Trumps neue Zollpolitik trifft die europäische Aluminiumindustrie ins Mark. Während fertige Produkte mit 50 Prozent belastet werden, wandert der lebenswichtige Rohstoff in die USA ab.
Die von Trump verhängten Zölle treffen Europa mit voller Wucht. Seit Donnerstag werden europäische Waren beim Eintritt in die USA mit 15 Prozent Zoll belastet. Für die Stahl- und Aluminiumindustrie sieht die Situation noch düsterer aus – hier werden sogar 50 Prozent fällig. Trump hatte die Zölle auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte am 4. Juni 2025 von zuvor 25 Prozent auf 50 Prozent verdoppelt. Diese Maßnahme betrifft sowohl Rohstoffe als auch verarbeitete Produkte.
Aluminium ist kein Nischenprodukt, sondern ein allgegenwärtiger Werkstoff. Die Produktpalette des Unternehmens Hai reicht von Autoteilen wie Stoßstangen und Dachrelings bis zu Batteriewannen für Elektrofahrzeuge. Der vielseitige Werkstoff findet sich zudem in Fenstern, Türen, Balkongeländern, Straßenlaternen, Solarpaneelen und Zügen – überall dort, wo Gewichtsersparnis wichtig ist.
Die Konsequenzen dieser Zollpolitik sind gravierend: Amerikanische Unternehmen reduzieren ihre Bestellungen von Fertigaluminium aus Europa aufgrund der hohen Kosten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Aluminiumschrott, der günstiger zu haben ist. Dies führt zu einer Verknappung des Schrottmaterials für europäische Hersteller.
Rob van Gils, Geschäftsführer des oberösterreichischen Konzerns HAI Aluminium in Ranshofen mit 1.900 Mitarbeitern und einem Vorjahresumsatz von 823 Millionen Euro, sieht Europa benachteiligt: „Man hat uns versprochen, es kommt der große Deal und es wird besser. Das Gegenteil ist geschehen, es ist schlimmer geworden.“ Seine Sorge um die Branche ist groß.
Bedrohte Arbeitsplätze
Im schlimmsten Fall könnten die Auswirkungen direkt die Belegschaften treffen. Europaweit stehen etwa 300.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn man die Zulieferer mitrechnet. In Österreich sind rund 7.000 Stellen gefährdet – eine durchaus realistische Bedrohung.
Die Aluminiumindustrie kämpft um ihre Existenz. Besonders die indirekten Auswirkungen der hohen Zölle setzen der Branche zu.
Der Hintergrund: Während fertiges Aluminium mit 50 Prozent verzollt wird, unterliegt Aluminiumschrott nur einem Satz von 15 Prozent. Genau dieser Schrott ist jedoch für die heimische Industrie unverzichtbar. Rob van Gils erklärt: „Alu hat einen Riesenvorteil, es kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust verarbeitet werden.“ Bei HAI Aluminium besteht die Produktion zu 80 Prozent aus wiederverwertetem Material.
Die Schrotthändler profitieren zusätzlich von der gestiegenen Nachfrage in den USA, was ihnen höhere Preise ermöglicht. Die Folge beschreibt van Gils so: „Sogar unsere loyalsten Handelspartner zwingt es zu exportieren.“
EU plant Gegenzölle
Die EU hat als Reaktion auf die US-Zollerhöhungen ein dreistufiges Gegenzollpaket beschlossen, das ab April 2025 in Kraft tritt. Dieses sieht Sonderabgaben von 10 bis 25 Prozent auf US-Produkte wie Jeans, Motorräder, Rindfleisch und weitere Agrarprodukte vor. Zusätzlich prüft die EU weitere Maßnahmen, darunter Zusatzzölle auf US-Produkte im Wert von bis zu 95 Milliarden Euro, um die heimische Industrie zu schützen.
Geforderte Maßnahmen
Der Aluminium-Manager warnt eindringlich: „Ganz einfach: Wenn wir also kein Schrott mehr bekommen, dann können wir nicht mehr produzieren.“ Seine Schlussfolgerung ist unmissverständlich: „wenn nichts passiert, geht es der ganzen Industrie an den Kragen!“
Das Problem ist in der Branche seit Monaten bekannt. Die Verknappung von Aluminiumschrott macht sich bereits deutlich bemerkbar, „es ist schwierig zu bekommen.“ Van Gils fordert entschlossenes Handeln: „Europa muss jetzt entschlossen und rasch handeln. Wir benötigen nun dringender denn je Exportrestriktionen auf Aluminiumschrott. Nur so können wir das Gleichgewicht auf dem Schrottmarkt wiederherstellen, den Zugang zu essenziellen heimischen Rohstoffen sichern und die industrielle Basis Europas langfristig stärken.“
Konkret schlägt er Exportzölle von 35 Prozent auf Aluminiumschrott vor, der in die USA verkauft wird. Dies würde seiner Ansicht nach für gleiche Wettbewerbsbedingungen auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen – „einen fairen Markt.“
Van Gils zeichnet ein beunruhigendes Zukunftsszenario: „Wenn wir in Österreich nicht mehr produzieren, muss es der Kunde nicht spüren, dann produziert eben China.
Aber bei uns kommen Tausende Arbeitsplätze stark unter Druck.“