Die Energiekrise hinterlässt tiefe Spuren in Österreichs Haushalten. Während die Strompreise klettern, wächst das Interesse an grünen Alternativen – doch die Wechselbereitschaft bleibt überraschend gering.
Die Energiekrise hat die Strompreise in Österreich deutlich nach oben getrieben, was die Bevölkerung unmittelbar in der Brieftasche spürt. Dies belegt eine aktuelle Erhebung, die im Oktober 2024 durchgeführt wurde. Bei dieser repräsentativen Energie-Studie befragte die Unternehmensberatung Simon-Kucher gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Appinio 1000 österreichische Verbraucher zu ihren Erfahrungen mit Stromanbietern, ihrem Nutzungsverhalten und möglichen Wechselabsichten.
Fast drei Viertel der österreichischen Bevölkerung – genau 72 Prozent – haben laut der Umfrage seit Beginn der Energiekrise höhere Strompreise wahrgenommen. Während 45 Prozent der Befragten von deutlichen Preissteigerungen berichten, stellten weitere 27 Prozent zumindest leichte Erhöhungen fest. Thomas Haller aus der Fachabteilung Energie & Versorgung bei Simon-Kucher fasst die Situation drastisch zusammen: „Die Energiekrise hat im Markt harte Einschnitte hinterlassen. Für viele Menschen sind die gestiegenen Stromkosten eine regelrechte Kostenexplosion.“
Besonders bemerkenswert sind die massiven regionalen Unterschiede bei den Strompreisen. Während Bestandskunden in der Steiermark mit bis zu 41 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Tarife zahlen, kommen Haushalte in Tirol und Vorarlberg mit deutlich niedrigeren 26 Cent/kWh davon. Dadurch entstehen auch unterschiedliche Einsparpotenziale: Steirische Haushalte könnten durch einen Anbieterwechsel jährlich bis zu 330 Euro sparen, in Wien etwa 200 Euro und in Niederösterreich rund 187 Euro – während in Tirol und Vorarlberg kaum Wechselanreize bestehen.
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Ökostrom im Aufwind
Die Untersuchung zeigt zudem ein wachsendes Interesse an umweltfreundlichen Energiequellen. Der Anteil von Ökostromanbietern hat sich in der Stichprobe von 7 auf 13 Prozent nahezu verdoppelt. Parallel dazu geben 45 Prozent der Befragten an, bewusst auf umweltfreundlichere Energieprodukte zu setzen.
Besonders Immobilienbesitzer investieren verstärkt in alternative Energielösungen: Die Nutzung von Photovoltaik und Wärmepumpen stieg in diesem Segment um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Malte Trukenmuller, Senior Director der Fachabteilung Energie, kommentiert diesen Trend mit den Worten: „Nachhaltigkeit im Strommarkt ist gekommen um zu bleiben.“
Hohe Wechselhürden
Trotz der Preisanstiege zeichnet sich eine Beruhigung des Marktes ab. Lediglich 13 Prozent der Studienteilnehmer planen derzeit, ihren Stromanbieter zu wechseln. Mehr als 15 Prozent der Befragten würden erst bei Preissteigerungen von über 15 Prozent einen Anbieterwechsel in Erwägung ziehen.
Haller konstatiert dazu: „Die Schmerzgrenze ist hoch – viele nehmen Preissteigerungen hin, ohne zu handeln.“