Mehr als 20.000 Menschen haben bereits unterschrieben – und die Kampagne für eine sechste Urlaubswoche nimmt weiter Fahrt auf.
Die Unterschriftenaktion des Österreichischen Gewerkschaftsbundes für eine sechste Urlaubswoche hat mehr als 20.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gewonnen – ein Ergebnis, das den Nerv vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trifft.
Dass die Kampagne so rasch auf derart breite Resonanz stößt, überrascht Martin Müller, ÖGB-Arbeitsrechtsexperte, nicht. Der Wunsch nach mehr Erholungszeit sei kein Luxusanliegen, sondern eine Reaktion auf die gestiegenen Belastungen der modernen Arbeitswelt, aus der viele kaum noch ausreichend abschalten könnten. Für Müller spricht das Ergebnis eine klare Sprache: „Über 20.000 Unterstützerinnen und Unterstützer sind ein deutliches Signal. Die Menschen sagen klar: Fünf Wochen Urlaub reichen nicht mehr aus.“ Und er fügt hinzu: „Mehr Urlaub ist auch eine Form der Arbeitszeitverkürzung.“
Veraltete Regelung
Der gesetzliche Mindesturlaub von fünf Wochen gilt in Österreich seit 1983 unverändert. Eine sechste Urlaubswoche steht Beschäftigten erst nach 25 anrechenbaren Dienstjahren zu – eine Regelung, die für einen Großteil der Erwerbstätigen schlicht unerreichbar bleibt. Nach Daten der Arbeiterkammer unter Berufung auf Statistik Austria sind aktuell weniger als ein Fünftel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger als 20 Jahre in ein und demselben Unternehmen beschäftigt, was die Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit stark einschränkt. Der ÖGB will das ändern: Die Forderung richtet sich auf eine generelle Einführung der sechsten Urlaubswoche, unabhängig von Alter, Branche, Arbeitszeit oder Betriebszugehörigkeit.
Politischer Druck
Die Online-Kampagne läuft noch bis Ende November und soll den politischen Druck weiter erhöhen. Müller appelliert dabei direkt an die Verantwortlichen: „Die Politik sollte dieses Signal ernst nehmen und endlich die Voraussetzungen für sechs Wochen Urlaub für alle schaffen.“ Für Menschen, die Beruf und Familie unter oft schwierigen Bedingungen miteinander vereinbaren müssen, wäre eine solche Regelung ein spürbarer Schritt zur Entlastung im Alltag.