Nach dem umstrittenen Thompson-Konzert zieht Zagrebs Bürgermeister einen klaren Schlussstrich: Keine Mega-Events mit über 100.000 Besuchern mehr auf öffentlichen Flächen.
Der Zagreber Bürgermeister Tomislav Tomasevic hat nach dem umstrittenen Konzert des Musikers Marko Perkovic Thompson eine weitreichende Entscheidung getroffen: Solange er im Amt ist, werden in Zagreb keine Veranstaltungen mit mehr als 100.000 Besuchern auf öffentlichen Flächen mehr stattfinden. Bei einer Pressekonferenz der Stadtverwaltung erklärte Tomasevic, dass trotz des logistisch reibungslosen Ablaufs des Konzerts die Risiken für derartige Massenveranstaltungen zu groß seien.
„Obwohl alles ohne ernsthafte Folgen für die Stadt und die Besucher verlaufen ist, habe ich entschieden, dass es solch ein Massenkonzert in Zagreb, solange ich Bürgermeister bin, nicht mehr geben wird“, betonte der Politiker der links-grünen Partei Mozemo (Wir können!). Künftig werde die Stadt keine Genehmigungen mehr für kommerzielle Großveranstaltungen dieser Größenordnung auf öffentlichen Flächen erteilen. Zudem prüfe man, ob diese Einschränkung auch auf private Flächen ausgeweitet werden könne.
⇢ Keine Genehmigung: Wackelt das Thompson-Konzert in Zagreb?
Für seine Entscheidung führte Tomasevic zwei Hauptgründe an: die Sicherheit der Besucher und die Lebensqualität der Zagreber Bevölkerung. Derartige Einschränkungen des öffentlichen Lebens seien für Veranstaltungen von allgemeinem Interesse, die von staatlichen oder städtischen Stellen organisiert werden, möglicherweise gerechtfertigt – weniger jedoch für kommerzielle Events. Dennoch betonte er, dass Zagreb weiterhin an Konzerten interessiert sei und der Hipodrom in den Sommermonaten dafür zur Verfügung stehe, allerdings mit einer Obergrenze von 100.000 Besuchern.
Auf Nachfrage erläuterte der Bürgermeister, dass nach Unterzeichnung eines Vertragszusatzes weitere 200.000 Tickets verkauft wurden, wodurch die Besucherzahl auf 500.000 anstieg. Dem Veranstalter würden, wie bei anderen Konzerten üblich, alle genutzten städtischen Dienstleistungen in Rechnung gestellt – von Straßensperrungen bis zum Einsatz städtischer Mitarbeiter.
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entscheidung könnten für Zagreb erheblich sein. Nach Schätzungen des kroatischen Tourismusverbandes bringen Großveranstaltungen dieser Art der Hauptstadt jährlich Einnahmen von bis zu 15 Millionen Euro. Allein das Thompson-Konzert soll der lokalen Wirtschaft etwa 5 Millionen Euro eingebracht haben – durch Hotelübernachtungen, Gastronomie und Einzelhandel. Besonders Hotels und Restaurants in der Innenstadt profitierten vom Besucheransturm mit einer Auslastung von nahezu 100 Prozent am Konzertwochenende.
Branchenvertreter zeigen sich besorgt: „Ein generelles Verbot von Großveranstaltungen könnte Zagreb im internationalen Wettbewerb benachteiligen“, erklärt Martina Bienenfeld, Direktorin des Zagreber Tourismusverbandes. „Viele europäische Städte konkurrieren um solche Events, die nicht nur direkte Einnahmen, sondern auch langfristige Imagevorteile bringen.“
Ustascha-Kontroverse
Besonders deutlich äußerte sich Tomasevic zur politischen Dimension des Konzerts und der Verwendung des Ustascha-Grußes „Za dom spremni“ (Für die Heimat bereit). Er widersprach der Darstellung der regierenden HDZ (Kroatische Demokratische Union) und betonte: „Die Mehrheit der Konzertbesucher kam wegen der Musik und aus patriotischen Gefühlen. Ich glaube, dass die meisten keine Unterstützer des Ustascha-Regimes sind“, das in Lagern systematisch Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Religion oder politischen Überzeugung getötet hat.
Scharfe Kritik richtete der Bürgermeister an die Staatsführung, namentlich an Parlamentspräsident Gordan Jandrokovic und Premierminister Andrej Plenkovic, sowie an die Polizei. Diese hätten weder das Singen von Ustascha-Liedern im Stadtzentrum am Vorabend des Konzerts noch die Verwendung entsprechender Symbole verurteilt oder sanktioniert. „Die Polizei wollte solche Gesetzesverstöße weder unterbinden noch die Täter identifizieren. Ihre öffentliche Antwort war, dass diese Verstöße aufgezeichnet werden und dass es eine Frist von vier Jahren gibt, um Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Eine solche Reaktion trägt nicht zur Prävention eines solchen Verhaltens in der Zukunft bei“, kritisierte Tomasevic.
Alternative Veranstaltungsorte in Kroatien
Für Konzertveranstalter bedeutet die Entscheidung des Zagreber Bürgermeisters eine Neuorientierung. Das Poljud-Stadion in Split mit einer Kapazität von bis zu 35.000 Zuschauern und die Arena Pula mit Platz für 20.000 Besucher gelten als wichtigste Alternativen für größere Konzerte. Für Mega-Events mit mehreren hunderttausend Besuchern gibt es allerdings keine vergleichbare Infrastruktur im Land.
„Veranstaltungen wie das Thompson-Konzert werden künftig möglicherweise auf mehrere Städte verteilt oder in kleineren Formaten stattfinden müssen“, erklärt Konzertveranstalter Adnan Mehmedović. „Die wirtschaftlichen Vorteile würden dann nicht mehr konzentriert Zagreb zufließen, sondern sich auf andere Regionen verteilen.“ Dies könnte laut Experten mittelfristig zu einer ausgewogeneren regionalen Tourismusentwicklung in Kroatien beitragen.
Kritik an Staatsvertretern
Die Reaktion der Staatsvertreter, die beim Konzert beziehungsweise bei der Probe anwesend waren, bezeichnete er als „zutiefst enttäuschend“. Sie würden problematische Aspekte des Konzerts „unter den Teppich kehren“ und damit legitimieren, dass sich solche Vorfälle wiederholen könnten. Als Beleg führte er an, dass bereits am selben Tag ein Abgeordneter im kroatischen Parlament seine Rede