„Schuld habe ich nicht geerbt, Bewusstsein jedoch schon“

KOMMENTAR

„Schuld habe ich nicht geerbt, Bewusstsein jedoch schon“

1356
80 Jahre Anschluss Österreich
(FOTO: ÖNB / Glöckler)

Morgen jährt sich der Anschluss Österreichs an das Dritte Reich zum 80. Mal. Was haben wir heute noch damit zu tun?

80 Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem Menschenmassen die Machtübernahme von Hitler bejubelten. Tausende gingen auf die Straße, um den „Erlöser“ zu begrüßen und ihn gebührend zu feiern.

Was er wirklich brachte war jedoch etwas Anderes. Unschuldige österreichische Mitbürger, die nicht der Reinheitsvorstellung des Dritten Reiches entsprachen, wurden gedemütigt, ausgeraubt und auf brutalste Art und Weise ermordet. Alles andere als eine Erlösung, die schlussendlich in der größten vom Menschen verursachten Katastrophe der Geschichte mündete – dem Zweiten Weltkrieg.

Seither hat sich die Aufarbeitung der Rolle Österreichs im Dritten Reich mehrfach gewandelt. Von Opfermythen, Abstreitung bis hin zur Akzeptanz der Mittäterschaft. Auch heute sind noch zahlreiche diametral unterschiedliche Ansichtsweisen im Volk vertreten.

Das Wort „Erbschuld“ kann ich einfach nicht mehr hören
Es sind immerhin acht Jahrzehnte seither vergangen, die aktiv beteiligten Generationen leben zum Großteil nicht mehr unter uns und mit einer „Erbschuld“ kann man als junger Bürger eigentlich gar nichts anfangen.

Schuld an den damaligen Geschehnissen sind wir, die junge Bevölkerung des Landes, mit Sicherheit nicht. Keiner von uns, noch unserer Eltern, bzw. vieler unserer Großeltern nahm an den Gräueltaten teil.

Somit hat kollektive Schuldzuweisung im heutigen öffentlichen Diskurs wenig bis gar keinen Sinn. Nichtsdestotrotz haben uns unserer vorhergehenden Generationen etwas Anderes vermacht, ein großes Bewusstsein für die damaligen Geschehnisse und ihre Auslöser.

Was hat das allerdings alles mit mir zu tun?
Eine Frage, die sich viele Österreicher heute stellen. Der im Hitlerreich vorherrschende Hass gegenüber Fremden, Intoleranz, Egoismus und absichtliche und brutale Ausgrenzung sind alles Dinge, die mit Sicherheit nicht mit Ende des Zweiten Weltkrieges einfach so aus unserer Gesellschaft „gewaschen“ wurden.

Was uns jedoch von den damals jubelnden Massen unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir wissen, wohin diese Dinge führen können und sie keines Problems Lösung sind…