Sieben Rückenoperationen, ein IQ von 160 und acht neue Filmprojekte: Sylvester Stallone wird 80 – und denkt nicht ans Aufhören.
Jeden Morgen weckt ihn das Vogelgezwitscher am Atlantik. Schnürsenkel binden kann er sich nicht mehr – sieben Rückenoperationen haben das unmöglich gemacht. Sein Leben hat er in digitalen Alben auf seinem iPhone archiviert.
Das Fitnessstudio hat er hinter sich gelassen. Stattdessen entstehen täglich düstere, abstrakte Farbexplosionen auf der Leinwand – der Auswanderer in Florida hat die Malerei für sich entdeckt. Und dennoch: Acht Filmprojekte befinden sich derzeit in Arbeit.
Sylvester Stallone ist beides zugleich – lebender Mythos und Mensch aus Fleisch und Blut: „Das Leben ist verdammt kurz. Ich muss irgendwann auschecken. Deshalb will ich noch viel Leben in mein Leben packen.“ Hochsensibel, klug und unnachgiebig – ein melancholischer Muskelberg mit einem überraschenden IQ von 160. Als „Rocky“ und „Rambo“ prägte er eine Ära, als Schwarzeneggers Rivale lieferte er sich einen legendären Wettstreit: „Wir waren auf Kollisionskurs.“
Heute wird er biblische 80 Jahre alt. Gefeiert wird in seiner 35-Millionen-Dollar-Strandvilla in Palm Beach, Florida: 1.230 Quadratmeter, zehn Bäder, 3.700 Kilometer von Hollywood entfernt.
Rocky-Drehbuch
Mit 29 Jahren hatte er gerade noch 106 Dollar auf dem Konto. Seinen Hund musste er für 40 Dollar verkaufen. Dann setzte er sich hin – und schrieb in dreieinhalb Tagen und Nächten, mit der linken Hand, mit Nonstop-Kaffee, jenes Drehbuch, das alles verändern sollte: die Geschichte des Arbeiter-Boxers Rocky Balboa.
Das Angebot lautete 360.000 Dollar – unter der Bedingung, dass er die Hauptrolle abgibt. Er lehnte ab. Er wollte sich selbst spielen. Der Film aus dem Jahr 1976 gewann drei Oscars. Plötzlich riefen US-Präsident Carter, Charlie Chaplin, John Wayne und Kirk Douglas an.
Aufgewachsen in New Yorks Hell’s Kitchen, kam er mit einer linksseitigen Gesichtslähmung zur Welt: schiefer Mund, hängendes Augenlid, Sprachfehler. Mit zwölf Jahren begegnete er seiner Zukunft – in einem Kinosaal. Fünfzehnmal sah er den Herkulesfilm mit Muskelikone Steve Reeves: „Mein Kopf explodierte! Ich ging zum Schrottplatz und trainierte! Ich weiß seitdem, dass man sein Leben ändern kann, indem man seinen Körper verändert!“ Heute ist er Halbmilliardär.
Ein Sohn starb mit 36 Jahren an einem Herzinfarkt. Sein zweiter Sohn, 47, ist Autist. Die drei Töchter im Alter von 24, 28 und 29 Jahren sind erwachsen. Mit Jennifer Flavin ist er seit 29 Jahren verheiratet. „Alles tut weh. Jeder Knochen knackt. Ich habe den Körper eines lebenslangen Athleten. Jeder Muskel hat seine eigenen Erinnerungen! Trotzdem: Das Bett ist mein Sprungbrett in den Tag!“
Rambo und Comeback
Sein zweiter großer Sensationserfolg war die Rambo-Reihe – fünf Thriller, die Kinogeschichte schrieben. Clint Eastwood, Michael Douglas, Al Pacino und Robert De Niro hatten abgelehnt. Stallone sagte Ja: „Ich spielte meinen Vater. Mit der Wut auf ihn.“ Der Vater hatte ihn jahrelang geschlagen, zurückgewiesen und beneidet.
Mit 64 versammelte er in der Expendables-Reihe seine Action-Weggefährten – von Bruce Willis bis Arnold Schwarzenegger – und erzielte erneut weltweite Kassenerfolge. Als sein bester Film gilt bis heute „Cop Land“ aus dem Jahr 1997, für den er zwanzig Kilogramm zunahm und einen dicklichen Polizisten spielte. Mit „Creed: Rocky’s Legacy“ gewann er 2015 den Golden Globe und wurde für den Oscar nominiert.
Mit 76 Jahren meldete er sich mit einem Streaming-Comeback zurück: Als Mafia-Pate in „Tulsa King“ bei Paramount, geschrieben von Drehbuchgenie Taylor Sheridan. „Wenn ich aufstehe, tut mir alles weh. Aber wenn ich auf dem Film-Set bin, bin ich glücklich. Mein Lebens-Motto: ‚Sine metu!‘ – Lebe ohne Furcht!“
Sein Freund Präsident Trump hat ihn zu seinem Hollywood-Botschafter ernannt. Seinen drei Töchtern gibt er fünf Lebensratschläge mit auf den Weg: Erstens: Mach Dir nicht zu viele Gedanken über Dein Gewicht! Zweitens: Nimm die Meinung anderer nicht zu wichtig! Drittens: Neid ist das Schlimmste! Viertens: Das Wort „Nein“ existiert nicht! Fünftens: Genieße die Show des Lebens.