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Gratwanderung

Selenskyjs Kichern bei Gipfel: Wenn Trump Putins „Großzügigkeit“ lobt

Selenskyjs Kichern bei Gipfel: Wenn Trump Putins „Großzügigkeit“ lobt
(FOTO: EPA/AARON SCHWARTZ)
4 Min. Lesezeit |

Wolodymyr Selenskyj stand bei den Verhandlungen in Trumps luxuriöser Mar-a-Lago-Residenz vor einer diplomatischen Gratwanderung. Der ukrainische Präsident musste äußerste Vorsicht walten lassen, da der US-Präsident maßgeblichen Einfluss auf das Schicksal seines Landes hat – und Trump zeigt seit längerem wachsende Ungeduld.

Der Republikaner hatte wiederholt Fristen für eine Einigung zwischen Kiew und Moskau gesetzt, zunächst Thanksgiving, dann Weihnachten, die jedoch beide ergebnislos verstrichen.

Immerhin gelang es Selenskyj gemeinsam mit europäischen Partnern, einen von Russlands Maximalforderungen geprägten 28-Punkte-Plan abzuwehren und stattdessen eine mit Trumps Team erarbeitete 20-Punkte-Alternative vorzulegen. Dieser diplomatische Erfolg stand im Mittelpunkt des Sonntagstreffens, zu dem Trump neben den ukrainischen Vertretern auch seine Chefunterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner sowie Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth hinzuzog.

Nach dem Treffen blieb jedoch unklar, inwieweit Trump diesen Plan tatsächlich unterstützt und ob er bereit ist, Kreml-Chef Wladimir Putin davon zu überzeugen. Die zentralen Streitpunkte – Sicherheitsgarantien für die Ukraine und der Status der umkämpften Gebiete im Donbass – blieben weiterhin ungelöst.

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Ungelöste Streitpunkte

Bezüglich der Sicherheitsgarantien bestehen offensichtlich unterschiedliche Einschätzungen: Während Selenskyj von einer hundertprozentigen Lösung sprach, relativierte Trump mit einer 95-Prozent-Einschätzung. Besonders die Frage, wie europäische Militärunterstützung auf ukrainischem Territorium eingesetzt werden könnte, bleibt strittig – ein Punkt, den Putin als Provokation betrachtet.

Auch die Donbass-Frage bezeichnete Trump selbst als „dornig“. Das umkämpfte Gebiet könnte nach seiner Einschätzung in den kommenden Monaten noch stärker unter russische Kontrolle geraten. Wiederholt betonte der US-Präsident die Notwendigkeit, den Konflikt zu beenden, und verwies auf eine einstündige Videokonferenz mit europäischen Partnern, die parallel zum Treffen mit Selenskyj stattfand.

Trumps Annäherung an Putins Positionen wurde mehrfach deutlich. So stellte er sich hinter die russische Ablehnung eines Waffenstillstands – eine Haltung, die laut Kreml-Angaben auch in einem zweieinhalb Stunden dauernden Telefonat zwischen Trump und Putin vor dem Ukraine-Treffen Übereinstimmung fand. Trump bestätigte diese Position später mit dem Argument, Putin wolle nicht riskieren, nach einer gescheiterten Feuerpause erneut kämpfen zu müssen.

Dies steht im direkten Widerspruch zu Selenskyjs Forderung nach einer Kampfpause, die seinen Landsleuten ermöglichen soll, über territoriale Zugeständnisse an Russland abzustimmen. Wie eine solche Abstimmung unter fortgesetztem russischen Beschuss durchführbar sein soll, blieb offen. Trump versprach lediglich vage: „Wir werden einen Weg finden“, ohne Details zu nennen.

Putins „Großzügigkeit“

Für Irritationen sorgte Trumps Behauptung, Putin sei „sehr großzügig in seiner Einstellung gegenüber dem Erfolg der Ukraine“. Der russische Präsident wolle sich demnach sogar am Wiederaufbau des von ihm selbst zerstörten Landes beteiligen, indem er „Energie und Strom zu sehr niedrigen Preisen“ liefere. Anwesende Journalisten berichteten, Selenskyj habe bei dieser Aussage ein Kichern nicht unterdrücken können.

Eine konkrete neue Frist für den Friedensplan nannte Trump nicht, deutete aber an, dass der Prozess „ein paar Wochen dauern“ könnte. Eine hochrangige Arbeitsgruppe werde zunächst mit den Ukrainern und anschließend mit der russischen Seite verhandeln, bevor möglicherweise direkte Gespräche zwischen den Kriegsparteien stattfinden könnten.

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Zum Abschluss der Pressekonferenz scherzte Trump, Selenskyj habe sich in Mar-a-Lago so wohlgefühlt, dass er gar nicht mehr ins Weiße Haus wolle. „Ich komme gern nach Washington“, entgegnete der ukrainische Präsident. Für Anfang Jänner sind weitere Gespräche in der US-Hauptstadt geplant, möglicherweise unter Beteiligung europäischer Partner.

Die Kulisse des Treffens – strahlender Sonnenschein, angenehme 25 Grad und weiße Sandstrände voller Touristen – stand in krassem Kontrast zur eisigen Realität in der von Russland zunehmend zerstörten Ukraine.

Trotz Selenskyjs Bemühungen, Trump gemeinsam mit den Europäern für die ukrainischen Interessen zu gewinnen, blieben nach den entscheidenden Gesprächen die zwei wichtigsten Streitpunkte ungelöst – ein Umstand, der Moskaus Position zu stärken scheint.

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