Zwischen Bomben und Hinterhalt kämpft Jürgen Högl vom Roten Kreuz nicht nur um Leben, sondern auch gegen ein Phänomen, das er als „Erosion der Menschlichkeit“ bezeichnet.
Jürgen Högl steht täglich an der Frontlinie menschlichen Leids. Der 54-jährige Einsatzleiter des Roten Kreuzes hat in Kiew erlebt, wie Bomben nur wenige Meter von ihm entfernt einschlugen. In Gaza musste er den Tod von Kollegen verkraften, die in einen Hinterhalt gelockt und erschossen wurden. Dennoch setzt er seine Arbeit fort. Im Gespräch mit der bundesweiten Schülerzeitung „campus a college“ erklärt er Schülern, warum er trotz aller Gefahren weitermacht: Es sei „einfach richtig“.
Für den Katastrophenhelfer war das Unterstützen anderer stets selbstverständlich. Doch er beobachtet eine beunruhigende Entwicklung: Die gesellschaftliche Bereitschaft zum Mitgefühl und zur Verantwortungsübernahme schwindet zusehends. Högl bezeichnet dieses Phänomen als „Erosion der Menschlichkeit“ – ein Prozess, der durch politische Entscheidungen weltweit salonfähig geworden sei.
Moralischer Verfall
Besonders Donald Trump habe diese Entwicklung beschleunigt, indem er wesentliche Hilfszahlungen einstellte. Die Verringerung der Unterstützung habe gravierende humanitäre Folgen, erklärt Högl im Gespräch mit den beiden Achtklässlern des Theresianums Wien.
In den Konfliktregionen zeigt sich dieser moralische Verfall besonders deutlich. Grundlegende Regeln, die einst selbst in Kriegszeiten den Schutz der Schwächsten garantierten, werden missachtet. Angriffe auf Zivilpersonen, Folterpraktiken und die gezielte Bombardierung von Krankenhäusern sind traurige Realität geworden.
Schülerzeitung engagiert
Campus a college ist Österreichs erste bundesweite schulübergreifende Schülerzeitung. Im Rahmen des Projekts interviewen SchülerInnen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel ist, Deutschkenntnisse zu verbessern und Jugendlichen eine starke Stimme zur Festigung der Demokratie zu geben. Die Anmeldung ist für Schulen und SchülerInnen kostenlos und ohne Mehraufwand für Lehrer. Das Projekt wird vom Bildungsministerium unterstützt. Infos: www.campus-a-college.at
Für Högl sind all diese Entwicklungen Anzeichen einer Welt, die sich gefährlich von ihren humanitären Grundprinzipien entfernt. Trotz dieser düsteren Analyse bleibt seine Überzeugung unerschütterlich: Nur wer seinen moralischen Werten treu bleibt, kann verhindern, dass sich die gesellschaftliche Abwärtsspirale fortsetzt.
Das Interview führten Ferdinand Gröschl und Maximilian Hamerle, Schüler der 8. Klasse des Theresianums Wien.