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CORONAVIRUS

Schützen Gesichtsvisiere überhaupt?

Symbolbilder (FOTOS: iStock)

Das verpflichtende Tragen von Masken und Gesichtsvisieren ist weltweit zu einer der gängigsten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus geworden. Doch immer häufiger tauchen Studien auf, die die Wirksamkeit der Schilde in Frage stellen.

Neben dem Mund-Nasen-Schutz, ist das Gesichtsvisier zu einem beliebten Accessoire im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus geworden. Insbesondere, da es nicht das komplette Gesicht verdeckt und man damit leichter atmen kann. Experten warnen nun jedoch davor, dass die Schilde kaum bis gar nicht in der Lage sind, die Verbreitung des Virus über Aerosole (also kleinste Luftpartikel) zu verhindern.

Studie aus Japan zeigt: Schilde halten kaum Viren ab
Zweifel am Schutz der Schilde, die in erster Linie das Umfeld und nicht den Träger schützen sollen, gab es zuletzt etwa aufgrund von Simulationen des schnellsten Supercomputers der Welt Fugaku in Japan. Dieser zeigte bildhaft, dass fast 100 Prozent der Tröpfchen, die kleiner als fünf Mikrometer (also Aerosole) sind, den Plastikvisieren entweichen. Doch genau diese winzigen Teilchen sind es auch, die Infektionen, wie auch das Coronavirus, transportieren können.

Aber nicht nur die kleinsten Teilchen, auch größere Teilchen, mit über 50 Mikrometern, wurden zu etwa 50% nicht vom Gesichtsvisier aufgehalten, wie Forscher des japanischen Forschungsinstituts Riken bewiesen. Aufgrund dieser brisanten Ergebnisse warnte der Computerwissenschaftler und führender Forscher bei Riken, Makoto Tsubokura, erst kürzlich davor, Plastikvisier der Maske vorzuziehen.

US-Studie mit ähnlichem Ergebnis
Erst vor wenigen Wochen konnten US-Wissenschaftler in einer Studie mit Laserstrahlen zeigen, wie wenig wirksam Gesichtsvisiere und Schutzmasken mit Ventil gegen eine Verbreitung des Coronavirus sind. Dafür setzten sie einer Spezialpuppe ein Plastikvisier oder eine Gesichtsmaske mit einem Atemventil auf. Die Ergebnisse zeigten: Ein Visier blockte den Ausstoß der Tröpfchen zwar ab, aber: „Die ausgestoßenen Tröpfchen können sich relativ leicht um das Visier herumbewegen und sich in einem größeren Gebiet ausbreiten.“ Bei Masken mit einem Ventil sei es ähnlich. Dort werde die Luft durch die Öffnungen am Ventil ungefiltert herausgedrückt und verteile sich ebenfalls.

Warnungen im deutschsprachigen Raum
Warnungen kamen auch aus dem deutschen Robert Koch-Institut: Visiere stellen keine gleichwertige Alternative zu Masken dar. Die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät ebenso von Visieren ab, da sie nicht vor erregerhaltigen Aerosolen schützten. Diese könnten durch den Spalt zwischen Gesicht und Visier ungehindert in die Raumluft gelangen.

Österreich: Heimische Experten gegen Visiere
Seitens der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin hieß es Ende Juli: Klarsichtvisiere bilden „eine mechanische Barriere für größere Tröpfchen (…). Schwebefähige Kleinst-Partikel werden hingegen fast ungehindert an die Umgebung abgegeben, weil ein Visier die Ein- und Ausatemluft lediglich umlenkt“. Eine Maske würde durch ihre Filtrationswirkung hingegen auch einen Teil der mit der Partikel, die durch das Ein- oder Ausatemluft verteilt werden, zurückhalten, so die Experten.

Überraschende Hinweise lieferte unterdessen eine US-Studie über die Wirksamkeit von Masken. Diese würden nicht nur die anderen schützen, sondern könnten auch für die Träger sehr positive Folgen haben.

Quellen und Links: