Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Diplomatie

Stockers Balkan-Mission: Kanzler trifft Arnautovic und Vucic in geheimer Diplomatie-Offensive

Stockers Balkan-Mission: Kanzler trifft Arnautovic und Vucic in geheimer Diplomatie-Offensive
FOTO: Igor Ripak
3 Min. Lesezeit |

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bricht zu seiner ersten umfassenden Westbalkan-Reise auf, nachdem er bereits im Mai erste Kontakte in der Region geknüpft hatte. Der zweitägige Besuch führt den Kanzler zunächst am Dienstag nach Montenegro und anschließend am Mittwoch nach Serbien. Im Zentrum der diplomatischen Offensive stehen wirtschaftspolitische Kooperationen und die Perspektiven einer EU-Erweiterung. Den Abschluss der Reise bildet ein symbolträchtiges Treffen mit Österreichs Fußball-Rekordnationalspieler Marko Arnautovic in Belgrad.

In Montenegro erwartet den Kanzler ein dichtes Programm mit Regierungschef Milojko Spajic, das neben einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch auch Delegationsgespräche, eine gemeinsame Pressekonferenz sowie ein Arbeitsessen umfasst. Zudem wird Stocker vom montenegrinischen Staatspräsidenten Jakov Milatovic in dessen Sommerresidenz in Cetinje empfangen und führt separate Gespräche mit Vizepremierministerin und Wirtschaftsministerin Adrijana Mesarovic.

Der Serbien-Besuch beginnt mit einem feierlichen Empfang durch Premierminister Djuro Macut, gefolgt von einem Vier-Augen-Gespräch. Auf der Agenda steht außerdem eine Begegnung mit Präsident Aleksandar Vucic, die eine Pressekonferenz und ein offizielles Arbeitsessen einschließt.

Strategische Bedeutung

Das Kanzleramt unterstreicht die strategische Bedeutung der Region: „Österreich zählt bekanntlich zu den stärksten Unterstützern einer glaubhaften EU-Perspektive für die Staaten des Westbalkans. Die Region gehört nicht nur geografisch zu uns, sondern auch historisch, kulturell und vor allem menschlich. Über eine halbe Million Menschen, die in Österreich leben, haben Wurzeln in der Region.“

Besonders die Verbindungen zu Serbien sind eng: Rund 300.000 Menschen mit serbischen Wurzeln leben in Österreich, darunter etwa 122.000 serbische Staatsbürger. Wien gilt aufgrund der großen serbischen Diaspora sogar als drittgrößte „serbische“ Stadt weltweit.

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sei es entscheidend, den Westbalkan nicht zu vernachlässigen und „endlich an uns binden“.

⇢ Dodik wird das Mandat entzogen – ab wann er nicht mehr Präsident ist

EU-Beitrittsperspektiven

Auf wirtschaftlicher Ebene wird Stocker in beiden Ländern Abkommen zur Intensivierung der ökonomischen Zusammenarbeit unterzeichnen. Bezüglich der EU-Erweiterung vertritt der Kanzler klare Positionen: „Montenegro ist definitiv der Frontrunner im Beitrittsprozess und bekennt sich ganz klar zur EU-Außenpolitik, so trägt das Land die EU-Sanktionen gegen Russland mit“, heißt es aus dem Kanzleramt. Das Land befindet sich weiterhin in offiziellen Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union.

Serbien, seit 2012 offizieller Beitrittskandidat, erhält weiterhin österreichische Unterstützung auf seinem Weg in die Europäische Union. Nun müssten notwendige Reformen vorangetrieben werden. „Gleichzeitig ist klar, dass es auf dem Weg in die EU, beispielsweise in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Versammlungsfreiheit oder dem Schutz der Menschen- und Minderheitenrechte keine Abstriche geben darf“, betont das Kanzleramt. Als entscheidend für den weiteren Beitrittsprozess gilt insbesondere die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo sowie Fortschritte im Belgrad-Pristina-Dialog.

Als besonderen Höhepunkt zum Abschluss seiner Balkantour trifft der Kanzler den österreichischen Rekordnationalspieler und Roter Stern Belgrad-Legionär Marko Arnautovic. Das Gespräch dürfte auch die verbindende Kraft des Sports thematisieren – insbesondere die Fähigkeit des Fußballs, Menschen, Nationen und unterschiedliche Kulturen einander näherzubringen.

„Marko Arnautovic steht für die starken menschlichen Bande zwischen Österreich und Serbien. Unser Land hat Marko Arnautovic viel zu verdanken. Als Rekordnationalspieler und sportliches Aushängeschild prägt er den heimischen Fußball seit vielen Jahren, hat Generationen von Fans begeistert und junge Talente inspiriert.

Ich freue mich darauf, ihn kommende Woche in Belgrad zu treffen“, so Bundeskanzler Christian Stocker.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen