Auslaufende Steuervorteile bescheren Tesla einen unerwarteten Erfolg. Nach zwei schwachen Quartalen steigt der Absatz plötzlich um 7,4 Prozent – entgegen aller Marktprognosen.
Der bevorstehende Wegfall von US-Steuervorteilen für Elektrofahrzeuge hat Tesla zu einem überraschenden Verkaufserfolg verholfen. Nach zwei Quartalen mit rückläufigen Zahlen konnte der Elektroautobauer im dritten Jahresviertel einen Absatzrekord verzeichnen. Die Auslieferungen stiegen im Jahresvergleich um 7,4 Prozent auf 497.099 Fahrzeuge – entgegen der Erwartungen von Marktexperten, die mehrheitlich mit einem weiteren Rückgang um etwa 5 Prozent gerechnet hatten. Viele Kaufinteressenten in den USA wollten offenbar noch von der auslaufenden Steuergutschrift in Höhe von 7.500 Dollar (6.400 Euro) profitieren, die Ende September ausgelaufen ist. In den ersten beiden Quartalen 2024 waren die Auslieferungen jeweils um rund 13 Prozent gesunken.
Die Produktionszahlen des Konzerns fielen allerdings weniger positiv aus. Mit 447.410 hergestellten Fahrzeugen aller Modellreihen verzeichnete Tesla einen Rückgang von etwa 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Während im ersten Quartal noch Umstellungen beim Bestseller Model Y und Kontroversen um die politischen Aktivitäten von Firmenchef Elon Musk als Gründe für schwächere Zahlen galten, setzte sich der Negativtrend auch im zweiten Quartal trotz stabilisierter Produktion fort.
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Wachsende Herausforderungen
Der Elektropionier sieht sich einem zunehmenden Wettbewerbsdruck durch andere Hersteller ausgesetzt, während sein eigenes Modellangebot optisch kaum Veränderungen erfährt. Zudem entscheiden sich US-Käufer vermehrt für Hybridfahrzeuge oder klassische Verbrenner. Auch amerikanische Autohersteller haben ihre Elektrifizierungspläne für große Pick-up-Trucks zurückgefahren, während Teslas futuristischer Cybertruck die Verkaufserwartungen nicht erfüllt.
Besonders problematisch entwickelt sich das Europageschäft des Unternehmens. Im August brachen die Neuzulassungen in der EU laut Branchenverband Acea (Europäischer Automobilherstellerverband) im Jahresvergleich um 36,6 Prozent auf 8.220 Fahrzeuge ein. Der Juli verzeichnete sogar ein Minus von mehr als 42 Prozent. Teslas Marktanteil in der EU ist mittlerweile auf 1,2 Prozent geschrumpft.
Musks Strategiewechsel
Wie der Finanzdienst Bloomberg berichtet, hat Musk im Sommer persönlich die Aufsicht über Produktion und Vertrieb in Europa übernommen, nachdem sein langjähriger Vertrauter Omead Afshar das Unternehmen verlassen hatte. Obwohl Tesla ein europäisches Werk in Grünheide betreibt, veröffentlicht der Konzern keine detaillierten Ergebnisse zu einzelnen Regionen oder Ländern.
Der Tesla-Chef hatte bereits eingeräumt, mit schwierigen Quartalen zu rechnen. Gleichzeitig relativiert Musk seit längerem die Bedeutung des Autogeschäfts für den Konzern. Er sieht die Zukunft von Tesla vielmehr in Robotaxis und humanoiden Robotern – Bereiche, in denen das Unternehmen allerdings noch am Anfang steht und mit erheblicher Konkurrenz konfrontiert ist.
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Offen bleibt, welche Auswirkungen die möglicherweise vorgezogenen Käufe auf die Absatzzahlen im laufenden Quartal und darüber hinaus haben werden.