Verschlüsselte Nachrichten, angeworbene Fahrer und ein ausgeklügeltes Transportsystem – Europol zerschlägt ein Netzwerk, das Hunderte Menschen illegal in die EU brachte.
Eine groß angelegte internationale Ermittlung hat zur Zerschlagung eines kriminellen Netzwerks geführt, das systematisch Migranten von Bosnien und Herzegowina nach Kroatien und weiter in andere EU-Länder geschleust hat. Bei der koordinierten Aktion nahmen Fahnder am 17. September in Kroatien den mutmaßlichen Kopf der Organisation sowie drei weitere Verdächtige fest.
Die unter Leitung einer speziellen Europol-Taskforce durchgeführte Operation vereinte Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Slowenien. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler steht das Netzwerk im Verdacht, mehr als 100 Schmuggelaktionen mit über 600 Migranten entlang der Westbalkanroute organisiert zu haben.
Die Festnahme erfolgte im Rahmen der verstärkten EU-Kooperation gegen Schleuserkriminalität, bei der gemeinsame Ermittlungsgruppen und operative Taskforces zwischen Europol, Frontex und den Behörden der Westbalkanländer koordiniert vorgehen. Die Westbalkanroute verzeichnet nach aktuellen Europol-Berichten erneut steigende Migrantenzahlen, wobei organisierte Schleusernetzwerke zunehmend auf kommerzielle Transportmittel und verschlüsselte Kommunikation setzen.
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Kriminelles Vorgehen
Um ihre Aktivitäten vor den Behörden zu verbergen, hatte die kriminelle Vereinigung ein ausgeklügeltes System entwickelt. Die Kommunikation erfolgte ausschließlich über verschlüsselte Nachrichtenplattformen. Das Netzwerk bestand hauptsächlich aus kroatischen Drahtziehern, die für die eigentlichen Transporte Fahrer aus Tschechien, der Slowakei und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern anwarben.
Feste Schmuggelroute
Die Schleusungen folgten einem festen Muster: Die Migranten reisten zunächst legal per Flugzeug von Istanbul nach Sarajevo ein. Nach kurzem Aufenthalt wurden sie von Mitgliedern des Netzwerks zur bosnisch-kroatischen Grenze gebracht, die sie zu Fuß und mit Hilfe von Schleusern überquerten.
Die Flugroute Istanbul–Sarajevo steht dabei besonders im Fokus der EU-Behörden als bevorzugter Einstiegsweg für irreguläre Migration auf der Westbalkanroute. Die Ermittler werten die Zerschlagung des Netzwerks und die Festnahme der Schlüsselpersonen als wichtigen Erfolg in der internationalen Zusammenarbeit gegen organisierte Schleuserkriminalität.
In Kroatien angekommen, brachte man sie zunächst in provisorischen Unterkünften im Raum Split unter, bevor sie in gemieteten Fahrzeugen weiter in Richtung EU-Kernländer transportiert wurden.