Ein Schweinskopf, ein Hetzzettel – mitten im Ramadan. In Tirol trifft ein feiger Angriff eine Familie und erschüttert eine ganze Stadt.
In Tirol hat ein Vorfall, der sich in der Nacht auf den 12. März in Hall in Tirol ereignete, für erhebliche Bestürzung gesorgt. Wie die „Tiroler Tageszeitung“ berichtet, legten Unbekannte einer türkischen Familie einen gekochten Schweinskopf vor die Wohnungstür – verbunden mit einem Zettel, auf dem die Worte „Happy Ramadan ihr Affen“ standen. Der Angriff war damit sowohl symbolisch als auch verbal auf die religiöse und ethnische Identität der Familie ausgerichtet.
Die Betroffenen stehen seither unter dem Eindruck tiefer Verunsicherung. Die Föderation der Demokratischen ArbeiterInnen in Österreich (ADIF) schildert eine Atmosphäre der Angst. Sprecher Ossi beschreibt gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ die „Angst der Familie, dass es zu weiteren rassistischen Übergriffen kommt“. Besonders die jüngsten Familienmitglieder seien von den Ereignissen belastet: „Auch die Kinder fürchten sich“, so Ossi. Er fordert die „Verhinderung solcher Hassverbrechen und eine konsequente Strafverfolgung der Täter“.
Wachsende Übergriffe
In Hall in Tirol selbst reagiert die Bevölkerung mit Fassungslosigkeit. Viele Bewohnerinnen und Bewohner verweisen darauf, dass das Miteinander in der Stadt bislang von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei. Auch auf politischer Ebene löst der Vorfall scharfe Kritik aus. Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan bezeichnet das Geschehene in der „Tiroler Tageszeitung“ als „erschütternd und beschämend“. „Solche Taten sind kein Streich, sondern gezielte Einschüchterung und ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft.“
Die Islamische Glaubensgemeinschaft warnt in diesem Zusammenhang vor einer Zunahme derartiger Übergriffe. Die Dokumentationsstelle für antimuslimischen Rassismus verzeichnet laut dem Bericht eine wachsende Zahl registrierter Vorfälle. Religiöse Feiertage oder mediale Berichterstattung über muslimisches Leben würden dabei häufig „bewusst genutzt, um gezielt zu provozieren oder zu beleidigen“. Viele Betroffene würden Übergriffe erst gar nicht zur Anzeige bringen – aus Angst oder Resignation.
Politische Reaktionen
Politisch hat der Fall ebenfalls Konsequenzen. Barbara Schramm-Skoficz von den Grünen kündigte gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ an, den Vorfall in den Stadtrat einzubringen. „Das müssen wir besprechen“, sagte sie. Im Unterschied zu früheren ähnlichen Fällen geht sie diesmal nicht davon aus, dass jugendliche Täter hinter der Tat stecken.
Bereits am 12. März hatte die Familie versucht, Anzeige zu erstatten – stieß dabei aber zunächst auf bürokratische Hürden: Laut „Tiroler Tageszeitung“ wurde ihr lediglich eine E-Mail-Adresse genannt, an die Fotos übermittelt werden sollten. Eine Rückmeldung wurde nur in Aussicht gestellt, sofern tatsächlich eine Straftat festgestellt werde.
Die Polizei bestätigte gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“, dass der Vorfall inzwischen gemeldet worden sei und Erhebungen durchgeführt würden.
Für Hall in Tirol ist eine Kundgebung gegen Rassismus geplant.