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Seelenleid

Unter dem Tannenbaum lauert die Leere: Psychotherapeutin warnt

Unter dem Tannenbaum lauert die Leere: Psychotherapeutin warnt
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Wenn statt Festfreude nur Leere bleibt: Der „Weihnachts-Blues“ trifft viele Menschen mitten ins Herz. Die dunkle Seite der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres hat viele Gesichter.

Für viele ist Weihnachten die schönste Zeit des Jahres, doch nicht jeder blickt dem Fest mit Freude entgegen. Bei manchen Menschen macht sich stattdessen eine tiefe Niedergeschlagenheit breit – der sogenannte „Weihnachts-Blues“. Wie Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), im KURIER-Interview erklärt, handelt es sich dabei um keinen medizinischen Befund, sondern um einen emotionalen Zustand, der einer Depression verblüffend ähneln kann.

Der Begriff „Weihnachtsdepression“ beschreibt kein klinisches Krankheitsbild im klassischen Sinne. Vielmehr handelt es sich um einen temporären, an die Festtage gebundenen Gemütszustand mit depressionstypischen Anzeichen: Die Betroffenen leiden unter Niedergeschlagenheit, gesteigerter Reizbarkeit, fehlendem Antrieb und einem Gefühl innerer Leere.

Statt Vorfreude empfinden die Betroffenen das Weihnachtsfest als Belastung.

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Das Fest wirkt wie ein Katalysator, der negative Emotionen verstärkt. Einerseits intensiviert sich der ohnehin mit der Adventszeit verbundene Stress. Andererseits belasten finanzielle Sorgen viele Menschen erheblich. Einsamkeitsgefühle spielen häufig eine zentrale Rolle. Hinzu kommt der immense gesellschaftliche Erwartungsdruck: Das Fest soll harmonisch verlaufen, alles muss perfekt organisiert sein.

Die Feiertage bringen oft jahrelang schwelende Familienkonflikte zum Überkochen. In dieser angespannten Gemütsverfassung fällt es vielen Menschen schwer, zum Jahreswechsel die positiven Aspekte wahrzunehmen – etwa das, was im vergangenen Jahr gelungen ist oder was man erreicht hat.

Jahreszeitliche Faktoren

Die Weihnachtszeit fällt mit der dunkelsten Jahresperiode zusammen, der kürzeste Tag ist am 21. Dezember. Die wochenlange Dunkelheit und Trübheit davor hemmt bei vielen Menschen die Serotoninproduktion, während gleichzeitig mehr Melatonin ausgeschüttet wird. Dies führt zu vermindertem Antrieb und reduzierter Aktivität. Selbst bei bedecktem Himmel ist es ratsam, bei Tageslicht nach draußen zu gehen und sich an der frischen Luft zu bewegen. Ein halbstündiger Spaziergang zählt zu den wirksamsten kostenlosen Heilmitteln. Bei saisonalen Depressionen durch Lichtmangel können Tageslichtlampen Abhilfe schaffen.

Zusammengefasst: Wenn die weihnachtliche Verstimmung anhält, sollte man spätestens drei Wochen nach den Feiertagen zur emotionalen Ausgeglichenheit zurückfinden. Bei länger andauernden Beschwerden empfiehlt sich eine genauere Abklärung und professionelle Unterstützung.

Nach dem Abklingen der enormen Anspannung kann ein emotionaler Tiefpunkt folgen – selbst wenn die Festlichkeiten angenehm verlaufen sind. Gerade das vorherige hohe Stressniveau kann dafür verantwortlich sein. Meine Großmutter pflegte zu sagen: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen.“ Als Kind konnte ich damit nichts anfangen, inzwischen erkenne ich die darin enthaltene Wahrheit.

Bewusste Gegenwart

Die sozialen Energiereserven sind erschöpft und überstrapaziert. Auch körperliche Faktoren spielen eine Rolle: Man hat reichlich – und oft gut – gegessen, sich dabei aber verhältnismäßig wenig bewegt. Dies kann sich nachträglich als mentale Schwere bemerkbar machen. Besonders deutlich wird dies, wenn im Jänner der Alltag wieder einsetzt und man erkennt, dass die tatsächliche Erholung im Urlaub zu kurz gekommen ist.

Ich würde empfehlen, die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu lenken. Eine Kerze anzünden und die Flamme betrachten. Sich bewusst Zeit nehmen und während der Weihnachtszeit in die Natur gehen – allein oder mit lieben Menschen – um innezuhalten. Bei Feiern mit Familie oder Freunden bietet es sich an, ein Foto zu machen, das die Erinnerung festhält. In einem schönen Rahmen kann es auch im neuen Jahr noch Freude bereiten.

Befinden Sie sich gerade in einer schwierigen Lebenslage und brauchen Hilfe? Suchen Sie das Gespräch mit anderen Menschen. Die Kummernummer von Ö3 ist täglich von 16 bis 24 Uhr anonym unter 116 123 erreichbar. Die Telefonseelsorge steht unter der kostenlosen Nummer 142 als vertraulicher Notrufdienst rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres zur Verfügung.

Rat auf Draht ist die österreichische Notrufnummer für Kinder und Jugendliche und unter 147 jederzeit anonym und kostenlos erreichbar.

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KO KOSMO-Redaktion
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