Washington zieht neue Grenzen – und diesmal reichen sie von Grönland bis zum Amazonas. Eine Doktrin mit historischem Anspruch nimmt Gestalt an.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Dienstagabend im Hauptquartier des US Southern Command in Florida eine neue geopolitische Doktrin präsentiert. Unter dem Namen „Strategie des Großen Nordamerikas“ soll sie die regionale Sicherheitspolitik unter Präsident Donald Trump grundlegend neu ausrichten.
Hegseths Sicherheitsperimeter
In seiner Rede vor Verteidigungsbeamten der westlichen Hemisphäre skizzierte Hegseth eine strategische Vision, die sich von Grönland bis Guyana erstreckt und sämtliche Staaten und Territorien nördlich des Äquators in einen gemeinsamen „unmittelbaren Sicherheitsperimeter“ einbezieht. „Jeder souveräne Staat und jedes Territorium nördlich des Äquators – von Grönland bis Ecuador, von Alaska bis Guyana – gehört nicht dem Globalen Süden an. Das ist der unmittelbare Sicherheitsperimeter in dieser großen Nachbarschaft, die wir alle teilen“, erklärte Hegseth.
Als geografische Grundlage dieser Doktrin nannte er den Amazonas und die Anden, die seiner Einschätzung nach die nördlichen und südlichen strategischen Verantwortungsbereiche voneinander trennen. Alle betroffenen Länder grenzten an den Nord- oder Südatlantik beziehungsweise den Nordpazifik und lägen nördlich dieser natürlichen Barrieren.
Neue Lastenteilung
Für die nördliche Hemisphäre kündigte Hegseth eine Stärkung der militärischen Präsenz in enger Abstimmung mit regionalen Partnern an. „Im Norden müssen die Vereinigten Staaten ihre Position und Präsenz in Zusammenarbeit mit Ihnen und unseren souveränen Partnern stärken, um unseren gemeinsamen unmittelbaren Sicherheitsperimeter zu verteidigen“, sagte er.
Gegenüber den Staaten südlich des Äquators formulierte er hingegen veränderte Erwartungen: Sie sollen künftig mehr Eigenverantwortung für die Sicherung ihrer Regionen, kritischer Infrastruktur und Ressourcen übernehmen. „Im Süden werden wir Partnerschaften durch verstärkte Lastenteilung stärken. Das wird es Ihnen ermöglichen, eine bedeutendere Rolle bei der Verteidigung des Südatlantiks und des Südpazifiks zu übernehmen sowie kritische Infrastruktur und Ressourcen in Partnerschaft mit uns und anderen westlichen Nationen zu sichern“, so Hegseth.
Den Abschluss seiner Rede markierte ein historischer Vergleich: Hegseth berief sich auf die Strategie der „Verteidigung der Viertelsphäre“ aus dem Zweiten Weltkrieg und stellte deren Wiederbelebung in Aussicht. „Das haben wir im Zweiten Weltkrieg gemacht. So wie wir damals Schiffe mit Torpedos versenkten, werden wir auch jetzt handeln. Im Verteidigungsministerium nennen wir das Verteidigung der Viertelsphäre. Und das werden wir wieder tun“, schloss er.