Rekordwerte für Wiens Tagungsbranche: Mit über 6.600 Kongressen und Firmenevents erzielt die Donaumetropole eine Wertschöpfung von 1,32 Milliarden Euro und sichert 23.500 Arbeitsplätze.
Wien hat seine Position als globale Tagungsmetropole eindrucksvoll ausgebaut. Mit über 6.600 Kongressen und Firmentagungen erzielte die Stadt eine Wertschöpfung von 1,32 Milliarden Euro – ein historischer Höchstwert. Diese Veranstaltungen generierten 365 Millionen Euro an Steuereinnahmen und sicherten 23.500 ganzjährige Arbeitsplätze weit über den Tourismussektor hinaus. Vom Steueraufkommen flossen 213 Millionen Euro an den Bund, während Länder und Gemeinden 152 Millionen Euro erhielten, davon allein 45 Millionen für Wien.
Bürgermeister Michael Ludwig betont: „Wien hat seine Position als global führende Tagungsmetropole weiter gefestigt: Mehr als 6.600 Kongresse und Firmentagungen erbrachten eine Wertschöpfung im Milliardenbereich, mehr als 360 Millionen Euro an Steueraufkommen und schafften 23.500 Ganzjahresarbeitsplätze, die weit über die Tourismusbranche hinausreichen. Wiens Meetingindustrie ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir uns als weltoffene Metropole positionieren und mit Tourismus Nutzen und Lebensqualität für die hier lebenden Menschen und unsere Wirtschaft erzeugen. Die Weiterentwicklung der Meetingindustrie spielt eine zentrale Rolle in Wiens Wirtschafts- und Innovationstrategie 2030.“
Die Wiener Tagungsbranche verzeichnete 2024 ihre bisher stärkste Performance. Bei einer Pressekonferenz des WienTourismus präsentierten Geschäftsführer Norbert Kettner, Markus Grießler von der Wirtschaftskammer Wien und Anita Paic vom Vienna Convention Bureau die beeindruckenden Ergebnisse.
Mit insgesamt 6.619 Veranstaltungen übertraf Wien deutlich die Vorjahreswerte: 2.193 Kongresse (+2%) und 4.426 Firmenveranstaltungen (+3%) wurden registriert. Jede neunte Übernachtung in Wien ging auf das Konto eines Kongress- oder Firmentagungsteilnehmers. Die rund 671.000 Teilnehmer – ein Plus von 6% gegenüber dem Vorjahr – sorgten für knapp zwei Millionen Übernachtungen, was einem Wachstum von 26% entspricht. Besonders bemerkenswert: Meeting-Gäste blieben durchschnittlich drei Nächte in Wien, deutlich länger als der typische Wien-Besucher mit 2,3 Nächten.
„Ein herzliches Dankeschön an alle Akteur:innen von Wiens Tagungsindustrie und Gratulation zu einem bahnbrechenden Erfolg, der selbst die vorpandemischen Höchstleistungen der Branche in den Schatten stellt“, würdigte Tourismusdirektor Norbert Kettner die Leistung. „Die wirtschaftlichen Effekte der Wiener Tagungsindustrie reichen weit über die Stadtgrenzen hinaus und sind ein bedeutender Wachstumstreiber für ganz Österreich.“
„In unserer Visitor Economy Strategie haben wir uns das engagierte Ziel gesetzt, langfristig zumindest jede zehnte Nächtigung in Wien aus dem Meeting-Bereich zu holen. 2024 haben wir dieses Ziel punktuell schon übertroffen“, erklärte Kettner. Er warnte jedoch vor wachsender internationaler Konkurrenz: „Aufstrebende Player investieren bereits massiv in ihre Infrastruktur, um einen Teil des Kuchens zu bekommen – beispielsweise Riad, das bis 2030 mit einer Million Quadratmetern Ausstellungsfläche und Hotelzimmern im sechsstelligen Bereich aufwarten will.“
Internationale Strahlkraft
Internationale Kongresse erwiesen sich als tragende Säule der Wiener Tagungsindustrie. Von den 2.193 Kongressen waren 781 international ausgerichtet – ein Anstieg von 7%. Obwohl internationale Kongresse nur 12% aller Veranstaltungen ausmachten, generierten sie 39% aller Teilnehmer (260.000), 67% aller Übernachtungen (1.338.000), 73% der Wertschöpfung (956 Millionen Euro) und der Steuereinnahmen (267,23 Millionen Euro).
Medizinische Veranstaltungen dominierten auch 2024 das Kongressgeschehen mit 43% der kongressbedingten Übernachtungen. Formal- und Naturwissenschaften folgten mit 12%, Geisteswissenschaften und Politik mit jeweils 9% und Technologie mit 8%. Als UN-Standort trug auch dieser Bereich wesentlich zum Kongressaufkommen bei (8%).
„Wien ist Diplomatiestandort und führend bei medizinischen Kongressen. Die aktuellen Zahlen führen vor Augen, wie essenziell Wiens internationale Ausrichtung bleibt“, betonte Kettner. Die enge Zusammenarbeit des Vienna Convention Bureau mit lokalen Institutionen wie der MedUni Wien oder der Universität Wien hat bereits hochkarätige Veranstaltungen für die kommenden Jahre gesichert.
Auch internationale Firmentagungen entwickelten sich 2024 dynamisch: Mit 2.155 Veranstaltungen und einem Wachstum von 10% erreichten sie einen Rekordwert. Die Übernachtungen in diesem Segment stiegen um fast die Hälfte (46%) auf 427.000.
Künstliche Intelligenz etablierte sich als wichtiges Thema: 2024 war Wien Gastgeber der Europa-Premiere des TEDAI-Kongresses im Volkstheater und wird auch 2025 „Europe’s official TED Talks on AI“ in der Hofburg ausrichten.
„Wie begehrt die Meeting Destination Wien ist, zeigen laufend internationale Rankings“, erläuterte Markus Grießler von der Wirtschaftskammer Wien. Im Vorjahr belegte Wien weltweit Platz 4 in der Gesamtwertung der International Congress and Convention Association und Rang 2 bei der Union of International Associations. Seit 2008 erreichte Wien insgesamt sieben Mal den weltweiten Spitzenplatz.
Nachhaltiger Kongresstourismus
„An der gestiegenen Aufenthaltsdauer zeigt sich: Großkongresse wie Firmenveranstaltungen brauchen attraktive Begleitprogramme“, erklärte Grießler. „Mit der neuen Wien Holding Arena investiert die Stadt gezielt in neue Infrastrukturprojekte, um Wiens Rolle als Event-Metropole weiter zu stärken.“
Grießler betonte die zunehmende Verzahnung von Tagungs- und Eventwirtschaft: „Zum einen, weil immer mehr Kongresse auf Side-Events setzen, zum anderen, weil die Anforderungen immer ähnlicher werden.“ Er schlug die Schaffung eines Wiener Event Boards vor, um Wien bei internationalen Veranstaltern bekannter zu machen.
Das Vienna Convention Bureau führt seit 1991 regelmäßig Studien durch, die Verhalten und Erwartungen von Kongressgästen analysieren. Die aktuelle Erhebung von 2024 mit rund 600 Teilnehmern internationaler Fachkongresse zeigte: Für 60% der Befragten ist eine gute internationale Erreichbarkeit entscheidend. 84% – deutlich mehr als vor der Pandemie – reisten mit dem Flugzeug an, 40% davon mit Austrian Airlines.
„Der internationale Flugverkehr ist die Lebensader der Wiener Tagungsindustrie“, unterstrich Kettner. Gleichzeitig fördert der WienTourismus die Mobilität auf der Schiene. Beim europäischen Radiologiekongress nutzten etwa 1.000 der 20.000 Teilnehmer das „ÖBB Kongresskonto“, weitere 1.200 wählten den City Airport Train.
Umweltschutz spielt für Kongressgäste eine wichtige Rolle: 63% nutzen öffentliche Verkehrsmittel. 2024 wurden in Österreich 302 Kongresse als Green Meetings zertifiziert, davon 199 in Wien (66%). Im Vergleich zu 2023 verdoppelte sich deren Wachstum österreichweit (+96%), in Wien stieg es sogar um 172%.
Die Studie bestätigte auch, dass Kongressgäste länger in Wien bleiben: 86% planen einen privaten Wiederbesuch, 27% verlängerten ihren Aufenthalt. Sie nutzten ihre Freizeit für Sightseeing (50%), Museumsbesuche (33%) und Shopping (25%). Mit durchschnittlich 560 Euro pro Übernachtung geben sie fast doppelt so viel aus wie reguläre Wien-Besucher (360 Euro).
„Wer für Meetings anreist, fügt sich nahtlos ins Gefüge der Stadt ein und konsumiert hochwertig“, erklärte Paic. 88% der Kongressgäste übernachten in Hotels, 57% davon in 4- oder 5-Sterne-Häusern. Wiens Hotelkapazität ist seit der Pandemie um ein Fünftel gewachsen, mit einem stabilen Anteil gehobener Kategorien.
Kongressveranstalter legen zunehmend Wert auf positive Beiträge für die Stadt und ihre Bewohner. 2025 führt der WienTourismus weitere „Legacy-Projekte“ durch, etwa Aufklärungsarbeit an Wiener Schulen im Vorfeld des Jahreskongresses der European Renal Association oder öffentliche Veranstaltungen beim Living Planet Symposium der European Space Agency.
Um den Standort im globalen Wettbewerb zu stärken, nutzt Wien den während der Pandemie ins Leben gerufenen Vienna Meeting Fund. Diese Förderung richtet sich an mehrtägige internationale Veranstaltungen außerhalb der Hauptsaison. Die volle Förderhöhe von 60.000 Euro ist nur bei Zertifizierung als Green Meeting oder ÖkoEvent möglich.
2025 finden in Wien über 50 Kongresse mit mehr als 1.000 Teilnehmern statt – fünf Großkongresse überschreiten die Marke von 10.000 Teilnehmern. Allein im Vorjahr konnte das Vienna Convention Bureau 120 internationale Kongresse und Firmentagungen mit insgesamt 150.000 Teilnehmern für die kommenden Jahre gewinnen.
Derzeit laufen weltweit mehr als 250 Bewerbungen für Meetings bis 2038.