Sieben Kinder starben, als ein marodes Schulgebäude in Indien einstürzte. Die Tragödie offenbart die dramatischen Folgen chronischer Unterfinanzierung im Bildungssektor.
Bei einem Schuldacheinsturz im westindischen Jhalawar (Bundesstaat im Nordwesten Indiens) sind mindestens sieben Kinder gestorben und 26 weitere verletzt worden. Zum Unglückszeitpunkt hielten sich etwa 60 Schüler sowie mehrere Lehrkräfte in dem einstöckigen Gebäude auf. Zahlreiche Verletzte konnten von Dorfbewohnern aus den Trümmern geborgen werden.
Lokale Medien berichten, dass der mangelhafte Zustand des baufälligen Schulgebäudes bereits mehrfach Anlass für Beschwerden gegeben hatte. Das Unglück reiht sich in eine lange Liste von Problemen ein, mit denen staatliche Bildungseinrichtungen in Indien konfrontiert sind.
Bildungskrise Indiens
Die chronische Unterfinanzierung des öffentlichen Bildungssektors in Indien führt vielerorts zu gravierenden Mängeln. Häufig fehlt es an ausreichend Lehrpersonal, die Gebäude sind in schlechtem Zustand, und selbst grundlegende Einrichtungen wie Sanitäranlagen oder Trinkwasserversorgung sind nicht vorhanden.
In den vergangenen Jahren hat die indische Regierung den Bildungsetat zwar kontinuierlich erhöht, dennoch liegt der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei nur etwa 2,9 Prozent – deutlich unter der UNESCO-Empfehlung von mindestens 4 bis 6 Prozent. Im aktuellen Haushaltsjahr 2024/25 wurden rund 1,12 Billionen Rupien (etwa 12,5 Milliarden Euro) für Bildung bereitgestellt.
Stadt-Land-Gefälle
Während in städtischen Gebieten in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden, schreitet die Modernisierung in ländlichen Regionen nur schleppend voran. Nach Polizeiangaben stürzten bei dem aktuellen Vorfall sowohl das Dach als auch Teile der Wände ein, während sich zahlreiche Personen im Gebäude aufhielten.
Das rund 20 Jahre alte Schulgebäude verfügte über ein Dach aus schweren Steinplatten, was die Wucht des Einsturzes zusätzlich verstärkte. Die Opfer waren überwiegend Schüler der siebten Klasse im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Engagierte Dorfbewohner eilten zur Hilfe und retteten viele Verletzte aus den eingestürzten Gebäudeteilen.
Reaktionen und Maßnahmen
Nach ähnlichen Unglücken in indischen Schulen wurden in mehreren Bundesstaaten zwar kurzfristig Inspektionen angeordnet und einzelne Gebäude geschlossen, doch lokale Aktivisten bemängeln das Ausbleiben nachhaltiger Investitionen in die Sanierung und den Neubau von Schulen. Sie fordern eine systematische Erfassung baufälliger Gebäude und eine deutliche Erhöhung der Mittel für die Instandhaltung.
Die Regierung von Rajasthan hat nach dem Einsturz eine umfassende Untersuchung angekündigt und zugesichert, dass alle Verletzten medizinisch bestmöglich versorgt werden. Sowohl Premierminister Narendra Modi als auch der Bildungsminister des Bundesstaates sprachen den betroffenen Familien ihr Beileid aus und versprachen Unterstützung.