Die Einführung des Euro in Kroatien hat offenbar deutliche Spuren in der Preislandschaft hinterlassen – besonders an der Küste. Auf der Plattform Reddit entbrannte kürzlich eine lebhafte Diskussion über die Preisentwicklung im beliebten Urlaubsland, nachdem ein österreichischer Urlauber seine Erfahrungen in der Region Pula schilderte.
„Wir sind ehrlich überrascht, wie hoch die Preise jetzt sind“, berichtete der Urlauber. „Lebensmittel und Treibstoff kosten fast genauso viel wie in Österreich. Auch Restaurantbesuche sind kaum günstiger – eine Kugel Eis schlägt beispielsweise mit zwei Euro zu Buche.“
Der Österreicher wollte wissen, ob es sich dabei um spezielle Touristenpreise handle oder ob die einheimische Bevölkerung ebenfalls mit diesen Kosten konfrontiert sei.
Die Antwort der kroatischen Reddit-Nutzer fiel eindeutig aus: „Das sind keine Touristenpreise, auch wir zahlen sie“, erklärte einer der meistgelesenen Kommentare. Der Verfasser ergänzte: „Das Durchschnittsgehalt liegt bei etwa 1.460 Euro, der Median bei rund 1.300 Euro. Restaurants und Cafés an der Küste sind deutlich teurer als in Slawonien (kroatische Region), wo auch die Einkommen niedriger sind.“
Ein weiterer Nutzer brachte es noch deutlicher auf den Punkt: „Das sind keine Touristenfallen, das sind Fallen für alle. Einheimische kennen vielleicht ein einziges günstigeres Restaurant – aber das war’s auch schon.“
Behörden bestätigen Preisexplosion
Die Beobachtungen aus der Online-Diskussion werden durch offizielle Daten gestützt. Die kroatische Marktaufsicht stellte nach der Euro-Einführung am 1. Januar 2023 fest, dass die Preise im Handel mancherorts um bis zu 30 Prozent gestiegen sind – insbesondere bei Waren in Bäckereien und im Einzelhandel. Die Behörden reagierten mit Kontrollen und verhängten Bußgelder von fast 500.000 Euro gegen Unternehmen, die nachweislich ungerechtfertigte Preiserhöhungen vorgenommen hatten.
Die Inflationsrate lag in Kroatien nach der Euro-Einführung bei rund 12,5 Prozent und sank bis Februar 2023 nur leicht auf 11,7 Prozent – deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone. Wirtschaftsexperten beziffern den direkten Einfluss der Währungsumstellung auf die Preissteigerungen auf etwa 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte.
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Wohnungsnot verschärft Lage
Besonders problematisch stellt sich die Wohnsituation dar. Während die ältere Generation meist im Eigenheim lebt, kämpfen jüngere Kroaten mit kaum bezahlbaren Mieten. „Ohne eigene Wohnung oder Haus ist es für junge Menschen extrem schwierig, von den Eltern wegzuziehen“, warnte ein Teilnehmer der Diskussion.
Auch beim Lebensmitteleinkauf zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Die Preisunterschiede zwischen den Supermarktketten sind minimal, und internationale Discounter wie Lidl oder einheimische Ketten wie Konzum (kroatische Supermarktkette) verlangen in Kroatien deutlich mehr als in Deutschland oder in Slowenien. Viele Kroaten reagieren darauf mit gezieltem Aktionseinkauf oder Einkaufsfahrten ins günstigere Ausland.
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Verzicht statt Konsum
Die bittere Erkenntnis der meisten Diskussionsteilnehmer: Die Bevölkerung ist sich der überhöhten Preise durchaus bewusst, kann sich Restaurantbesuche oder Café-Aufenthalte aber schlichtweg nicht mehr leisten.
„Wir würden die gleichen Preise wie Touristen zahlen, wenn wir könnten – aber wir gehen einfach nicht mehr essen„, fasste ein Kommentar die Lage vieler kroatischer Familien zusammen.