50.000 Stellen weg, Rüstungsgespräche in Osnabrück, ein Produktfeuerwerk in China – VW stellt alles auf den Kopf.
Volkswagen steht vor dem nächsten tiefgreifenden Umbau. Konzernchef Oliver Blume hat das Ziel ausgegeben, Europas größten Automobilhersteller bis 2030 grundlegend neu auszurichten. Als zentrale Handlungsfelder nennt Blume Elektromobilität, Digitalisierung, vernetzte Fahrzeuge sowie künstliche Intelligenz.
Parallel dazu müsse der Konzern widerstandsfähiger aufgestellt werden. Blume machte deutlich, dass VW finanziell auf ein stabileres Fundament gestellt werden müsse, um die bevorstehenden Jahre erfolgreich zu meistern – und sieht in der aktuellen Krisenlage zugleich eine strategische Chance.
Struktureller Umbau
Aus der Krise sei VW noch nicht heraus, doch ein konkreter Plan liege vor, so Blume. Vor drei Jahren habe der Konzern damit begonnen, das gesamte Unternehmen systematisch zu durchleuchten. Daraus sei ein Zehn-Punkte-Programm entstanden, das mittlerweile vollständig umgesetzt worden sei.
Die Transformation selbst lasse sich jedoch nicht auf ein zeitlich begrenztes Projekt reduzieren – sie werde ein fortlaufender Prozess bleiben. „Die Risiken werden nicht abnehmen“, sagte Blume. Der Wettbewerbsdruck werde weiter zunehmen, weshalb Volkswagen jetzt in die nächste Transformationsphase eintreten müsse.
Bis zum Jahr 2030 sollen rund 50.000 Stellen im Konzern abgebaut werden. Blume begründet diesen Schritt mit erheblichen Überkapazitäten. Ursprünglich sei VW auf eine Jahresproduktion von mehr als zwölf Millionen Fahrzeugen ausgelegt worden – derzeit liegt der Ausstoß bei zehn Millionen, realistisch seien künftig jedoch nur noch rund neun Millionen abgesetzte Fahrzeuge.
Trotz des Stellenabbaus will Blume Werksschließungen nach Möglichkeit verhindern. Er sprach von „intelligenten Lösungen“, die man gemeinsam entwickeln wolle. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Standort Osnabrück, wo ab 2027 keine Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns mehr vom Band laufen sollen.
Stattdessen laufen Gespräche mit Unternehmen aus der Rüstungs- und Verteidigungsbranche. Blume zeigte sich zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung getroffen werde. Er bezeichne den möglichen Beitrag des Konzerns sogar als „notwendigen Beitrag für die Stabilisierung der Demokratie“.
Gleichzeitig zog Blume eine unmissverständliche Grenze. Auf die Frage, ob Volkswagen künftig in die Waffenproduktion einsteigen werde, antwortete er klar: „Wir werden keine Waffen produzieren.“ Denkbar seien hingegen Fahrzeuge für militärische Transportzwecke oder Verteidigungssysteme.
Modelle & Märkte
Auch für Fahrzeugkäufer könnte die Neuausrichtung spürbare Auswirkungen haben. Blume stellte in Aussicht, dass sinkende Produktionskosten letztlich auch die Verkaufspreise entlasten sollen. Zugleich betonte der Konzernchef: „Wir werden nicht bei der Qualität sparen.“
Der Hauptdruck komme aus China, wo heimische Hersteller durch besonders niedrige Produktionskosten in der Lage seien, sehr günstige Fahrzeuge anzubieten. Als Reaktion darauf plant VW eine Verschlankung des Modellportfolios – die Produktpalette soll überschaubarer werden, die verbleibenden Modelle dafür gezielter auf einzelne Kundensegmente zugeschnitten sein.
China betrachtet Blume dabei nicht nur als Wettbewerber, sondern auch als Quelle von Impulsen. Noch in diesem Jahr sollen dort 20 neue Modelle eingeführt werden, bis Ende 2027 insgesamt 30 und bis 2030 sogar 50. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung sprach Blume in diesem Zusammenhang von einem „riesigen Produktfeuerwerk“.
Den Standort Deutschland schreibt Blume dennoch nicht ab. Entscheidend werde jedoch sein, ob die Rahmenbedingungen – etwa bei den Industriestrompreisen – entsprechend gestaltet würden.
In drei Jahren erwartet der VW-Chef spürbare Fortschritte bei Design, Qualität, Technologie und Kosten – bei Letzteren peilt er eine Verbesserung um 30 Prozent an.