Zwölf Stunden Fahrt liegen hinter ihnen. Endlich biegt das Auto ins Dorf. Und noch bevor der Motor verstummt, klingelt das Telefon.
Nach der langen Fahrt taucht endlich das Ortsschild auf. Die Kinder schlafen auf der Rückbank. Vorne werden die Augen feucht. Die Straßen kennt er blind, sogar im Dunkeln. Jedes Haus erzählt eine Geschichte. Das Herz schlägt schneller. Kaum steht das Auto, klingelt das Handy – die Mutter. „Jeste li stigli?“, fragt sie. Seid ihr angekommen? Dabei sieht sie das Auto schon vom Fenster aus. Doch die Frage muss sein. Sie ist ein kleines Ritual der Liebe.
Im Hof brennt Licht, obwohl es längst Mitternacht ist. Niemand wollte schlafen gehen. Die ganze Familie hat gewartet. Die Tür geht auf, bevor sie klopfen. Umarmungen, Tränen, Gelächter. Die Müdigkeit ist mit einem Schlag vergessen.
Der gedeckte Tisch
Mitten in der Nacht steht das Essen schon bereit. Niemand fragt, ob man Hunger hat. Man isst, weil es dazugehört. Es gibt Kaffee, obwohl es spät ist. Erzählt wird bis in die frühen Stunden. Keiner will diesen Moment beenden. Erst im Bett der Kindheit fällt alle Anspannung ab. Durchs Fenster zirpen die Grillen. Der bekannte Geruch des Hauses umhüllt ihn. Morgen beginnt der Sommer, denkt er. Doch eigentlich hat er schon begonnen. Mit einem einzigen Anruf um Mitternacht.