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Steuerreform

Trinkgeld-Chaos: NEOS blockieren Regierungspläne zur Pauschale

Trinkgeld-Chaos: NEOS blockieren Regierungspläne zur Pauschale
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3 Min. Lesezeit |

Trinkgeld im Visier der Politik: Während die Steuerfreiheit bleibt, sorgt die Sozialversicherungspflicht für Diskussionen. Die Regierung plant nun eine bundesweite Vereinheitlichung.

In Österreich bleibt Trinkgeld weiterhin von der Steuer befreit, unterliegt jedoch der Sozialversicherungspflicht. Die Höhe der Abgaben wird anhand einer Trinkgeldpauschale berechnet, die regional unterschiedlich ausfällt. Für Servicekräfte variiert diese Pauschale derzeit erheblich – von 32 Euro monatlich im Burgenland bis zu 59 Euro in Wien. Diese Beträge dienen als Grundlage für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge.

Die zunehmende Verbreitung bargeldloser Trinkgeldzahlungen macht die tatsächlichen Einnahmen für die Behörden transparenter. In einigen Bundesländern müssen bei deutlichen Abweichungen von den Pauschalbeträgen die realen Trinkgeldeinnahmen zur Berechnung herangezogen werden. Dies führt aktuell zu zahlreichen Nachforderungen seitens der Sozialversicherungsträger.

⇢ Neue Trinkgeld-Pauschale – was nun kommen soll

Einheitliche Pauschale

Die Bundesregierung plant nun, dieses uneinheitliche System zu harmonisieren. Die Sozialpartner – Wirtschaftskammer und Gewerkschaft – haben bereits eine Einigung erzielt. Der aktuelle Vorschlag sieht vor: Trinkgeld bleibt steuerfrei, die Sozialabgaben werden künftig auf Basis einer bundesweit einheitlichen, teilweise höheren Pauschale berechnet.

Für Servicekräfte mit hohem Trinkgeldaufkommen soll diese bei 95 Euro liegen, bei geringerem Trinkgeldaufkommen bei 40 Euro. Für noch ausstehende Beträge sollen keine Nachforderungen mehr gestellt werden.

Finanzminister Markus Marterbauer bekräftigte diese Pläne am Dienstagabend in der ZIB2: „In diese Richtung wird es wohl gehen. Und wenn es uns gelingt, eine einheitliche Pauschale zu erreichen, dann ist eine gute Lösung für alle Beschäftigten.“

Koalitionsstreit

Während SPÖ und ÖVP in dieser Frage bereits Konsens gefunden haben, vertreten die NEOS eine abweichende Position. Die liberale Partei fordert eine vollständige Abschaffung der Abgaben auf Trinkgelder. Dies würde nach ihrer Auffassung den administrativen Aufwand für Unternehmen reduzieren.

Servicekräfte hätten kurzfristig mehr Nettoeinkommen, müssten jedoch langfristig mit niedrigeren Pensionsansprüchen und geringerem Arbeitslosengeld rechnen.

Nach dem Ministerrat am Mittwoch äußerte sich NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger auf Anfrage der Tageszeitung „Heute“ und betonte ihr Streben nach einer „guten, aber unbürokratischen Lösung“: „Es ist kein Geheimnis, dass wir den Vorschlag der Sozialpartner als für nicht ausreichend ansehen.“

Die Liberalen befürchten sogar eine höhere Belastung durch den aktuellen Vorschlag. Meinl-Reisinger zeigte sich dennoch optimistisch: „Ich bin aber SEHR zuversichtlich, dass wir in den kommenden Tagen eine Lösung finden werden.“

Internationale Vorbilder und wirtschaftliche Folgen

Laut aktuellen Berechnungen könnten Servicekräfte bei einer vollständigen Abschaffung der Sozialversicherungsabgaben auf Trinkgelder jährlich bis zu 150 Euro mehr Netto erhalten. Die NEOS verweisen dabei auf andere europäische Länder wie Deutschland, Spanien und Frankreich, wo Trinkgelder bereits gänzlich abgabenfrei sind. Dies betrachten die Liberalen als Vorbild, um die Attraktivität des Berufs zu steigern und bürokratische Hürden abzubauen.

Branchenvertreter und Sozialexperten warnen jedoch vor den langfristigen Konsequenzen: Die Abschaffung der Sozialversicherungspflicht würde zwar kurzfristig mehr Geld in den Taschen der Beschäftigten bedeuten, langfristig aber zu niedrigeren Pensionsansprüchen und geringerem Arbeitslosengeld führen, da die Beitragsgrundlage für die Sozialversicherung sinkt.

Die Sozialpartner argumentieren, dass die vorgeschlagene einheitliche Pauschale einen ausgewogenen Kompromiss darstellt – zwischen administrativer Entlastung für Betriebe und langfristiger sozialer Absicherung für Beschäftigte im Servicewesen.