewöhnlichen Leistung, betonte aber, dass die Vorstellung „den Umständen entsprechend schon ordentlich“ gewesen sei. Gleichzeitig zog er wichtige Erkenntnisse aus der Partie: „Bis zur Roten Karte haben wir das Learning, dass wir gegen tiefstehende Gegner bessere Lösungen finden müssen“, erklärte der Torschütze.

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KO KOSMO-Redaktion
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