Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Preisschock

Warum kostet Eis in Österreich so viel mehr? Preis-Check sorgt für Aufsehen

Warum kostet Eis in Österreich so viel mehr? Preis-Check sorgt für Aufsehen
(Symbolbild FOTO: iStock)
2 Min. Lesezeit |

Gleiches Eis, gleicher Konzern – aber ein völlig anderer Preis. Was hinter dem massiven Österreich-Aufschlag steckt, ist kein Zufall.

Ein aktueller Eis-Check der Verbraucherorganisation foodwatch Österreich kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Sämtliche 20 untersuchten Eisprodukte sind in Österreich deutlich teurer als in Deutschland – im Durchschnitt um rund 50 Prozent. Den größten Preisunterschied weist Magnum Mini auf: Während eine Sechser-Packung in Wien 7,99 Euro kostet, ist sie in München um lediglich 4,49 Euro erhältlich – ein Aufschlag von 78 Prozent.

Auch bei Calippo und Viennetta fallen die Differenzen mit 70 beziehungsweise 67 Prozent erheblich aus. Insgesamt sind neun der zwanzig getesteten Produkte in Österreich mehr als 50 Prozent so teuer wie im deutschen Nachbarland.

„Der Eis-Check zeigt einmal mehr: Konsument:innen in Österreich werden systematisch zur Kasse gebeten. Es geht hier nicht um ein paar Cent Unterschied, sondern um Preisaufschläge von bis zu 78 Prozent für dieselben Produkte, von denselben Konzernen“, kritisiert Miriam Maurer von foodwatch Österreich.

Strukturelles Problem

Nach Einschätzung von foodwatch liegt die Ursache nicht im Verhalten einzelner Handelsketten, sondern in einer strukturellen Schwachstelle des europäischen Lebensmittelmarkts: den sogenannten territorialen Lieferbeschränkungen. Hersteller wie Unilever und Nestlé verhindern damit, dass österreichische Händler ihre Waren dort beziehen können, wo die Preise günstiger wären – etwa in Deutschland.

Auch die Arbeiterkammer Wien beschreibt den Österreich-Aufschlag als Preisunterschied bei identen Markenprodukten gegenüber benachbarten EU-Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland, und nennt als Ursache ebenfalls territoriale Lieferbeschränkungen durch internationale Markenhersteller.

Die Folge: Der heimische Lebensmittelhandel ist gezwungen, zu höheren Einkaufspreisen zu ordern, und gibt diese Mehrkosten direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Der sogenannte Österreich-Aufschlag ist damit nicht an der Kassa entstanden, sondern bereits tief im System verankert.

EU-Debatte läuft

Auf EU-Ebene wird derzeit über ein Verbot dieser territorialen Lieferbeschränkungen diskutiert. Für foodwatch Österreich steht fest: „Dieses Gesetz muss kommen – und zwar ohne Verwässerung durch die Konzernlobby.“

foodwatch Österreich ruft daher dazu auf, eine Petition gegen diese Lieferbeschränkungen zu unterzeichnen. Nur durch ausreichend öffentlichen Druck, so die Organisation, lasse sich verhindern, dass ein wirksames EU-Gesetz am Ende durch Lobbyinteressen abgeschwächt oder gänzlich blockiert wird.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen