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Raumfahrt

Suche nach gefrorenem Wasser: Wettlauf zum Mond zwischen USA und China

Suche nach gefrorenem Wasser: Wettlauf zum Mond zwischen USA und China
FOTO: iStock/Alones Creative
5 Min. Lesezeit |

Ein Krater, ewige Dunkelheit – und zwei Supermächte, die 2026 genau dort landen wollen. Was auf dem Spiel steht, ist gewaltig.

Am Südpol des Mondes liegt der Shackleton-Krater in absolutem Dunkel. Seit Milliarden von Jahren erreicht kein Sonnenstrahl sein Inneres – und genau diese permanente Finsternis macht ihn zum umkämpftesten Ziel der modernen Raumfahrt. In diesen dauerhaft verschatteten Bereichen vermuten Wissenschaftler Wassereisvorkommen, die als Grundlage für eine langfristige menschliche Präsenz auf dem Mond dienen könnten. Sowohl die USA als auch China planen, 2026 genau dort zu landen.

Die amerikanische Mission stützt sich auf den Blue Moon MK1-Lander des Unternehmens Blue Origin. Als Teil des NASA-Artemis-Programms steht dabei vor allem die Erprobung von Landetechnologie im Vordergrund. Ein Demonstrationsflug im Frühjahr 2026 wird als realistisch eingestuft – ein verbindliches Startfenster ist allerdings noch nicht festgelegt.

China hingegen verfolgt einen deutlich konkreteren Zeitplan: Die Mission „Chang’e 7″ soll im August 2026 an Bord einer „Langen Marsch 5″-Rakete starten. Das Missionsprofil ist breit angelegt und umfasst einen Orbiter, einen Lander, einen Rover sowie eine sogenannte Hopper-Sonde – allesamt darauf ausgerichtet, die Mondoberfläche zu untersuchen und gezielt nach Wassereis zu fahnden. Auch das chinesische Ziel ist der Rand des Shackleton-Kraters.

Strategischer Vorsprung

Das Versprechen, das hinter beiden Missionen steht, ist dasselbe: Wasser auf dem Mond ließe sich als Trinkwasser verwenden, zu Sauerstoff aufbereiten oder als Treibstoffkomponente nutzen. Der Mond würde damit zur kosmischen Tankstelle für Missionen tiefer ins All. Wer als Erster eine funktionierende Infrastruktur zur Wassergewinnung errichtet, verschafft sich einen erheblichen strategischen Vorsprung – auch wenn der Weltraumvertrag von 1967 staatliche Eigentumsansprüche auf Himmelskörper ausdrücklich untersagt.

Seit Jahren kursiert das Bild eines neuen „Space Race“. Der frühere NASA-Administrator Bill Nelson sprach wiederholt von einem Wettlauf mit China um den Mondsüdpol. Unter Fachleuten ist diese Einschätzung jedoch umstritten. Wendy Whitman Cobb, Expertin für Weltraumpolitik an der US Air Force School of Advanced Air and Space Studies, relativiert die Dramatik gegenüber Merkur.de von Ippen.Media. „Die Vorstellung, dass es eine Art von Wettlauf um den Mond gibt, ist sicherlich aus geopolitischem Wettbewerb entstanden“, sagt sie. „Ich bezeichne es nicht unbedingt als Wettlauf, denn wenn es einer ist, dann ist es einer, den die USA bereits gewonnen haben.“

Kazuto Suzuki, Professor für Wissenschafts- und Technologiepolitik an der Universität Tokio, kommt zu einer anderen Einschätzung. „Es ist ein Wettlauf darum, wer über die besseren technischen Fähigkeiten verfügt. China holt rasch auf. Das Tempo der technologischen Entwicklung in China ist das bedrohliche Element [für die USA]“, sagte er dem britischen Guardian. Und er geht noch weiter: „Generell möchte China an erster Stelle stehen, um das Recht zu haben, die Ressourcen zu kontrollieren und zu monopolisieren. Wer die Ressourcen in der Hand hat, verfügt über einen enormen Vorteil für die Zukunft der Weltraumforschung.“

Offene Fragen

Ob es allerdings überhaupt Ressourcen gibt, um die ein solcher Wettstreit sinnvoll wäre, bleibt offen. „Ich halte den Ansturm auf die Mondressourcen für etwas voreilig“, betont Whitman Cobb. „Es gibt noch viele offene Fragen dazu, ob man überhaupt an sie herankommt, geschweige denn, ob sie genutzt werden können.“ Die technische Basis fehlt schlicht: „Es gibt bislang keine bewährten Methoden für den Abbau und die Aufbereitung von Wassereis auf dem Mond.“ Die meisten Vorkommen befinden sich in tiefen Kratern – wie Ausrüstung in permanente Dunkelheit gebracht, Eis extrahiert und anschließend aufbereitet werden soll, ist bis heute ungeklärt.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht mangelt es an einer tragfähigen Perspektive. „Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand wirklich daran interessiert ist, Wasserressourcen auf dem Mond zu verkaufen“, vermutet Whitman Cobb. „Es gibt davon wirklich nicht viel, und was auch immer dort vorhanden ist, wäre vor Ort besser nutzbar“ – etwa in einer Mondbasis oder Siedlung.

Auch die Rechtslage bleibt vielschichtig. Der Weltraumvertrag schließt Eigentumsansprüche auf Himmelskörper zwar aus – Staaten wie die USA legen ihn jedoch so aus, dass die bloße Nutzung von Ressourcen ohne formalen Besitzanspruch zulässig sei. „Es handelt sich zwar um eine Interpretation des Weltraumvertrags, aber sicherlich nicht um die einzige“, warnt Whitman Cobb. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Einschätzungen persönlicher Natur sind und keine Position der US-Regierung widerspiegeln.

Für Whitman Cobb liegt das eigentliche Defizit woanders: „Wir haben uns ziemlich viele Gedanken darüber gemacht, wie wir zum Mond gelangen, aber wir haben noch nicht wirklich darüber nachgedacht, wie es sein wird, dort zu bleiben.“ Welche Ausrüstung ist für ein dauerhaftes Leben auf dem Mond notwendig? Wie reagiert der menschliche Körper auf die fremde Umgebung? „Diese Fragen müssen geklärt werden, bevor wir überhaupt darüber nachdenken können, wie wir am besten auf die vorhandenen Ressourcen zugreifen und sie nutzen können“, sagt sie.

Sollten 2026 tatsächlich zwei Missionen zum Shackleton-Krater aufbrechen, wären die Landungen für sich genommen bereits außerordentliche Leistungen – kontrollierte Mondlandungen zählen zu den anspruchsvollsten Manövern der Raumfahrt, das unwirtliche Gelände am Mondsüdpol erhöht die Schwierigkeit zusätzlich. Suzuki brachte es im Guardian auf den Punkt: Trotz internationaler Abkommen gleiche die Lage auf dem Mond derzeit „dem wilden, wilden Westen“. Whitman Cobb hält dagegen: Noch wisse niemand, ob es dort überhaupt etwas gibt, um das es sich zu streiten lohnt.

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KO KOSMO-Redaktion
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