Ein Urlaub in Europa, ein kurzer Moment Unachtsamkeit – und Wochen später landet Post im Briefkasten.
Wer mit dem Auto durch Europa fährt, erlebt mitunter eine böse Überraschung – nicht auf der Straße, sondern im Briefkasten. Denn Verkehrsstrafen aus dem Ausland landen längst auch in der Heimat: Geldbußen wegen Verkehrsverstößen können innerhalb der EU auf Grundlage des EU-Rahmenbeschlusses zur Geldsanktionenvollstreckung grenzüberschreitend vollstreckt werden, wenn der Betrag von 70 Euro erreicht wird. Europäische Staaten tauschen Fahrzeugdaten zunehmend systematisch aus, und der weit verbreitete Glaube, ein Vergehen im Urlaub bleibe folgenlos, gehört der Vergangenheit an.
Besonders konsequent geahndet werden dabei Geschwindigkeitsüberschreitungen, Rotlichtfahrten, Alkohol am Steuer, Handynutzung und das Fahren ohne Gurt. Während manche Länder mit fixen Beträgen arbeiten, können in anderen ein einziger Fehler ein Gerichtsverfahren, Führerscheinentzug oder sogar die Beschlagnahmung des Fahrzeugs nach sich ziehen. Das Portal GPMaljevac hat vier Länder herausgegriffen, die sich in Sachen Verkehrsrecht besonders durch ihre Konsequenz auszeichnen: die Schweiz, Norwegen, Finnland und Österreich.
Einkommensabhängige Strafen
Die Schweiz gilt seit Jahren als eines der härtesten Pflaster für Raser. Wer dort zu schnell unterwegs ist, riskiert nicht nur eine empfindliche Geldstrafe, sondern unter Umständen auch ein Strafverfahren und ein langfristiges Fahrverbot. Besonderheit des Schweizer Systems: In bestimmten Fällen orientiert sich die Strafhöhe an den finanziellen Verhältnissen des Betroffenen – für Wohlhabende kann dasselbe Vergehen also deutlich teurer werden als für Durchschnittsverdiener.
Wie teuer es werden kann, zeigte ein viel beachteter Fall, in dem einem Fahrer wegen zu hoher Geschwindigkeit eine Strafe von bis zu 90.000 Schweizer Franken drohte. Das Sicherheitspaket „Via Sicura“ hat die Rechtslage zusätzlich verschärft: Extremes Rasen kann seither als Straftat eingestuft werden, mit allen entsprechenden Konsequenzen.
Auch Norwegen nimmt es mit dem Verkehrsrecht sehr ernst. Die Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen steigen rasch an, und Kontrollen erfolgen vielerorts per Kamera. Für kleinere Vergehen sind Beträge im Bereich von einigen hundert bis mehreren tausend norwegischen Kronen üblich – bei schwerwiegenderen Fällen drohen Gerichtsverfahren und Führerscheinentzug.
Besonders ins Visier genommen wird die Handynutzung am Steuer, die in den nordischen Ländern als eine der Hauptursachen für Ablenkung gilt und entsprechend hart bestraft wird. Zudem setzt Norwegen seit Jahren auf Streckenradar-Systeme, die die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Punkten messen. Wer also kurz vor der Kamera abbremst und danach wieder Gas gibt, kommt damit nicht durch.
Finnland wiederum ist für sein einkommensabhängiges Strafensystem bekannt, das sogenannte „Day-Fine“-Modell. Dabei wird die Strafe nicht nach einem fixen Betrag bemessen, sondern auf Grundlage des täglichen Nettoeinkommens des Fahrers berechnet – mit gesetzlich festgelegten Mindestsätzen. Europaweit Aufsehen erregte ein finnischer Fall, in dem ein Geschäftsmann für eine Geschwindigkeitsüberschreitung mit 121.000 Euro zur Kasse gebeten wurde.
Österreichs neue Regeln
Für Autofahrer aus dem Balkanraum ist Österreich von besonderer Bedeutung – schließlich führt der Weg nach Deutschland, Italien, in die Schweiz oder nach Westeuropa meist durch das Land. Seit 1. März 2024 gelten hier noch schärfere Regeln für extreme Geschwindigkeitsüberschreitungen: In schweren Fällen kann das Fahrzeug vorübergehend abgenommen werden, in bestimmten Situationen sogar dauerhaft eingezogen und versteigert. Österreich bildet bei der grenzüberschreitenden Vollstreckung von Verkehrsbußen eine Besonderheit, weil dort Geldstrafen aus Deutschland bereits ab 25 Euro aufgrund eines speziellen Abkommens eingetrieben werden können.
Darüber hinaus ist Österreich für sein „Section Control“-System bekannt, das die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem definierten Streckenabschnitt erfasst.
Wer also zwischen zwei Messpunkten zu schnell war, bekommt das auch dann zu spüren, wenn er nie direkt angehalten wurde.