Ihre Maske ist mehr als ein Accessoire – sie ist Schutzraum, Kunstkonzept und persönliche Geschichte zugleich.
Felicia Eriksson, die Schweden beim Eurovision Song Contest 2026 in Malmö mit dem Lied „My System“ unter ihrem Künstlernamen Felicia vertritt, beschreibt ihre Maske in ungewöhnlich direkten Worten: „wie ein kleines Gefängnis“. Dahinter steckt eine Geschichte, die weit vor dem ESC beginnt. Die 24-Jährige war einst das Gesicht – oder vielmehr das verborgene Gesicht – hinter der in Schweden bekannten Kunstfigur Fröken Snusk. Das Konzept dieser Figur basierte auf absolutem Geheimnis: Fröken Snusk trat stets vermummt auf, die Identität dahinter blieb bewusst ungeklärt. Laut Aftonbladet war Felicia vertraglich dazu verpflichtet, ihr Gesicht nicht zu zeigen und ihre Identität nicht preiszugeben.
Was heute kurios anmutet: Felicia tritt inzwischen unter ihrem bürgerlichen Namen auf – während hinter der Fröken-Snusk-Maske schlicht eine andere Sängerin steht. Die Maske selbst aber hat Felicia nicht abgelegt. Meist bedeckt sie ihren Mund- und Nasenbereich mit aufwendig gestalteten Masken, die entfernt an die Schutzmasken der Pandemiejahre erinnern, jedoch deutlich glamouröser ausfallen. Gelegentlich zeigte sie auch die untere Gesichtshälfte, während der obere Teil verborgen blieb.
Persönliche Schutzgeschichte
Das Tragen einer Maske ist für die schwedische ESC-Teilnehmerin längst Teil ihrer künstlerischen Identität – doch dahinter verbirgt sich auch eine schmerzhafte persönliche Geschichte. Felicias Leben ist von psychischen Erkrankungen geprägt: Sie erhielt eine ADHS-Diagnose und kämpfte mit Depressionen. Schwedischen Medien zufolge wurde die Maske im Laufe der Zeit zu einem psychologischen Schutzraum für sie.
In verschiedenen Interviews hat Felicia die persönlichen Beweggründe für ihre Maskierung offen angesprochen – unter anderem gegenüber dem Göteborgs-Posten. „Ich habe früher so viel Hass wegen meines Körpers bekommen. Und ich merke einfach, dass ich keinen Hass wegen meines Gesichts haben möchte“, erklärte sie Anfang März und ergänzte, was das Ablegen der Maske angeht: „Deshalb mache ich das in meinem eigenen Tempo, und dann werden wir sehen, wann es passiert.“
Maske soll fallen
Gleichzeitig macht Felicia deutlich, dass sie die Maske nicht für immer tragen will – auch gegenüber dem Aftonbladet äußerte sie sich entsprechend. „Ich versuche jeden Tag, es zu wagen, mein Gesicht zu zeigen, und mich auf den Tag vorzubereiten, an dem sie runterkommt. Denn sie muss irgendwann runter. Das ist hier wie ein kleines Gefängnis“, sagte sie in einem weiteren Interview dem Aftonbladet.
Den ESC 2026 nennt sie dabei als möglichen Moment – „eine sehr gute Gelegenheit“, wie sie selbst formuliert. „Ich glaube nicht, dass die Leute das verstehen – ich habe seit 2022 ständig eine Maske getragen und mein Gesicht verborgen. Fast niemand aus dieser Zeit hat mein Gesicht gesehen, außer denen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Und dieser Wechsel zu einer Brille ist ein so verdammt großer Schritt für mich, größer als sich irgendjemand vorstellen kann“, sie die Künstlerin.